Fragmente 1.28 – Rettung und neue Gefahr

Veröffentlicht in Fiktion, Fragmente, Kurzgeschichte, Literartur mit Tags , , , , , , , am 20. Januar 2010 von stoeps

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Margaretha vergass jede Vorsicht und rannte auf Pedro zu. Anne und Luis folgten ihr. Anne zerdrückte es fast das Herz mit ansehen zu müssen, wie Margaretha neben Pedro nieder kniete und behutsam seinen Kopf auf Ihre Beine bettete. Eingetrocknetes Blut klebte überall in Pedros Gesicht und Haaren und zahlreiche Wunden, die auch seinen nackten Oberkörper bedeckten, zeugten von der grausamen Folter der Entführer. Pedro atmete flach und nur das Leuchten in seinen Augen vermochte seinen Rettern zu signalisieren, wie froh er war, dass sie ihn gefunden hatten. Das Sprechen fiel ihm sichtlich schwer. „Mutter…“ hauchte er und Margaretha legte ihm sanft ihren Zeigefinger auf seine Lippen um ihm zu verstehen zu geben, dass er nicht zu sprechen brauchte. „Danke….ihr…“ flüsterte Pedro, dann übernahm eine gnädige Ohnmacht seinen Körper.

„Er muss ins Krankenhaus!“ zeriss Annes aufgeregte Stimme die schmerzhafte Stille in der Lagerhalle. Doch Margaretha winkte ab. Sie befürchtete, dass die Entführer ihn dort finden würden und überzeugte die Anderen mit ihrem Vorschlag Pedro nach Hause zu nehmen und sich dort um ihn zu kümmern, während Anne und Luis zu den Ebenen von Nazca fahren sollten um den zweiten Kartenstein zu finden. Anne und Luis willigten zögerlich ein. Ihnen war bewusst, dass es ein Wettlauf mit der Zeit werden würde und wie wichtig es war, die Bibliothek schnellstmöglich zu finden. Sie trugen Pedro zum Auto und machten sie auf den Weg zu Margarethas Pension.

Nachdem Margaretha ihren Sohn fürs erste versorgt und ihn ins Bett gelegt hatte, rief sie eine befreundete Ärztin an, welche sich bereit erklärte vorbeizukommen und Pedro zu untersuchen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis sie eintraf und zusammen mit Margaretha im Zimmer von Pedro verschwand. Eine halbe Stunde später hatten sie Gewissheit, dass er stabil war und es überstehen würde. Die Wunden waren alle oberflächlich und sahen schlimmer aus als sie waren. Margarethas Freundin verabschiedete sich und liess einige Medikamente und Verbandsmaterial, einen Verletzten und drei komplett erledigte Menschen zurück. Eine Mischung aus Angst, Besorgnis und Wut hing wie eine Gewitterwolke im Speisesaal der Pension.

Die drei sassen schweigend an einem Tisch und versuchten ihre Gedanken zu ordnen und das Vergangene zu verarbeiten. Anne spürte eine bleierne Müdigkeit und den unbändigen Wunsch, das alles möge jetzt einfach wie ein hässlicher Albtraum vorbei sein und sie würde in ihrem Bett zu Hause erwachen. Doch das passierte nicht. Sie war hier und es gab kein Entrinnen. Der Weg, den sie begonnen hatte, musste zuende gegangen werden. Sie rang mit ihren Ängsten und Sorgen und plötzlich flackerte ein kleines Feuer in ihrem inneren auf. Plötzlich wurde ihr wieder bewusst, dass sie Teil einer wichtigen Begebenheit war und eine Aufgabe hatte. Ein Ruck ging durch ihren Körper. Sie stand auf blickte von Margaretha zu Luis. „Wir müssen uns zusammenreissen!“ sagte sie zu den beiden, die ihr mittlerweile so ans Herz gewachsen waren. Luis und Margaretha sahen zu ihr hoch und nickten abwesend.

Anne schüttelte ihre Lethargie ab und ging in die Küche um Kaffee aufzusetzen. Margaretha erhob sich ebenfalls und holte eine Strassenkarte von Peru, die sie auf dem Tisch ausbreitete. Margaretha war froh, sich etwas ablenken zu können und vertiefte sich in dem Wirrwarr von Strassen, die das Papier überzogen. „Eigentlich ist es ganz einfach. Ihr nehmt die Panamericana und fahrt etwa 500 Kilometer Richtung Süden.“ Sagte sie  und Luis fügte nickend an: „Das sollten wir in etwa 8 bis 9 Stunden schaffen.“ Anne wollte nicht mehr länger warten und schlug vor, noch etwas zu essen, das nötigste zusammen zu packen um dann los zu fahren. Sie würden die Strecke aufteilen und derjenige der nicht fuhr, würde schlafen und sich so erholen können. Luis willigte ein.

Anne brachte den Kaffee und gemeinsam planten sie ihre Fahrt. Langsam vertrieben Mut und Entschlossenheit die Sorgen der kleinen eingeschworenen Gemeinschaft. Wenn Pedros Qualen nicht umsonst gewesen sein sollen, dann müssten sie nun weitermachen und ihr Ziel erreichen. Schliesslich wollten Anne und Luis auch ihre Liebsten suchen und Anne war sich sicher, dass sie Raoul und Carlos bald finden würden. In ihren Träumen begegnete sie Raoul immer in dort, wo ihre Reise sie nun als nächstes hinführen sollte. Margaretha stand nun auf und ging in die Küche um etwas zu essen zuzubereiten, während Anne und Luis auf ihre Zimmer gingen, um das nötigste für die Fahrt einzupacken. Anne nahm den Kartenstein in die Hand und betrachtete ihn. In Ihren Gedanken sah sie sich mit Raoul damals im Büro sitzen. Damals war der Stein für sie nur ein Gegenstand, den sie in einer Liste neben vielen anderen Artefakten wahrnahm. Raoul brachte ihn zu ihr und nun sollte er sie wieder zu ihm bringen. Sie drückte den Stein an ihr Herz und flüsterte leise: „Bald werden wir uns wiedersehen, Raoul!“. Dann nahm sie ein T-Shirt und wickelte den Stein darin ein und packte ihn in ihren Rucksack.

Bevor Anne nach unten ging, wollte sie noch kurz nach Pedro schauen und öffnete vorsichtig die Tür zu seinem Zimmer. Auf Zehenspitzen schlich sie sich zu seinem Bett und setzte sich behutsam auf die Kante der Matratze um ihn ja nicht aufzuwecken. Margarethas Freundin hatte seine Wunden versorgt und ihm einige Verbände angelegt. Er hatte auch ein starkes Schmerzmittel erhalten, das gleichzeitig dafür sorgte, dass Pedro schlafen konnte. Sein Atem ging gleichmässig und Anne strich ihm zärtlich eine Locke aus der Stirn. Es fiel ihr nicht leicht, ihren Halbbruder, den sie doch gerade erst gefunden hatte, schon wieder alleine zu lassen. Noch dazu in so einem Zustand. Doch sie wusste, dass er es verstehen würde. Sie beugte sich langsam zu ihm hinunter und küsste ihn sanft auf die Stirn. Es knarrte leise an der Tür und Luis betrat leise das Zimmer. Er machte ihr Zeichen, dass das Essen fertig sei und sie kommen sollte. Anne nickte und Luis ging wieder aus dem Zimmer. Anne betrachtete Pedro noch einmal liebevoll und verliess dann den Raum um sich für die Fahrt zu stärken.

