Stoeps und Tom im Wunderland – oder die unglaublichen Tage in einer verrückten Welt – Teil 3

Bild von der Carmennahütte von www.carmennahuette.ch

Nachdem wir leicht beduselt die Bar verliessen, empfing uns ein äusserst bequemes Bett und ein erhohlsamer Schlaf.

Die Sonne weckte uns am nächsten Morgen sanft. Nachdem wir uns geduscht und angezogen hatten, gings zum ersten Frühstück in den Grande Salle. Schon am Eingang wurden wir mit einem freundlichen „Guten Morgen“ begrüsst und sofort an unseren Tisch geführt. Wir bestellten Rührei, ich mit Schinken, Tom mit Speck und einen Cappuccino dazu. Danach gings ans Buffet. Dutzende Müeslisorten, verschiedenste, gluschtige Brot-, Brötchen und Croissant-Sorten warteten darauf, verspiesen zu werden. Früchte, Yoghurts, Nüsse, Dörrfrüchte, Champagner und viele andere Leckereien lockten einem in den neuen Tag!

Als wir schwer beladen vom Frühstücksbuffet zurückkamen, war der Tisch neben uns, der vorher noch leer war, besetzt.

Da sass nun eine Familie aus Deutschland. Der Vater sah etwa so aus, wie ich mir die Kreuzung eines Physikers und eines Bankers vorstellte. Schon zum Frühstück im Anzug. Ebenso sein etwa 13 jähriger Sohn. Auch dieser in grauer Flanellhose, gestreiftem Hemd und Veston. Ganz anders die Mutter. Die Haare schwarz gefärbt und zu einem „Coupe Wirbelsturm“ geformt, im Londsdale Top Tank und zu engen Jeans. Das zweite Kind, vermutlich eine Tochter, im pupertären Gothic-Look und entsprechend verweigerndem Blick. Während die vermutliche Tochter (das Aussehen liess keinen sicheren Schluss auf das Geschlecht zu) sich um freie Zeit fürs Lernen einsetzte, meldete sich plötzlich der Sohn mit weinerlicher Stimme, die sich stimmbruchtypisch weder für eine hohe oder tiefe Lage entscheiden konnte und meinte: „oh mama, es ist so hell heute. Viel zu hell für mich!“ – „das Wetter ist so schön, ich werde heute nicht rausgehen. Es hat sicher viel zu viele Leute auf der Piste“. Wohlgemerkt, die Hauptsaison war abgeschlossen und da es Freitag war, musste nicht mit vielen Weekend-Skifahrern gerechnet werden. Wir hörten dem weinerlichen Kind noch eine Weile mit Kopfschütteln zu und fanden auch spannend, das sich der Vater mit keinem einzigen Wort am gesamten morgendlichen Gespräch der Familile beteiligte. Ihn interessierte nur der Finanzteil der Frankfurter Allgemeine.

Wir lösten uns von dem Trauerspiel und machten uns auf, den heutigen Tag in Angriff zu nehmen.

Mit dem Tschuggen Coaster gings hoch zur Tschuggenhütte und von dort aus etwa 1 Stunde zu Fuss weiter zur Carmenna Hütte. Die Sonne lachte, der Schnee glitzerte und wir fühlten uns fast wie im Paradies!

Nach der Rückkehr ins Hotel genossen wir zum ersten mal die Wellnesszone des Hotels. Der perfekte Ort um die Seele baumeln zu lassen.

Und hier begegnete uns die Familie vom Frühstück wieder. Als wir den weinerlichen Sohnemann im Nacktbereich der Sauna wieder sahen, traf uns fast der Schlag. Unter seinem Bademantel trug er ein beigefarbenes Poloshirt (das ihm gar nicht vorteilhaft stand und ihn leicht bläulich wirken liess) und eine knöchellange Hose.

Fluchtartig verliessen wir den Saunabereich und machten uns fürs Abendessen fertig.

