Fragmente 1.5 – Gefahr droht


annelaufweg

Was bisher geschah:

Fragmente 1.0 – Anne

Fragmente 1.1 – Aufbruch

Fragmente 1.2 – Anruf aus der Vergangenheit

Fragmente 1.3 – Raoul

Fragmente 1.4 – Ein neuer Traum

Anne versuchte Ordnung in ihren Kopf zu bringen. Der Traum von letzter Nacht hatte sie total verwirrt. Es fiel ihr schwer, wieder vollkommen zurück in die Realität zu finden. “Frühstück ist fertig!” hörte sie Sandra von unten rufen. Der Duft von frisch aufgebrühtem Kaffee drang in ihre Nase und von draussen schlängelten sich Sonnenstrahlen durch das Fenster in das Zimmer. Anne schwang ihre Beine aus dem Bett um aufzustehen. Es knirschte seltsam unter ihren Fusssohlen. Sie schaute nach unten und staunte nicht schlecht, als sie ihre Füsse betrachtete. Sie waren voller Sand, als wäre sie erst von einem Strandspaziergang zurück gekehrt. Sand? Wie um alles in der Welt war das möglich?

Urplötzlich erinnerte sie sich an ihren gebrochenen Fingernagel, ein Ereignis aus ihrem Traum von vor zwei Tagen, das ebenfalls nach dem Aufwachen als Souvenier ihres nächtlichen Abenteuers zurückblieb. Sie überlegte, ob sie vielleicht nachtwandelte. So wären diese Phänomene leicht erklärbar. Die schmutzigen Füsse waren vielleicht das Ergebniss eines nächtlichen Spazierganges im Garten von Sandra. Anne schüttelte diese Gedanken ab, stand auf und zog sich eine Jeans und ein frisches T-Shirt über. “Ich komme!” rief sie Sandra entgegen und ging nach unten in die gemütliche Wohnküche, wo Sandra gerade Rührei aus einer Bratpfanne in zwei Teller gabelte. Es roch herrlich! Frisches Brot, Kaffe und Rührei. Anne setzte sich dankbar an den Tisch und roch an der Rose, die einsam in einer schlanken Vase auf dem Tisch stand.

Während dem Frühstück erzählte sie Sandra von ihren nächtlichen Erlebnissen und ihre Freundin hörte ihr aufmerksam zu. Man konnte ihr ansehen, dass sie nicht recht wusste, ob sie darüber lachen oder ob es ihr unheimlich sein sollte. “Anne, irgendetwas läuft hier nicht so, wie es laufen sollte!” Sandra blickte ihre Freundin aufmerksam an. “Ach was! Ich habe nur geträumt! Da ist nichts Ungewöhnliches dabei!” versuchte Anne abzuwiegeln. Doch in ihrem Innern machte sich ein seltsam metallisches Gefühl breit. Irgendwie konnte sie fühlen, dass bald nichts mehr so sein würde, wie es war. Sie spürte instinktiv, dass sich ihr Leben bald von Grund auf verändern würde. “Paps!” sagte sie mit vollem Munde. “Ich muss Paps anrufen!” Kaum hatte sie die Worte ausgesprochen, klingelte es an der Tür. Sandra stand auf ging den Hausflur entlang um nachzusehen, wer der frühe Besucher war. “Anne!” hörte sie Annes Vater von draussen rufen. “Anne, bist Du da?” Sandra öffnete die Haustür und lies Annes Vater herein. “Wo ist sie?” fragte er Sandra ungeduldig. “In der Küche” antwortete Sandra und führte den sichtlich aufgeregten Mann zu seiner Tochter. “Kaffee?” fragte Sandra und Annes Vater nickte. “Danke! Den kann ich jetzt brauchen!”