Das Essen schmeckte, aber Anne war bereits in Gedanken im Süden und sah sich mit Luis nach Raoul und Carlos suchen. Als ob Luis erraten hätte, was Anne beschäftigte sagte er leise zu ihr: „keine Angst, wir werden die Beiden finden. Ich bin überzeugt davon, ich habe das starke Gefühl, dass wir bald mit ihnen vereint sein werden.“. Anne nickte. Auch sie fühlte, dass bald etwas Wichtiges geschehen würde und dass sie Raoul und Carlos bald wiedersehen würden.

Nach dem Essen verstaute Luis Annes Rucksack und seine Tasche im Wagen. Er setzte sich ans Steuer und drehte den Zündschlüssel um zu prüfen, wie viel Benzin noch im Tank war. Er sah, dass die Nadel des Tankanzeigers nicht weit nach oben kletterte und nahm sich vor, Margaretha nach der nächsten Tankstelle zu fragen. Er stieg aus und sah in den Himmel, der sich nun langsam rot verfärbte. Die untergehende Sonne zauberte ein wunderbares Farbenspiel in die wenigen Wolken und die ersten hellen Sterne waren bereits zu sehen. Seine Gedanken schweiften in den Süden zu Carlos und eine bleierne Sehnsucht packte ihn. So lange hatte er seinen Freund nun schon nicht mehr gesehen und nun, da das Wiedersehen zum Greifen nahe stand, konnte er es kaum erwarten. Es gab auch Zweifel, die sich in seinen Kopf schlichen. Wo genau sollten sie ihre Suche beginnen? Waren die beiden noch am Leben? Was würde sie auf den Ebenen von Nazca erwarten?

Das Knacken eines Astes in einem Gebüsch riss ihn aus seinen Gedanken zurück in die Realität. Er schaute sich im Garten um und schaute mit zusammengekniffenen Augen in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Doch da war nichts. Die Hecke sah aus wie immer. Luis schloss die Autotür und drehte den Schlüssel im Schloss. Gerade als er wieder ins Haus wollte, hörte er wieder ein Geräusch. Diesmal war es eine Autotür, die hinter der Hecke zuschlug. Er wartete ab. Doch er hörte keinen Motor starten. Vielleicht war auch jemand ausgestiegen, dachte er. Doch dann hätte er doch das Auto heranfahren hören müssen? Er verscheuchte seine Gedanken wieder. Es war ihnen niemand gefolgt, als sie Pedro am Hafen geholt hatten und die Verfolger konnten nicht wissen, dass sie hier waren.

Er ging zurück zur Pension um Anne zu holen und Margaretha nach der nächsten Tankstelle zu fragen. Anne stand bereits im Türrahmen und verabschiedete sich von Pedros Mutter. „Viel Glück und bitte sag Pedro liebe Grüsse, wenn er wieder erwacht!“ sagte sie. „Ihr werdet wohl fast wieder zurück sein, bis Pedro wieder aufwacht.“ Sagte Margaretha und drückte Anne fest an sich. Auch Pedro verabschiedete sich von Margaretha und wünschte ihr viel Glück. Auf der Karte zeigte sie ihm noch, wo sie tanken konnten und dann fuhren Anne und Luis gemeinsam hinaus in die Nacht. Nach dem sie ihren Tank gefüllt und noch Wasser für die Fahrt gekauft hatten, fuhren sie über die Auffahrt auf die Panamerica, die sie nach Süden zu Raoul und Carlos bringen sollte.

Die Fahrt verlief ruhig. Je später die Nacht wurde, umso weniger Verkehr war auf der Autobahn auszumachen. Anne schlief auf dem Beifahrersitz, während Luis den Wagen für die ersten vier Stunden steuerte. Anne schlief ruhig und traumlos während Luis seinen Gedanken nachhing und sich vor seinem inneren Auge das Wiedersehen mit Carlos immer und immer wieder vorstellte. Die Strasse lehrte sich immer mehr. Nur der Wagen mit dem kaputten rechten Scheinwerfer blieb immer auf gleicher Distanz hinter ihnen. Doch Luis mass dem keine Bedeutung bei. Er wollte so schnell wie möglich zu Carlos. Langsam wurde der Druck in seiner Blase immer stärker. Er verlangsamte seine Fahrt und fuhr links an den Strassenrand und stieg aus, um sich zu erleichtern. Anne bekam davon nichts mit und schlief tief und friedlich. Luis kramte sich eine Zigarette aus der Tasche und zündete sie an. Langsam blies er den Rauch in die Nacht und betrachtete die Sterne. Ein Auto raste vorbei und zerschnitt die Stille des Niemandslandes, in dem sie sich mittlerweile befanden. Luis schnippte die fertig gerauchte Kippe auf die Strasse, streckte sich und begab sich zurück zum Auto. Anne schlief noch immer und ihr Oberkörper hob und senkte sich in regelmässigem Rhythmus auf und ab. Luis startete den Motor und fuhr zurück auf die leere Strasse.

Im Rückspiegel sah er, dass mit einigem Abstand hinter ihnen ebenfalls ein Auto zurück vom Strassenrand auf die Strasse fuhr. Etwas erstaunt stellte er fest, dass der rechte Scheinwerfer kaputt war. Nun begann er sich doch Gedanken zu machen. Wurden sie verfolgt? Er versuchte sich diese Zweifel auszureden, doch gleichzeitig suchte er nach einer Idee, den Wagen hinter ihnen loszuwerden. Er verlangsamte die Fahrt in der Hoffnung, dass das Auto sie überholen würde. Doch auch die Verfolger verlangsamten. Luis gab wieder Gas und beschleunigte diesmal auf eine viel höhere Geschwindigkeit. Auch jetzt passte sich der Wagen hinter ihnen ihrer Geschwindigkeit wieder an. Luis verlangsamte die Fahrt wieder. Doch dieses Mal bremsten die Verfolger nicht ab. Das Auto hinter ihnen kam immer näher, gefährlich nahe!

„Los, überhol doch!“ rief Luis, der nun langsam in Panik geriet. Anne erwachte schlagartig. „Was ist los?“ fragte sie Luis. „Wir werden verfolgt!“ antwortete er. Anne blickte nach hinten. Die Verfolger kamen immer näher. Anne sah, wie der Scheinwerfer der Verfolger aus ihrem Gesichtsfeld verschwand und vom Kofferraum ihres eigenen Autos verdeckt wurde. „Achtung Luis!“ schrie sie und dann hörte sie ein lautes Krachen und das Splittern von Glas.

To be continued

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Kürbissuppe a la mode du Stoeps

Veröffentlicht in Essen, Herbst, Kochen, Kulinarisches, Rezept, Saisonales, Wellbeing, Winter mit Tags , , am 10. Dezember 2009 von stoeps

 

Die Winterzeit hat auch was Gutes! Seit November stehen reihenweise Kürbisse herum, die nur darauf warten verkocht zu werden. Im Moment dampft es gerade in unserer Küche, denn einer dieser kugeligen Gesellen wird gerade verarbeitet. Ich habe da mein eigenes Rezept für eine richtig würzige, indisch angehauchte Kürbissuppe ertüftelt. Und das geht so:

Man nehme:

  • 1 Zwiebel
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 1 EL Butter
  • Ein Schuss Nussöl
  • Ingwer nach Belieben
  • Ca. 600 gr Kürbisfleisch gewürfelt
  • 2.5 dl Weisswein
  • 1 Liter Bouillon
  • Ca. 2 dl Sauerrahm
  • 3 Kaffelöffel Maisstärke
  • 2 cl Whiskey
  • Salz, Pfeffer, Curry, Kardamom, Chillipulver, Kurkuma, Koriander, Muskatnuss
  • Brotwürfel (von ca. 2 Brotscheiben)
  • Etwas Butter oder Nussöl (oder beides)
  • Wenig geriebenen Parmsan

Zubereitung

Die Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer feingehackt in der heissen Butter-Nussölmischung glasig dünsten. Den gewürfelten Kürbis beigeben und andünsten. Mit dem Weisswein ablöschen und etwas weiterköcheln lassen. Die Bouillon darüber giessen und die Kürbisstücke gar werden lassen. Danach mit dem Pürierstab alles zu einer feinen sämigen Masse zerkleinern. Die Maisstärke im Whiskey auflösen, beigeben und alles aufkochen. Etwas köcheln lassen. Nach Belieben mit Salz, Pfeffer, Curry, Kardamom, Chillipulver, Kurkuma, Koriander, Muskatnuss parfümieren und etwas weiterköcheln lassen.