Wieder durften wir königlich speisen und schlossen den Abend in der Bar gebührend ab. Während dem Tom ein Flying Kangaroo und ich einen May Tay genoss, sinierten wir über Sinn und Unsinn von Luxus und kamen nicht umhin (wofür ich mich echt etwas schäme) zu bemerken, dass es sich so schon ganz gut leben liesse. Und wir liessen unsere Gedanken schweifen und freuten uns auf morgen.

Was uns wohl morgen zum Frühstück erwartet? Und was eine privat Spa-Lounge ist und warum Luxus eben doch ein fragwürdiges Gut ist, das erfährt der Leser in Teil 4!

In diesem Sinne – stay tuned!

Stoeps und Tom im Wunderland – oder die unglaublichen Tage in einer verrückten Welt – Teil 2

Teil 2: Die Anreise

Am Donnerstag nach Ostern gings los. Um 12 Uhr fuhren wir los. Erstmal nach Zürich um bei Sunita Suits unsere massgeschneiderten (und erstaunlich günstigen) Anzüge abzuholen. Dann weiter Richtung Arosa. Auf der Autobahnraststätte Heidiland dann schon das erste Erlebnis: Ein fast Zusammenstoss mit Kuno Lauener (Sänger der Schweizer Band „Züri West“). Bis ich erkannt hatte, wem ich da begenet war, war er schon weg! „Weisst Du wer das war?“ fragte ich Tom. Aber der nickte bloss cool =)

Dann weiter Richtung Chur. Plötzlich werden wir von einem Krankenwagen überholt. In höllischem Tempo raste er an uns vorbei. „Krankenwagenfahrer muss schon auch noch ein geiler Job sein“, meinte ich „da kann man immer volle Pulle rumheizen“. Aber Tom schüttelte den Kopf und meinte, dass das wohl eher ziemlich gefährlich sei.

Ein paar Kilometer weiter überholten wir den Krankenwagen wieder. Nach einem heftigen Landschaden lag er wie ein totes Tier am Strassenrand. Wir sahen, dass schon vier Autos angehalten hatten und Hilfe da war. Also fuhren wir weiter. Aber uns war komisch zumute….vorallem mir, dem kleinen Möchtegern Regazzoni.

Aber dann: Ankunft in Arosa. Wir fuhren gleich vor den Eingang und kaum angekommen wurde mir auch schon der Autoschlüssel freundlich lächelnd abgenommen. Der junge Portier parkierte dann mein Gefährt, während zwei andere das Gepäck auf einen dieser typischen Hotel-Gepäcktransporter verluden. Der Concierge zeigt uns das Hotel und führte uns dann ins (überraschend upgegradete) Zimmer. Einer Junior-Suite mit Südsicht. Wow! Wirklich schön!

Kurz nachdem uns das Gepäck auf das Zimmer gebracht wurde, klopfte es erneut und eine nette Dame stand mit den Welcome-Drinks vor der Tür. Mit den beiden Cüpli stiessen wir dann gebührend an.

Abends gings vor dem Essen erstmal in die Bar zu einem Aperitif und danach in den Grande Salle (Vestonpflicht für Herren!) wo uns die Wünsche von den Augen gelesen wurden und wir herrliche kulinarische Leckerbissen geniessen durften. Dazu köstlichste Rebensäfte und Bündner Wasser.

Nach dem Essen gings zurück in die Bar wo noch ein, zwei Drinks genossen wurden. Ziemlich beschwippst gings dann ins Bett.

Aber schon am nächsten Morgen erhielt die fast perfekte Luxus-Seifenblase erste Dellen. Denn was da beim Frühstück am Nachbarstisch abging, war für uns haarsträubend, denn… aber dazu in Teil 3:

Die wundersame Welt der Reichen und Schönen Mächtigen

Stoeps und Tom im Wunderland – oder die unglaublichen Tage in einer verrückten Welt – Teil 1

Ich hab’s Euch angedroht. Ich werde Euch von unserem Ausflug in eine andere Welt erzählen.

