Reflektionen


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Sie ist eine wunderbare Frau. Ihre Haare sind kurz geschnitten, weiss und meist etwas wuschelig zersaust. Sie wohnt in einem Haus mit einem schönen, etwas wilden Garten. Und sie ist so um die 80 Jahre alt. Sie kennt die Geheimnisse der Sterne, Tarotkarten, Numerologie und sie liest aus der Hand. Nein, nein – sie ist überhaupt keine moderne Esotherikhusche sondern eine weise, alte Kräuterfrau.

Als ich einmal bei Ihr sass und mich heftigst über ein paar Mitmenschen und deren Verhalten aufgeregt hatte, schaute sie mich mit wissenden Augen an. Ich erwartete dann eine besänftigende Erklärung zu den Handlungsweisen der angesprochenen Personen.

Stattdessen kam eine lange Pause.

Ein leises, wissendes Lächeln schlich sich in Ihr Gesicht, Ihre Augen fingen an zu leuchten und Sie stellte mir nur eine Frage und gab mir einen Satz zum Nachdenken mit und liess mich dann damit gehen:

Wo findest Du genau das, was Du bei diesen anderen Menschen so störend findest, bei Dir selber?

Das ist mir richtig eingefahren. Mit roten Ohren dachte ich über das Gesagte nach.

Wir Menschen sind wie Resonanzkörper. Und Jede(r) ist ganz speziell und individuell gestimmt. Erhalten wir von aussen Impulse, die bei uns Resonanz finden, kommen wir in Schwingung – wir reagieren darauf.

Seither sind für mich die unangenehmen Zeitgenossen auch die spannendsten! Und es fällt mir nicht mehr so leicht, Andere für Ihr Handeln zu verurteilen.

In diesem Sinne: Be- und Verurteilen ist schön einfach. Offen hinterfragen ist oft schmerzhaft – aber nur das ermöglicht Entwicklung und Wachstum!

Terrorismus – nicht so einfach, wie es scheint!

Im Nordirak sind nun die Türken einmarschiert und bekämpfen mit militärischer Gewalt Stellungen der PKK. Die USA führten seit 9/11 einen verbitterten Kampf gegen Al Kaida und Osama Bin Laden. Die Spanier kämpften mit den baskischen Rebellen und Deutschland kann ein Lied von der RAF singen.

Das Prinzip ist immer das gleiche! Man bekämpft Gewalt mit Gewalt. Aber – warum kommt es überhaupt dazu, dass Menschen zu Terroristen werden? Wie können überhaupt Gruppierungen entstehen, die derart abscheuliche Mittel wählen, um auf Ihre Anliegen hinzuweisen?

Terrorismus hat immer eine lange Vorgeschichte. Er entsteht nicht einfach so, sondern als Folge von massiver Unzufriedenheit, Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Minderheiten und Ihre Anliegen werden also so lange massiv unterdrückt bis sie keinen anderen Weg mehr sehen, als mit massiver Gewalt auf sich aufmerksam zu machen.

Also ist Terrorismus nicht eine Aktion, sondern eine Reaktion. Eine Reaktion mit noch mehr Unterdrückung und Gewalt zu bekämpfen scheint mir da ein sinnloses Unterfangen, da es nur zu einem weiteren Schritt in der Gewaltspirale führt. Und genau das spüren wir nun auch in der Gesellschaft. Wir alle werden so massiv mit Brutalitäten, Gewalt, Militäreinsätzen und Unterdrückung konfrontiert, dass wir dieses Mass bereits als fast normal ansehen.

Wer profitiert davon? Immer wenn solche Themen anstehen, frage ich mich, wer profitiert eigentlich davon?

Seltsamerweise profitieren immer die konservativen Kräfte von solchen Prozessen. Bürgerrechte werden eingeschränkt, der Datenschutz verwässert, die persönliche Freiheit eingeschränkt und immer mehr staatliche Kontrolle wird etabliert und als normal betrachtet.

Steckt dahinter nicht ein System??? Sind nicht die ursprünglichen Unterdrücker von Minderheiten für die Eskalationen verantwortlich? Ist es nicht schon fast logisch, dass eine unterdrückte Minderheit irgendwann fast nur noch zu Gewalt als Mittel greifen kann und die konservative Mehrheit kann die Minderheit dann dafür noch massiver verurteilen?

Einmal mehr denke ich da an den Aufbau der Taliban durch die USA und wie die Folgen der Militarisierung heute bekämpft werden.

Mir scheint, es ist zu einfach, mit dem Finger auf die bösen Terroristen zu zeigen. Man muss sich fragen, wer von diesem ganzen System am meisten profitiert. Dann findet man auch heraus, wer dieses System aufrechterhält und so die eigentlichen Verantwortlichen sind.

So gesehen müsste man also auch nicht den Terrorismus bekämpfen, sondern Staatsysteme schaffen, die die Integration von anders denkenden und Minderheiten unterstützt. Nicht irgendwelche geplanten Gebilde, die Stur einen Weg oder ein Ziel verfolgen. Sondern flexible, offene Strukturen die es erlauben situativ und kreativ auf die Bedürfnisse der Mitglieder, egal ob Minderheit oder Mehrheit, einzugehen.

Das würde auch bedeuten, wegzukommen von ideologischer Machtpolitik und hinzuarbeiten auf ein lösungsorientiertes, kooperatives System, das der Entwicklung und den Rythmen der Zeit gerecht werden kann.

In diesem Sinne – Utopia ist noch in weiter Ferne! Lasst uns gemeinsam einen Weg dorthin finden.

Keine Zeit!


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Wir leben in einer Zeit und in einer Gesellschaft in der die grösste Not oft der Mangel an Zeit ist. Dabei verfügen wir über genau gleich viel Zeit wie die Menschen noch vor 400 Jahren. Wir werden vielleicht ein bisschen älter als sie und verfügen so sogar noch über mehr Lebenszeit. Und doch ist es so – dass ich immer öfter höre und es selbst fühle, da ist zuwenig davon, von diesem kostbaren Gut Zeit.

Was ist passiert? Wohin ist die Zeit entschwunden?

Nicht die Zeit ist weniger geworden, die Möglichkeiten sind mehr geworden. Die Erwartungen an unsere Leben unsere Erlebnisse, der Hunger nach Action, dem grössten Kick, dem letzten Trend erzeugen ein Gefühl, immer das Geilste zu verpassen. Zu der Zeitnot kommt also auch noch die ewige Unzufriedenheit und die Einsamkeit. Keine Zeit Beziehungen zu pflegen, keine Zeit zum Aufbau einer konstruktiven Kommunikationskultur zwischen Liebenden, keine Zeit für die Kinder, keine Zeit für sich selbst. Keine Zeit!

Hat uns das moderne, inidividualisierte Konsumzeitalter betrogen? Sind wir heute glücklicher als früher? Keine Frage – es geht uns besser. Keiner möchte heute noch auf Geschirrwaschmaschinen und Handy verzichten. Aber sind wir glücklicher und zufrieden?

Nehmen wir uns ab und zu die Zeit unser eigenes Zeitsystem zu hinterfragen? Stimmt die Balance? Haben wir genug Zeit um uns Zeit zu nehmen?

Ja! Haben wir! Sonst hätte ich dieses Posting nicht geschrieben und Du hättest es nicht gelesen!

Wenn man sich ganz und gar für das entscheidet, was man geradet tut und sich dabei nicht dauernd danach fragt, was man gerade verpasst, hat man Zeit. Zeit für sich, das Leben und die Liebe!

In dem Sinne – Ich wünsche uns allen den Mut uns Zeit zu nehmen!