In einer Bratpfanne etwas Butter und/oder Nussöl erhitzen, Brotwürfel beigeben und rösten. Etwas geriebenen Parmesan beigeben und unter stetem Rühren schmelzen lassen. Die Brotwürfel darin wenden bis der Käse mit ihnen verbacken und sie schön goldig, knusprig werden.

Nun die Suppe mit dem Sauerrahm verfeinern, anrichten und die Brotwürfel einstreuen.

Servieren und fertig!

En Guete!

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La Suisse n’existe plus!

Veröffentlicht in Ansichten & Reflektionen, Gesellschaft, Hässliches, Kirche, Politik, Religion, Schweiz, Terror mit Tags , , , , , am 29. November 2009 von stoeps

Es gab eine Zeit, damals als ich noch zur Schule ging, da war ich stolz Schweizer zu sein. Ich glaubte an ein Land, in dem Gerechtigkeit herrschte, in dem humanitäre Werte gepflegt wurden und in dem man durch Dialogbereitschaft, Toleranz und das Wissen um den Wert von Minderheiten eine einzigartige Gemeinschaft entstehen liess. Menschen mit unterschiedlichsten Lebenswahrheiten rauften sich zusammen und versuchten gemeinsam Lösungen zu finden, die möglichst den Bedürfnissen vieler gerecht wurden. Man setzte sich an einen Tisch und redete.

Damals, als wir im Geschichtsunterricht den 2. Weltkrieg durchnahmen, dachten wir alle, dass so etwas wie in Deutschland mit dem Nationalsozialismus, dem Glauben an eine höhere Rasse, an das Recht des Starken und dem Sündenbockprinzip bei uns nie passieren könnte. Doch nun bin ich mir dessen nicht mehr sicher. Nachdem die Schweiz nun die Initiative zum Verbot von Minaretten angenommen hat, erwachen in mir grosse Zweifel. Der Glaube an die Schweiz, wie ich sie gesehen und erlebt habe, stirbt. Einmal mehr ist es Zeit ein paar Illusionen zu begraben. Ein Grossteil der Schweizer hat mit ihrem Ja zum Verbot der Minarette klar gezeigt, dass sie sehr empfänglich für Nazi-Ideologien und für deren Bildsprache und Angstkampagnen sind und das finde ich wesentlich erschreckender als ein paar Minarette. Entscheidungen die aus Angst gefällt werden, sind und waren noch nie gut.

Und ich frage mich, welches Verbot als nächsts kommt? Dönerstände, Synagogen oder Schläfenlocken? Oder werden gar bald rote Punkte auf der Stirn verboten?

Die Schweizer sind einer Kampagne auf den Leim gegangen, die die Schweiz-feindlichsten Kräfte vereinigt. Evangelikale Fundamentalisten und die SVP haben sich verbunden um mit einer riesigen Panikmache die Schweizer zu übertölpeln. Eigentlich war ja die ganze Initiative nur ein grosser Marketing-Feldzug der SVP, die sonst im Moment nicht viel zu bieten hat. Die Initiative ist denn auch absoluter Blödsinn. Ein Verbot zum Bau von Minaretten in einem Land, in dem jede Gemeinde den Bau solcher Gebäude schon längst autonom verbieten konnte ist defakto ein Witz oder besser gesagt eine grosse Verarschung. So tun als ob man ein Problem erkannt hätte und es nun lösen würde. In Wahrheit aber bewirkt diese Initiative überhaupt nichts, ausser dass sie die Gewaltbereitschaft steigert und tausende von gut integrierten Moslems radikalisiert.

Erstaunt verfolgte ich mit, wie von den Herren aus der rechten Ecke Gründe wie die Unterdrückung der Frauen, die Ermordung von Homosexuellen und die Gefahr der Zerstörung der christlichen Werte als Grund für ihren Kampf gegen den Islam ins Felde geführt wurden. Ausgerechnet von dieser Seite kommen solche Argumente!? Sind und waren es doch genau diese  Parteien die ein Gedankengut vertreten, dass bei genauem Hinsehen dem Islam der Fundamentalisten ziemlich nahe steht. Dass wir dann aber einerseits hier Minarette verbieten, andererseits aber durch unsere Waffenexporte islamische Kämpfer in aller Welt mit Waffen aufrüsten, scheint diese Herren nicht zu stören.

Notabene ist damit nicht ein einziges Problem im Bereich der Integration von islamischen Mitbürgern gelöst. Das Verbot ist nichts anderes als eine lächerliche und infantile Drohgebärde die der Schweiz nichts nützt, sondern uns empfindlich schadet. Schon bald werden es die SVP und ihre Helfer geschafft haben, das Image der Schweiz in der gleichen Art zu zerstören, wie es Bush Junior mit den USA fertig gebracht hat. Für mich haben sie es bereits geschafft. Mein Bild der Schweiz ist zerstört. Der Gedanke Schweizer zu sein erfüllt mich nicht mehr mit Stolz und Freude sondern schickt mir eine Gänsehaut über den Rücken.

Die Schweiz ist zu einem Land der Tabus, des Sündenbock-Denkens und der scheinheiligen Doppelmoral geworden. Meine Schweiz existiert nicht mehr. Ihre Werte wurden von unseren rechten Parteien und ihren evangelikalen Helfern pulversiert. Nun regiert Hass, Angst, Scheinmoral und ein neuer christlicher Fundamentalismus in diesem schönen, kleinen Land, das einst eine Insel der Ethik, des Humanismus und des lösungsorientierten Dialoges war. Schade!

R.I.P Meine Schweiz

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Fragmente 1.27 – Der Schlüssel

Veröffentlicht in Fiktion, Fragmente, Literartur, Literatur mit Tags , , , , , , , am 15. November 2009 von stoeps

durchgang

Was bisher geschah: Intro / Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4 / Teil 5 / Teil 6 / Teil 7 / Teil 8 / Teil 9 / Teil 10 / Teil 11 / Teil 12 / Teil 13 / Teil 14 / Teil 15 / Teil 16 / Teil 17 / Teil 18 / Teil 19 / Teil 20 / Teil 21 / Teil 22 / Teil 23 / Teil 24 / Teil 25 / Teil 26

Hinter sich hörte Anne das Rufen der drei Männer, die Pedro in ihrer Gewalt hatten. Sie versuchte sich in dem dunklen Raum zurecht zu finden und schaute sich während ihres Fluchtversuches fieberhaft um. Irgendwo musste es doch einen Ausgang geben. Beinahe wäre sie frontal in einen Stapel Holzkisten gerannt und schaffte es gerade noch, einen Haken schlagend, dem Hindernis auszuweichen. Über einem der Stapel lag eine Plane und dahinter konnte sie erkennen, dass eine der Kisten offen war. Mit einem Sprung hechtete Anne zu dieser Öffnung, kroch hinein und zog die herunterhängende Plane zu. Ihr Herz raste, sie war schweissnass und zitterte am ganzen Körper. Sie war nicht fähig ihre Gedanken zu ordnen. Nur eine einzige Erkenntnis beherrschte ihr Denken. Sie durfte auf keinen Fall diesen Männern in die Fänge geraten.