Teil 1: Vorbereitung

Angefangen hat alles an meinem vierzigsten Geburtstag. Gemütliche Stimmung herrschte bei uns zu Hause. Es waren einige meiner Liebsten um mich und nur einer fehlte: Mein Herzkäfer Tom. Er war just an diesem Tag an einem Seminar, dass er nicht verschieben konnte. Mitten in die lustige Runde klingelte Abends mein Handy. Der Name auf dem Display liess mich lächeln: es war Tom. Nach Begrüssung und Gratulation schickte er mich in den Keller, wo ich die Schublade einer Komode öffnen und ein darin verstecktes Couvert finden sollte.

Mit dem Fund in der einen und dem Handy in der anderen Hand ging ich dann zurück zu meinem Gästen und öffnete den Umschlag. Ich verschluckte mich fast! Es war ein Gutschein für drei Nächte im Doppelzimmer de Luxe im Grand Hotel Tschuggen in Arosa. Mit Halbpension, Dine around und Wellness-Lounge für 3 Stunden in der Spa-Lounge! Mehr dazu später!

In der Bestätigung der Reservation hiess es dann so schön: „Mit ihrer eleganten Erscheinung tragen Sie zur Ambiance des Hotels bei.“ Und im Speisesaal gab es eine Veston-Pflicht für die Herren.

Veston? Ob da das über 10 Jährige Teil, bereits an 4 Hochzeiten und 5 Messen getragen, noch tauglich ist? Auf die Anprobe folgte die Ernüchterung und der Entschluss: Es muss was Neues her!

Plötzlich erinnerten wir uns an einen Fernsehbericht von einer Thailänderin, die in Zürich massgeschneiderte Anzüge verkauft, welche von Ihrer Familie in Thailand hergestellt werden. Flugs machten wir einen Termin, fuhren hin und liessen uns vermessen, suchten Stoff aus und besprachen den Schnitt.

4 Wochen später gings erneut nach Zürich zu Sunita Suits zur Anprobe. Es waren noch ein paar Korrekturen nötig. Aber pünktlich an unserem Anreisetag nach Arosa waren die Anzüge abholbereit und Zürich lag sowieso auf unserem Weg.

Die Reise nach Arosa entpuppte sich dann bereits als Abenteuer…aber dazu mehr im zweiten Teil: Die Anreise

In diesem Sinne – Stay tuned!

Nobel soll die Welt zu Grunde gehen

Foto von www.tschuggen.ch

Ein soziales Experiment der Sonderklasse erwartet mich ab morgen Donnerstag bis Sonntag. Zu meinem 40sten Geburtstag hat mir mein Liebster ein Aufenthalt für 4 Tage im Hotel Tschuggen in Arosa geschenkt. Ein absoluter Luxus-Schuppen.

Es werden mich zwiespaltige Tage erwarten. Einerseits werde ich schönes Design geniessen, lust- und genussvoll dinieren, luxuriös wellnessen und mich dabei im 7. Himmel wähnen. Andererseits – irgendwie schäme ich mich fast dafür, solchen Luxus geniessen zu dürfen. Andere Menschen kämpfen ums nackte überleben und ich werde mir überlegen müssen, ob ich nun mal Kaviar probieren soll oder doch lieber den Hummer bestelle.

Wenigstens muss ich nicht damit rechnen, dass hinter den Zäunen des Hotelkomplexes die Slums beginnen. Etwas dass mich bis jetzt von Reisen auf den afrikanischen Kontinenten oder nach Indien abgehalten hat.

Nun denn, vielleicht sehe ich ja ein paar reiche Chinesen, denen ich dann ein deutliches „Free Tibet“ entgegenrufen kann, das würde mein Gewissen dann wieder wesentlich entlasten.

Nun denn, ich werde die bittere zuckersüsse Pille tapfer genussvoll schlucken und die Tage im Überfluss natürlich trotzdem geniessen. Sicher wartet die eine oder andere nette Situation, deren Beobachtung lohnt und ich hoffe, Euch hier das eine oder andere Müsterchen erzählen zu können.

In diesem Sinne – wünsche ich Euch allen genussvolle Tage nach Ostern!