“Paps, was ist los?” fragte Anne und schaute ihren Vater neugierig an. “Die Polizei hat bei mir angerufen und nach Dir gefragt!” “Die Polizei?” Anne blickte ihren Vater ungläubig an. Sie dachte nach und forschte nach einem Grund. “Anne, Du musst jetzt stark sein.” “Paps, nun sag schon, was ist passiert?” Er überlegte einen Moment, dann fing er an zu erzählen, was sich abgespielt hatte. “Die Polizei rief mich gestern Abend an, weil…” er zögerte. Dann brach es aus ihm heraus “Nick ist tot!” Anne erstarrte, sie konnte nicht glauben was ihr Vater gerade gesagt hatte. “Nick ist …tot?” “Hat er sich das Leben genommen? Bin ich schuld? Ich hätte nie gedacht dass er…” aber Annes Vater unterbrach sie. “Ermordet! Er wurde umgebracht!”. Sandra prustete los. Vor Schreck hatte sie sich an ihrem Kaffee verschluckt. “Nick ermordet?” Anne sass da, wie vom Donner gerührt. Ich habe der Polizei gesagt, dass sie Dich hier erreichen könnten. Sie werden sich wohl bald melden. “Anne, du bist in Gefahr!” Anne schaute ihren Vater erschrocken an. “Nick hat während seinem Todeskampf mit einem Finger eine Nachricht in einer Blutlache hinterlassen. “Wie…aber…ich..” Anne stammelte. “Was hat er geschrieben?” Ihr Vater zitierte was ihm die Beamten erzählt hatten. Dort stand:

“Anne lauf weg”

Anne versuchte sich zu sammeln. Ihr Gefühl, dass sich ihr Leben verändern werde, wurde nun allzu schnell zur unumstösslichen Wahrheit. Sie hätte nur nie gedacht, dass dies in dieser Form geschehen würde. Warum wurde Nick ermordert? Wieso hatte er versucht sie zu warnen? Trachtete auch jemand nach ihrem Leben? Waren sie alle in Gefahr?
Annes Vater riss sie aus Ihren Gedanken. “Anne, ich muss Dir noch etwas sagen. Es geht um Raoul Ramirez!” Annes Augen weiteten sich! “Raoul? Du kennst Raoul? Aber woher…” ihr Vater unterbrach sie. “Ich habe ihm damals die Firma empfohlen, bei der Du gearbeitet hast. Und ich habe auch Deinen Chef gebeten, Dich mit dieser Aufgabe zu betreuen. Ich kenne Raoul durch meine Forschungsarbeiten. Er ist der Sohn eines befreundeten Wissenschaflters aus Peru. Er wollte sich morgen mit mir in Bern treffen. Aber ich habe von seiner Assistentin die Nachricht erhalten, dass Raoul vermisst würde. Er war nicht am Flughafen erschienen.”Anne schaute ihren Vater an. Einmal mehr versuchte sie, ihre Gedanken zu ordnen und plötzlich war ihr klar, was zu tun war. “Ich werde nach Peru fliegen!” Sie erinnerte sich an Ihren Traum und blitzartig war ihr klar, dass es nur diese Möglichkeit geben konnte.

Annes Vater wollte gerade widersprechen, als es abermals an der Tür klingelte. Sandra stand auf und öffnete. Anne hörte eine Männerstimme “Kriminalpolizei, Inspektor Trost. Sind sie Anne Kammermann?”

Weiter mit Fragmente 1.6 – Verborgene Wahrheit

4 Gedanken zu “Fragmente 1.5 – Gefahr droht

  1. Träume sagen uns immer etwas. Und wie schön wäre es, wenn man am Morgen mit einem kleinen Mitbringsel aus dem Traumland aufwachen würde. Denn zu schnell vergisst man die Reiseerlebnisse der Nacht. Und zu dem Sand … ich liebe Sand zwischen meinen Zehen. Das lässt mich lebendig und nicht perfekt aber toll fühlen. :-)

  2. @Frau Lehmann: Ein kleiner Tip von mir: Notizblock und Schreiber neben das Bett. So kann man gleich nach dem Erwachen aufschreiben, was man geträumt hat. So bleiben die Träume nicht nur Schäume! Und ja, ich liebe den Sand auch so sehr! Gibt es etwas schöneres als Barfuss an einem Strand entlang zu laufen?

    @little-wombat: wow, gänsehaut…. :-) da muss ich mir ja mächtig mühe geben, dass ich die Spannung aufrecht erhalten kann…. :-)

  3. WOW!! Das wird ja immer besser! Das Du schreiben kannst hab ich ja schon aus anderen Beiträgen in deinem Blog gemerkt. Aber die Geschichte ist ja der Hammer! Einfach genial. Ich kann gar nicht aufhören zu lesen und bin froh brauch ich im Moment nicht auf die Fortsetzung zu warten ;-))

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