Sie versuchte sich zu entspannen um so leise wie möglich zu atmen. Sie hörte, wie die Männer draussen schreiend durch die Halle rannten. „Sie muss sich versteckt haben!“ rief der Monsignore. „Wir werden sie schon finden!“ atwortete Öcan, der Mudschahid. Die Schritte verlangsamten sich und die Stimmen ihrer Verfolger wurden zusehends ruhiger. Anne hörte wie Gegenstände verschoben wurden, Holzkisten wurden abgeklopft und ihr Herz blieb fast stehen, als sie genau vor ihrem Versteck die Stimme des Rabi hörte: „Hierher! Hier könnte sie sein!“. Anne hielt ihren Atem an und spürte, wie die Angst ihren Körper lähmte. Sie schloss ihre Augen und wartete. Sie hörte, wie die Männer auf ihr Versteck zukamen. Vor ihrem inneren Auge sah sie, wie die Verfolger sie aus der Holzkiste zerrten, sie schlugen und in Fesseln legten. Doch plötzlich veränderte sich das Bild.

Die Szenerie der Lagerhalle verblasste und wich den Wänden einer Höhle, in deren Mitte der Kartenstein schwebte, den Anne nach Peru gebracht hatte. Der Stein war in eine weitere, grössere Platte eingefügt, der die Zeichnungen des inneren Steines ergänzten. Bei näherem Hinsehen entpuppten sich die Höhlenwände als unregelmässiges Mauerwerk. Die einzelnen Ziegelsteine schienen eine bröckelige, fast mehlige Struktur aufzuweisen. In einer Wand erkannte Anne drei kleine Nischen, die je ein Holzstück enthielten. Die Holzstücke sahen aus wie einzelne Teile einer Panflöte und unterschieden sich in Durchmesser und Länge. Plötzlich wurde eines dieser Holzstücke von einer Vibration erfasst und begann einen singenden Ton von sich zu geben. Auch das zweite Teil begann leicht zu vibrieren und erzeugte einen zweiten Ton, der harmonisch zum ersten Klang passte. Nun regte sich auch die dritte Flöte und vollendete einen mächtig klingenden Akkord. Anne spürte, wie sich die Höhle aufzulösen begann. Es entstand eine Art Strudel der alles was sie sah in sich hineinzuziehen schien.

Der Rabbi riss die Plane von der Holzkiste und schrie „Hier ist sie! Ich habe sie gefunden!“. Anne öffnete ihre Augen und blickte in die drei Gesichter von Pedros Entführer und drei Mündungen von Handfeuerwaffen, die auf sie gerichtet waren. „Los, kommen sie ganz langsam aus der Kiste heraus! Wenn sie versuchen zu flüchten, erschiessen wir sie und danach ihren Freund!“. Aus einer gewissen Entfernung hörte sie Pedro rufen: „Lauf Anne! Nimm keine Rücksicht auf mich! Lauf um Dein Leben!“. Doch Anne konnte sich nicht bewegen. Der Klang der Flöten wurde immer lauter und hinter ihr begann sich die Wand der Holzkiste aufzulösen. Anne spürte, wie ihr Körper von einer Kraft ergriffen wurde, die sie in einen Sog hinein zog. Sie wehrte sich nicht, liess los und glitt langsam dem Strudel entgegen! Die Augen der Männer weiteten sich. „Was zum Teufel?“ rief der Monsignore und betätigte den Abzug seiner Pistole. Anne sah, wie sich alles was in der Lagerhalle geschah in der Zeit verzögerte, als schaue sie einen Film in Zeitlupe.

Die Kugel kam auf sie zugeflogen, verlangsamte dabei aber immer mehr. Bevor sie Anne erreichte, verblasste alles vor Annes Augen. Dunkelheit umgab sie und Panik ergriff einmal mehr Besitz von ihr. Sie versuchte zu schreien, aber obwohl ihr Verstand voll funktionierte, schien ihr Körper nicht zu gehorchen. Langsam erinnerte sie sich, dass sie eigentlich in Margarethas Penison im Bett lag und träumte. Sie begann das Bettlacken zu fühlen, das schweissnasse Kissen, auf dem ihr Kopf lag. Sie wollte erwachen, schreien, sich gegen ihren Traum wehren. Minutenlang verharrte sie, von Panik ergriffen, gelähmt in einer Stasis, die nicht enden wollte. Langsam tauchte sie auf, ihr Mund öffnete sich und der Schrei, der eine Ewigkeit brauchte um Wirklichkeit zu werden, eroberte ihre Kehle. Aus einem anfänglich glucksenden Laut wurde ein Murmeln, das immer lauter wurde, bis Anne die Kontrolle über ihren Körper wieder hatte.

Sie schrie so laut sie konnte und liess ihren Traum hinter sich. Das Gepolter an ihrer Tür holte sie endgültig zurück in die Realität. „Anne, ist alles in Ordnung bei Dir? Ich komme herein, ok?“ Margarethas Stimme klang wie eine rettende Verheissung in Annes Kopf. Die Tür öffnete sich und Pedros Mutter kam ins Zimmer gerannt und stürzte zu Annes Bett. Anne richtete sich auf und Margaretha nahm sie in ihre Arme. „Es ist alles in Ordnung! Du bist in Sicherheit. Es war nur ein Traum!“ versuchte Margaretha Anne zu beruhigen. „Es war nicht nur ein Traum!“ sagte Anne, die sich langsam wieder erholte. „Meine Träume sind nicht nur normale Träume!“ fügte sie hinzu und blickte Margaretha an. Sie sprach weiter: „Ich weiss jetzt, wo sie Pedro gefangen halten!“. Die Augen von Pedros Mutter weiteten sich.

Anne versuchte darin zu lesen, ob Margaretha ihr glaubte. „Dein Vater, er hatte auch diese Träume!“ sagte Margaretha langsam. „Was hast Du von Pedro geträumt?“ fragte sie nun, doch Anne wollte sie nicht zu stark beunruhigen und erzählte nur, wo Pedro festgehalten wurde: „Er ist in einer Lagerhalle! Auf einer der Kisten, die dort massenweise herumstanden, sah ich eine Aufschrift Callao Terminal Maritimo. Sagt Dir das etwas?“. Margaretha sprang auf. „Ich weiss, wo wir suchen müssen!“ rief sie und verliess das Zimmer. Ein paar Sekunden später hörte sie Pedros Mutter an Luis Tür klopfen. „Steh auf Luis, Anne hat Pedro gefunden!“.

Auf der Fahrt zum Hafenterminal erzählte Anne ihren ganzen Traum. Die Szenen mit Pedros Folterungen liess sie aber aus Rücksicht auf Margaretha aus. Sie erzählte auch vom Ende ihres Traums und von dem seltsamen Strudel, in den sie hineingezogen wurde. „Nada Brahma“ murmelte Luis plötzlich. „Nada was?“ fragte Anne zurück. Pedro erzählte von einem Buch, dass er vor einiger Zeit gelesen hatte, in dem aufgezeigt wurde, dass die Naturgesetzte unserer physikalischen Welt mit den harmonikalen Gesetzten der Musik übereinstimmten. „Die Welt ist Klang“ war die grundlegende Aussage des Buches. „Sogar der Aufbau von Atomen stimmte mit den Proportionen unserer Musik überein!“ erzählte Pedro weiter. „Ein Schlüssel!“ rief Anne aufgeregt. „Der Klang ist der Schlüssel und der Kartenstein führt uns zu dem Raum, wo die Flöten versteckt sind!“

Margaretha liess sich von Anne ganz genau die Beschaffenheit der Höhle beschreiben, in der die Flöten versteckt waren. „Die Lambayeque“ murmelte sie vor sich hin. „Doch es gibt einige Ruinen dieses Volkes, das vor den Inkas das Gebiet von Peru beherrschte, die Suche dürfte nicht einfach werden!“ Anne erzählte, dass der Stein den sie mitbrachte, ihnen den Weg weisen würde, es dazu aber noch einen zweiten Stein brauche, in den der erste eingefügt werden musste. Aus ihren Träumen wusste Anne auch, wo dieser andere Stein zu finden wäre. Sie mussten nur den Ort auf den Ebenen von Nazca finden, an dem sie Raoul und Carlos schon so oft im Traum begegnet war. Langsam nahm der Weg, der vor ihnen lag Gestalt an.

„Wir sind da!“ rief Margaretha plötzlich. Anne blickte aus dem Fenster und sah das grosse Lagergebäude, auf dem mit grossen Buchstaben Callao Terminal Maritimo stand. Ein grosses Tor versperrte die Einfahrt zu dem Gelände und wie erwartet war es verschlossen. Doch Luis entdeckte unweit des Eingangs eine Stelle, wo der Zaun zerstört war. Sie parkierten das Auto an der Strasse, stiegen aus und quetschten sich durch das Loch in der Umzäunung. An der Lagerhalle angekommen suchten sie einen Eingang, den sie auch bald fanden. Die Tür war offen und leise schlichen sie sich in das Dunkel der Halle. Anne erkannte den Geruch des Raumes wieder und sah die Stapel mit den Holzkisten. Kein Geräusch drang an ihre Ohren. Scheinbar waren die Entführer nicht hier. Ein leises Stöhnen liess die Gruppe aufhorchen. „Pedro!“ flüsterte Margaretha und Anne nickte. Vorsichtig gingen sie weiter in die  Richtung, aus der sie Pedro hörten.

Sie drückten sich mit ihren Rücken an eine Holzkiste, hinter der das Stöhnen zu hören war. Margaretha versuchte einen Blick hinter die Kiste zu werfen.

Ihr Schrei zeriss die unheimliche Stille der Lagerhalle.

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Say a little Prayer for youuuuuu

Veröffentlicht in Fun, Kurioses, Musik, Video mit Tags , , , am 12. November 2009 von stoeps

tanzbaeren

Sicher erinnert Ihr Euch noch an die netten Tanzbären, die ein Playbackvideo mit dem Song “Say a little Prayer for you” auf Youtube zum Besten gaben. Und wisst ihr was? Da gibts noch viel mehr! Nein, nicht Tanzbären, sondern Say a little Prayer for You – Videos. Wie wärs mit einem Contest? Videocam angeschmissen und geplaybackt! Nehmt ein Video mit dem Song auf, postet es auf YouTube, schickt mir den Link und ich werde es hier dann hier veröffentlichen.

Und nun viel Spass mit Say a little Player for you - The other Dimensions

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Fragmente 1.26 – Der Traum des Grauens

Veröffentlicht in Fiktion, Fragmente, Kurzgeschichte, Literatur mit Tags , , , , , am 8. November 2009 von stoeps

Photo Credit: Ben Chaney@Flickr bestimmte Rechte vorbehalten

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Bis weit nach Mitternacht sassen Anne, Margaretha und Luis am Tisch und warteten darauf, dass Pedro sich meldete. Doch weder kam er zur Tür herein, noch klingelte das Telefon. Aus der Ahnung, dass Pedro etwas zugestossen sein musste, wurde langsam Gewissheit. Eine Gewissheit die wie eine schwarze Gewitterwolke über den Köpfen der drei Wartenden schwebte und den Raum in ein Gefängnis ihrer Sorgen und Ängste verwandelte. Luis stand vom Tisch auf und ging ebenfalls zum Fenster, um eine Zigarette zur rauchen. Seine Gedanken wanderten von Pedro zu Carlos, Raouls Bruder. Auch von ihm hatte er schon länger nichts mehr gehört. Und zur Sorge um seinen Geliebten kam nun auch noch die Angst um Pedro. Luis versuchte die schwarzen Gedanken zu verscheuchen  und seiner Angst mit Vernunft zu begegnen. Er wandte sich an die beiden Frauen und schlug vor, erst einmal zu versuchen, etwas Schlaf zu finden. Morgen, wenn alle wieder ausgeruht und bei Kräften wären, würden sie besser darüber nachdenken können, was zu tun sei. Anne und Margaretha nickten, obwohl beide nicht daran glaubten auch nur eine Minute Schlaf zu finden.

Anne stand auf und fing an das Geschirr von dem Tisch in die Küche zu tragen. Margaretha half ihr dabei. Die Beiden sprachen kein Wort und dennoch fühlten sich beide innerlich verbunden. Sie teilten die gleiche Sorge und wortlos verstanden sie einander. Eine kurze, aber herzliche Umarmung später gingen Luis, Anne und Margaretha in ihre Zimmer um zu versuchen ein paar Stunden zu schlafen. Während Anne ihre Zähne putzte, betrachtete sie ihr Gesicht im Spiegel. Mit der freien Hand berührte sie ihre Wangenknochen, fuhr mit dem Rücken des Zeigefingers den Konturen ihres Gesichtes entlang. „Ja, tatsächlich“ dachte sie. Es gab Ähnlichkeiten zwischen ihr und Pedro, ihrem Brunder den sie erst gefunden und schon wieder verloren hatte. Sie horchte in sich hinein. Versuchte zu fühlen, ob Pedro noch am Leben war. Es musste doch eine Verbindung zwischen Geschwistern geben, die einem so etwas fühlen liess, dachte Anne. Doch sie fühlte nichts ausser ihrer Sorge um ihn. Und doch war da etwas, dass sie glauben liess, dass Pedro noch am Leben sei. War es nur ihre Hoffnung, die sie an eine andere Möglichkeit nicht glauben lassen wollte? Oder war es vielleicht doch eine Art Verbindung, die sie fühlen liess, dass er noch lebte? Langsam überkam Anne nun doch eine schwere Müdigkeit. Sie würde versuchen, ein bisschen zu schlafen. Morgen würde sie einen klareren Kopf haben um darüber nachzudenken, beschloss sie und legte sich in das Bett, das Margaretha für sie hergerichtet hatte.

Entgegen Annes Vermutung, brauchte sie nicht lange um einzuschlafen. Es war kein langsames Eintauchen oder Absinken in die dunkle Wärme des Schlafes. Es geschah plötzlich und schnell. Annes Brust hob und senkte sich regelmässig und ihre Gesichtszüge entspannten sich, während auch ihr Körper die Spannung des Tages entweichen liess. Nur ein kleines Zucken ihres rechten Auges verriet, dass Annes Schlaf nicht traumlos war. So ruhig sich ihr Äusseres auch einem imaginären Betrachter jetzt zeigen würde, so aufwühlend war das, was Anne in ihrer inneren Welt erlebte. In ihrem Traum hörte Sie einen Schrei, ihr fast das Herz zeriss! Es war Pedro! Es konnte nur Pedro sein! Obwohl Anne bewusst war, dass sie sich in höchster Gefahr befand, schlich sie sich weiter dem Ursprung des Schreies entgegen. Sie drückte sich kauernd mit dem Rücken an eine grosse Holzkiste und versuchte mit einer vorsichtigen Bewegung einen Blick auf das, was auf der anderen Seite der Kiste lag, zu erhaschen. Viel konnte sie nicht sehen, denn ihre Aussicht wurde durch weitere Holzkisten versperrt. An der Wand dahinter vollführten lange Schatten langsame Bewegungen, die seltsam verzerrt wirkten. Die Lichtquelle in deren Schein diese Schattenwesen entstanden, musste sich scheinbar am Boden befinden, was die Szenerie noch unheimlicher erscheinen liess.

Anne schlich sich aus ihrem Versteck und lief nun auf leisen Sohlen zu den Holzkisten, die ihre Sicht auf die Geschehnisse verstellten.  Eine der Kisten war beschriftet mit „Callao Terminal Maritimo“. Wieder ertönte ein Schrei! Markerschütternd und flehend zugleich, so dass Anne das Blut in den Adern gefror. Am liebsten wäre sie aus ihrem Versteck hervor getreten und hätte Pedro in einer heldenhaften Aktion gerettet. Doch sie wusste, dass sie keine Chance hatte, denn den Stimmen nach, mussten mindestens drei andere Männer bei Pedro sein. Einer dieser Entführer sprach mit italienischem Akzent auf Pedro ein: „Was weisst du über diese Bibliothek? Sag es uns, oder wir werden dir den kleinen Finger deiner rechten Hand abtrennen!“. Anne presste sich ihre Hand auf den Mund, um sich nicht durch einen Schreckenslaut zu verraten. Der Schweiss floss ihr in kalten Rinnsalen über den Rücken. „Rede!“ schrie der Mann mit heiserer Stimme erneut. „Was für eine Bibliothek meinen sie?“ hörte sie Pedro leise fragen. „Ich werde…“ hob nun die Stimme des Peinigers wieder an, worauf Anne plötzliche einen anderen Mann sagen hörte „Monsignore, warten sie! Es kann doch durchaus sein, dass dieser Mann nichts von der Bibliothek weiss! Wir sollten ihn vorallem nach der Tochter des Professors befragen!“. Ein Mann mit arabischem Aktzent mischte sich ein: „Der Rabbi hat recht! Die Wahrscheinlichkeit dass dieser Mann etwas über die Bibliothek weiss, ist sehr klein. Hingegen wird er uns mit Sicherheit sagen können, wo sich diese Frau befindet!“

Anne begriff, dass es um sie ging! Ihr Herz pochte laut und panisch und innerlich hoffte sie,  mit jeder Faser ihres Körpers, dass Pedro sie nicht verraten würde. Obwohl sie gleichzeitig auch voller Sorge um ihn war. Sie würde ihm auch nicht böse sein können, wenn er versuchte sein Leben zu schützen. „Wo ist die Tochter des Professors. Diese Anne Kammerman?“ hörte sie nun den Mann fragen, den die anderen als Monignore bezeichneten. Pedro schwieg. „Du wirst es mir sowieso verraten, glaube mir! „ fuhr der Mann mit bedrohlicher Stimme weiter „Die Schmerzen die ich mir für dich ausgedacht habe, werden unvorstellbar sein, also sag uns, was wir wissen wollen, wenn Du verschont werden willst!“. Anne zitterte und langsam gesellte sich zur Angst eine immer grösser werdende Wut. Doch sie musste sich in ihrem Versteck zurückhalten, um nicht entdeckt zu werden. Denn schliessliche wäre es genau das, worauf diese fremden Männer gewartet hatten. „Bring mir die Elektroden, Öcal“ sagte nun die Stimme des Monsignore monoton drohend und er fuhr weiter „Wir werden diesen ungläubigen schon zum reden bringen!“ . „Was soll ich damit?“ fragte der Mann mit dem arabischen Akzent. „Gib her und zieh diesem Mistkerl die Hosen aus!“ sagte der Monsignore. „Das kann ich nicht!“ sagte der Araber. „Der Mudschahid will sich wohl nicht versündigen?“ frotzelte nun der dritte Peiniger. „Halt den Mund Rabi und hilf mir. Befestige die Elektroden an den Hoden unseres Gastes. Er soll spüren was es heisst, sich uns zu widersetzen!“ In der Stimme des Monsignores klang nicht nur Bedrohung. Anne spürte, dass dieser Mensch eine Befriedigung dabei empfinden musste, jemand anderen zu quälen. „Ich frage ein letztes mal! Wo ist diese Anne Kammermann?“ schrie nun der Monsignore plötzlich mit einer Stimme die schärfer und kälter war, als mehrfach gehärteter Stahl. Doch Pedro schwieg. „Dreh auf!“ rief der Italiener und Pedro schrie so laut und erschütternd, dass Anne es nicht mehr aushielt. Sie sprang aus ihrem Versteck und brüllte: „Hier! Hier bin ich!“

Dann drehte sie sich um und rannte los.

Weiter mit Fragmente 1.27 – Der Schlüssel

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Fragmente 1.25 – Erinnerungen und neue Freunde

Veröffentlicht in Fiktion, Fragmente, Kurzgeschichte, Literartur mit Tags , , , , , am 27. Oktober 2009 von stoeps

Photocredit: Kenneth Moyle @ Flickr bestimmte Rechte vorbehalten

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„Wo ist Pedro?“ fragte Luis. Margaretha hantierte mit der Schöpfkelle „er wollte noch schnell etwas besorgen, wollte aber in etwas zwei Stunden wieder zurück sein, sagte sie und setze sich zu den beiden an den Tisch. „Das riecht sehr lecker!“ konstatierte Anne und machte sich sofort an ihre Suppe, welche so gut schmeckte, wie ihr Duft versprach. Auch Luis ass mit Appetit und man sah ihm an, dass es ihm ebenso mundete. Nur Margaretha schien nicht so hungrig zu sein. Ihre Augen klebten an Anne. Sie beobachtete jede ihrer Bewegungen und ab und zu huschte ein Lächeln über ihr Gesicht. Geradezu liebevoll betrachtete sie, wie Anne das Mahl genoss. Nach der Suppe gab es Eintopf mit Bohnen, Kartoffeln und Fleisch. Anne und Luis assen alles auf und putzen die restliche Sauce mit ein paar Stücken Brot aus ihren Tellern.

Margaretha stand auf und räumte das Geschirr in die Küche. „Hast Du bemerkt, wie sie dich beobachtet hat?“ flüsterte Luis zu Anne gebeugt. „Nein, ich war zu beschäftigt mit dem Essen! Wieso, was ist Dir aufgefallen?“ raunte Anne zurück. „Na…“ wollte Luis antworten, da kam Margaretha bereits mit dem Dessert. „Und hier präsentiere ich Euch Suspiro de Limeña, das ich extra für Euch zubereitet habe. Ich hoffe, es schmeckt euch!“ lächelte Margaretha die beiden an und stellte ihnen je eine Schale hin. „Hmmm!“ raunte Luis, „es schmeckt sehr lecker!“. Anne probierte vorsichtig um dann gleich eine grössere Portion auf den Löffel zu hieven. Es war eine Creme die  nach Caramel duftete und von feinen Meringues gekrönt war, die nach Portwein und Zimt rochen.

Margaretha strahlte als sie merkte, wie Anne und Luis ihr Essen genossen. Als auch das Dessert vertilgt war, verschwand die Gastgeberin wieder in der Küche. „Sie hat Dich beobachtet. Jede Bewegung von Dir hat sie regisitriert und zwischendurch lächelte sie ganz selbstvergessen!“ setzte Luis das unterbrochene Gespräch fort. Anne versank in ihren Gedanken. „Ich habe da so eine Ahnung!“ raunte sie Luis zu und bevor sie weiter sprechen konnte, kam Pedros Mutter mit Kaffee und einer Flasche Pisco und 3 kleinen Gläsern. Sie goss jedem eine Tasse Kaffee und einen Schnaps ein.

Anne hatte das Essen genossen. Es schmeckte wunderbar. Doch innerlich waren ihre Nerven zum Zerreissen gespannt. Das Geheimniss um Margaretha liess sie nicht mehr los. In ihrem Kopf legte sie sich pausenlos Sätze zurecht, wie sie ihre Gastgeberin auf dieses Thema ansprechen könnte. Margaretha sah in die zufriedenen Gesichter ihrer Gäste. Sie lächelte aber Anne sah, dass auch Margartha dabei war, Worte zu suchen um ein Gespräch zu beginnen.

„Anne“ begann Pedros Mutter. Anne zuckte zusammen, die Gedanken rasten durch ihren Kopf. „Anne Kammermann“ wiederholte nun Margaretha den Namen und blickte Anne dabei mit warmen Augen an. Anne war unsicher. Sie lächelte und überlegte fieberhaft, ob sie darauf etwas antworten sollte. „Anne“ hob Margaretha abermals an und fuhr weiter „ich glaube, Du hast schon herausgefunden, dass es zwischen uns eine Verbindung gibt.“ Sie wendete ihren Blick nicht von Anne ab und nahm jede Regung in ihrem Gesicht wahr. Sie lächelte wieder „Du siehst Deinem Vater so ähnlich!“ sagte Margaretha plötzlich und Anne sah, dass sich ihre Augen mit Tränen füllten. Annes Blick wanderte tiefer und mit einem Male sah sie ein Amulett an Margarethas Hals baumeln, dass das gleiche ägyptische Symbol zeigte, dass Annes Vater als Tätowierung auf dem Rücken trug.

„Woher kennst Du meinen Vater?“ fragte Anne nun, obwohl sie tief in sich verborgen bereits ahnte, welcher Art die Verbindung war. Margaretha erzählte nun davon, wie sie damals zusammen mit Raouls und Annes Vater bei den Ausgrabungen half. Immer wieder kämpfte sie mit den Tränen und mit einem Male nahm sie Annes Hände und sagte langsam und sanft: „Dein Vater und ich liebten uns damals und um erhlich zu sein, ich liebe ihn noch immer!“ Anne war sprachlos, obwohl sie dies bereits erahnt hatte.

Anne sah Margaretha, deren Gesicht warm leuchtete und die sie aus tränennassen Augen sanft anlächelte, lange an. „Du….Du und mein Vater, ihr….“ stotterte Anne, „ihr wart verliebt?“. Anne fand langsam zu sich zurück. In ihrem Kopf tauchten Bilder aus ihrer Kindheit auf, als ihr Vater in Peru weilte und ihre Mutter oft weinend am Küchentisch sass. Sie hatte Anne immer getröstet und nie ein böses Wort über ihn verloren, doch er musste ihr damals seine Liebe zu Margaretha gebeichtet haben. Denn als er zurückkehrte, trennten sich Annes Eltern. Sie hatte das damals nicht verstanden. Nun verstand sie. Sie fühlte wie die Traurigkeit von damals in ihr hochstieg. Ihre Sorge um ihre Mutter, die sie über Nächte hin wach gehalten hatte, schlich als Schatten aus der Vergangenheit zurück in ihr Erinnerungsvermögen. Andererseits empfand sie aber auch Respekt für ihren Vater, der seine Liebe nicht verbarg, sondern den Mut fand, den Weg seines Herzens zu gehen.

Margaretha blickte Anne immer noch an. Da war noch etwas, dass sie Anne zu sagen hatte. Sie zog langsam Luft in ihre Lungen: „Anne, da ist noch etwas, dass Du nicht weisst. Es geht um Pedro. Er ist Dein Halbbruder!“ Anne konnte nicht glauben, was sie da hörte. Sie war als Einzelkind aufgewachsen und hatte sich immer einen Bruder gewünscht. Nun zu erfahren, dass es ihn gab, war seltsam für sie. Irgendwie war sie noch dabei die Geschichte mit Margaretha und ihrem Vater zu verdauen. Aber zu erfahren dass Pedro ihr Halbbruder war, war weniger ein Schock als etwas, dass Freude in ihr auslöste. Sie lachte. „Ich habe einen Bruder? Pedro ist mein Bruder?“ rief sie. Sie drehte sich zu Luis um „hast Du gehört? Ich habe einen Bruder!“. Er nickte und war sichtlich überfordert von all diesen Neugikeiten.

„A Propos Pedro“ antwortete Luis plötzlich, wo ist er überhaupt? Anne und Margaretha sahen sich überrascht an. „Ja Margaretha, wo ist Pedro? Er wollte doch in zwei Stunden zurück sein!“. Pedros Mutter runzelte die Stirn. Es stimmte, er hatte ihr gesagt, dass er bald zurückkommen würde und dieses „bald“ war schon lange vorbei. Margaretha stand auf, ging zum Telefon und wählte seine Handynummer. Mit jeder Sekunde in der er den Anruf nicht beantwortete, verdunkelte sich ihr Gesicht. Die Stimmung im Raum kippte plötzlich. Ein unheilvoles Gefühl machte sich breit. Alle wussten um die Gefahren, die sie umgaben. Margaretha versuchte sich selbst Mut zuzusprechen. „Er wird sicher noch kommen! Morgen wollte er Euch ja zum Büro von Raoul fahren, damit ihr Eure Suche planen und mit seiner Assistentin sprechen könnt.“ Sagte sie, mehr um sich selbst als die anderen zu beruhigen.

„Ich setze neuen Kaffee auf!“ sagte Margaretha und versuchte zu lächeln. Aber es wollte ihr nicht gelingen und der Raum wirkte nun plötzlich viel dunkler als noch ein paar Minuten zuvor. Anne goss allen noch ein Glas Pisco ein und Margaretha kam wenig später mit dem Kaffee zurück. Wortlos sassen sie an dem Tisch und versuchten das Gesagte der letzten Stunden und die unheilvolle Vorahnung, die im Raum stand, zu begreiffen. Margaretha starrte auf das Telefon, als ob sie mit ihrem Blick den Apparat zu bringen könnte sie auf wundersame Weise mit Pedro zu verbinden. Die Stille war unerträglich, hing schwer über den Köpfen der drei Wartenden. Margaretha stand auf, ging in die Küche und kam mit einer Zigarette in der Hand zurück. Sie ging zum Fenster, öffnete es, steckte sich die Zigarette mit einem Streichholz an und sog den Rauch tief in ihre Lungen. Ihre Augen wanderten in die dunkle Nacht. Sie versuchte die schwarzen Gedanken zu verscheuchen und dachte sich eine harmlose Möglichkeit nach der anderen aus, weshalb Pedro noch nicht zurück sein könnte. Doch die Angst, dass etwas passiert sein konnte, schlich wie Eiseskälte in ihr hoch.

Sie blies den Inhalt ihrer Lungen mit gespitzten Lippen in die kühle Nachtluft sah den Schwaden hinterher. In ihren Gedanken rief sie, nein sie schrie Pedros Namen und dass er sich melden solle! Doch das Telefon schwieg. Noch nie zuvor war ihr bewusst, wie still so ein Apparat sein konnte, wenn man sich nach nichts mehr sehnte, als einem Klingeln.

Weiter mit Fragmente 1.26 – Der Traum des Grauens

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Schwule Bären sind keine Tiere

Veröffentlicht in Ansichten & Reflektionen, Bäriges, Fun, Gender & Sex, Kurioses, Musik, Schwul, Video mit Tags , , am 14. Oktober 2009 von stoeps

Einige von Euch wissen ja sicher schon, was schwule Bären sind. Diejenigen, die hier schon länger mitlesen, wissen das auf jeden Fall ;)

Sie sind eine Spezies, die im Gegensatz zu den Bären in freier Natur, nicht vom Aussterben bedroht sind. Und das ist auch gut so. Denn schwule Bären sind einfach zum fressen! Meist tragen sie Bart, kurze Haare und würden auch unter Androhung von Folter ihr Brusthaar niemals entfernen! Sie sehen auch nicht aus wie geklonte Botoxmodels sondern eher wie der Holzhacker von nebenan. In der Regel sind sie gutmütig, undramatisch, stehen mit beiden Füssen auf dem Boden und nie oder nur ganz, ganz selten trifft man sie in Stöckelschuhen oder Dölf & Castrata oder Trutschi Klamotten. Sie lümmeln in Jeans und T-Shirts oder in Karohemden herum, sind gesellig, lustig und ziemlich lebensfroh.

Viele von Ihnen fahren Motorrad, gehen gerne Campen, lieben die Natur und gutes Essen. Echte Kerle eben! Wenn es unter schwulen Männern eine Gruppe gibt, die am ehesten das weitverbreitete Klischee (und ja jetzt nicht auf mich einbashen, ich halte ja nichts von Klischees!) vom “richtigen” Mann erfüllen, dann sind es eben diese Bären.

Aber was passiert, wenn eben solche bärtigen, strammen Kerle in bester Travestiemanier (nur ohne Kostüm und Schminke) auf Youtube eine Playbacknummer zum Besten geben? Meine Hirnzellen kommen ganz durcheinander! Es ist als ob eine Primaballerina mit dem Vorschlaghammer auf Porzellanfiguren eindrescht, nur eben irgendwie das totale Gegenteil davon. Aber seht selbst:

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Ganz einfach zaubern!

Veröffentlicht in Essen, Herbst, Kochen, Kulinarisches, Rezept, Sommer mit Tags , , , , , am 13. Oktober 2009 von stoeps

Foto von Chliitierchnübler

Viele Leute denken, und so dachte ich früher ja auch, etwas richtig spezielles zu Kochen sei sauschwer und nur möglich, wenn man vorher eine mindestens 200 Jahre lange Ausbildung genossen hat. Praktikum noch nicht eingerechnet.

Aber das ist sowas von falsch! Natürlich gibt es einige Gerichte, die es wirklich in sich haben und für die man stundenlang in der Küche steht. Aber es gibt auch relativ einfache Rezepte, mit denen man richtig toll Punkte abräumen kann. Auf Nachfrage von Chnübli pupliziere ich hier gerne ein solches Zauberrezept! Leider ist mir die Quelle nicht bekannt, sonst würde ich sie hier natürlich nennen!

Also Leute, was haltet Ihr von Spaghetti mit Feigen und Gorgonzola? Jaja, jetzt höre ich schon einige murren und sehe ein paar verzogene Gesichter. Aber ich sag nur: Ausprobieren! Es ist der Hammer. Ich schwör! ;)

Los gehts:

Ihr braucht dazu (für 4 Personen)

2 Knoblauchzehen gehackt
1 Kaffeelöffel Chilli gehackt
1 Kaffeelöffel Rosmarin gehackt
Salz und Pfeffer
1 Bio-Zitrone (abgeriebene Schale und Saft)
2 dl Bouillon
50 g Gorgonzola
50 g Parmesan
1 dl Rahm
12 Feigen geviertelt
Olivenöl zum Anbraten

Ein ordentliches mis en place erleichtert übrigens das Kochen enorm. Also alles vorher abwägen und zum Kochen bereitstellen.

Knoblauch, Chilli und Rosmarin im Oel anbraten. Zitronenschale und 1/2 des Saftes dazugeben, mit Bouillon ablöschen, kurz aufkochen.

Gorgonzola beigeben, schmelzen lassen. Rahm dazugeben, nochmals kurz aufkochen. 1/2 des Parmesan und die Feigen beigeben und kurz ziehen lassen, bis die Feigen warm sind. Mit Salz und Pfeffer würzen.

Alles zusammen mit den heissen Spaghetti mischen. Rest Zitronensaft und Parmesan dazugeben und sofort servieren.

Und fertig ist das Zauberstück!

Ein geschmackliches Erlebnis der besonderen Art! Nachkochen und sich überraschen lassen. Wer es nicht probiert, ist selber schuld ;)

Dazu passt ein guter Rotwein. Zum Beispiel eine Assemblage aus Cabernet Sauvignon, Merlot und Shiraz. Wie zum Beispeil Clancy’s von Peter Lehmann oder ein fruchtiger Weisswein wie z.B. ein Verdejo aus Spanien oder ein Bianco di Merlot.

Prost und en Guete!

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Metamorphosen sind Wunder!

Veröffentlicht in Ansichten & Reflektionen, Gender & Sex, Gesellschaft, Transgender mit Tags , , , am 13. Oktober 2009 von stoeps

Ich weiss nicht, wies Euch geht, ihr lieben Webonauten, aber mit den Blogs ist das so eine Sache. Die meisten, die mir so begegnen und die ich regelmässig lese sind oft oberflächlich, auf Lustiges beschränkt oder schlicht  süffisant genüssliche Kost. Nicht dass ich da etwas dagegen hätte, im Gegenteil! Ich unterhalte mich prächtig bei nicht ganz ernst gemeinten Lästerein, Links auf Youtube Filmchen oder Anekdoten aus der Vergangenheit einiger Protagonisten.

Aber ab und an stosse ich auf einen Blog, ganz unerwartet, der mich bewegt, berührt, an dem meine Augen, meine Sinne, mein Gefühl, mein Herz und mein Verstand hängen bleibt. Da muss ich gleich ganz viele Beiträge auf einmal lesen und anstatt nur herzlich zu lachen, werden meine Augen feucht, weil mich etwas tief berührt und bewegt.

So erging es mir auf dem Blog von Diana. Diana ist ein T-Girl. Nein, kein Tee-Girl! Sie ist eine transidente Frau. Das heisst, eine Frau die in einem männlichen Körper gefangen ist. Diana wusste schon als Kind, dass sie ein Girl war und sie litt lange darunter, dass sie durch eine Laune der Natur in den falschen Körper gesteckt wurde.

Als nicht transidenter Mensch kann man sich das wohl nicht wirklich vorstellen oder es nachfühlen. Auch Metaphorismen wie “stell Dir vor Du stehst in der Badehose in der Antarktis” oder “wie würdest Du Dich als Gummiallergiker im Taucherkostüm fühlen” helfen nicht im mindesten dabei, sich einzühlen und nachzuempfinden, wie schrecklich es sein muss, in einem Körper mit dem falschen Geschlecht zu leben.

Diana nimmt uns mit auf die Reise durch ihre Metamorphose. Sie ist gerade jetzt dabei sich aus Ihrem Cocon zu schälen und langsam ihre neuen, bunt schillernden Flügel zu entfalten und die ersten vorsichtigen Flugversuche zu starten. Und dabei ist sie herrlich undramatisch und unmelancholisch. Immer wieder nimmt sie sich auch selber wieder ein bisschen auf die Schippe. Frotzelt über die Tücken beim Tragen von Röcken oder über das seltsame Gefühl, plötzlich von Kerlen als Frau betrachtet und auch angeflirtet zu werden. Aber trotzdem ist da immer diese tiefe Ehrlichkeit, mit der Sie uns teilhaben lässt wie es war, das erste Mal als Frau mit Ihrem Vater auswärts essen zu gehen, oder wie sie zum ersten Mal in das Pub um die Ecke stöckelte und ganz überrascht war, dass sie ganz herzlich angenommen wurde. Sie erzählt von ihren Coming-Outs in der Familie, im Geschäft und darüber, wie schwer es ihr fiel, es ihrer Tochter zu sagen.

Ich habe Dianas Blog abonniert, ich möchte unbedingt weiter dabei sein, denn es kommt mir vor als ob ich Zeuge eines Wunders sein darf. Dem Wunder einer Metamorphose!

Diesen Blog möchte ich Euch ans Herz legen! Hier gibt es keinen “allday” Food, sondern ganz spezielle Kost, die einem zum Lachen bringen kann, aber auch ganz tief drin berührt!

Mein Prädikat: Sehr wertvoll!

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