Das Schicksal geht eigene Wege! Oder wie sich Tom und Stoeps vor über 11 Jahren kennenlernten


Bildlegende: Tom und ich auf unserer geliebten und vermissten Aprilia Capo Nord an einem CSD in Zürich

Damit auch die heterosexuellen LeserInnen unter Euch verstehen um was es geht, erst kurz ein Briefing zum Thema Rainbowflag: Hinten über dem Top-Case unseres Bikes seht ihr eine Regenbogenflagge. Dies ist das Erkennungszeichen der Homos untereinander. Die gibts als Flagge, Schmuckstück, T-Shirt-Motiv und auch als Sticker fürs Auto. Und so ein Sticker ist schuld daran, das Tom und ich uns kennenlernten. Und das kam so:

Es war einmal vor langer Zeit. Genauer gesagt im Frühjahr 1997 als Stoeps, das wär dann meine Wenigkeit (hinten auf dem Bike) nach New York reiste. Dort wo die Wiege der politischen und revolutionären Schwulenbewegung steht. In der Christopher-Street, wo sich in den späten 60er Jahre die Transen und Schwulen Handtäschchen schwingend und Pflastersteine werfend gegen die schwulenfeindliche Politik und Polizeiwillkür wehrten (daher der Christopher-Street-Day der im Andenken daran noch heute jährlich gefeiert wird), ist noch heute das schwule Herz vom Big Apple. Als Schwester vor dem Herrn sollte man diesen Wallfahrtsort mindestens einmal im Leben besucht haben :-) So tat auch ich es und kaufte da, in einem kleinen skurilen Shop einen besagten Rainbow Sticker für mein Auto. Zurück in der Schweiz klebte ich mir diesen dann auch, mit stolz geschwellter Heldenbrust, flugs hinten auf mein weisses Opel Kadett GSI 2L Cabrio. Gleich neben den „I love Töff“ (Als Töff werden in der Schweiz die schweren Motorräder ab 125 Kubik bezeichnet) und neben einen grossen Kleber mit der Aufschrift „Riederalp“ (wo ich im Winter immer zum Skifahren war).

Es war noch nicht so lange her, als ich mich von Herrn K. (Herr K. und das Leid – eine wahre Geschichte) getrennt hatte, als ich eines Morgens zu einem Kunden fuhr. Mal wieder viel zu spät dran, raste ich auf der Autobahn wie ein geölter Blitz Richtung Basel und ich kam richtig schnittig vorwärts. Doch dann blinkte ein paar Meter vor mir so ein dunkelgrün-metallicfarbener Toyota Corolla und versperrte mir die freie Durchfahrt. So musste ich von meinen 180 Sachen auf 140 runterbremsen (erlaubt waren 100….) und nervte mich gewaltig, denn der Kundentermin rückte immer näher! Und der Kerl vor mir machte nicht die geringsten Anstalten seine Kiste wieder auf die rechte Fahrspur zu schieben. So fluchte ich etwa 10 Minuten vor mich hin und wünschte der Schnecke vor mir die schlimmsten Sachen an den Hals – bis – ja bis – ich plötzlich bemerkte: Der hat ja auch einen Regenbogensticker am Arsch (vom Auto). Das liess mich wieder etwas runterkommen und so provozierte ich noch ein bisschen und fuhr dem Reissschüsselfahrer unanständig nahe hinten auf (wie könnt’s auch anders sein … immer von hinten … *ggg*) und irgendwann wechselte er dann tatsächlich die Fahrspur, so dass ich überholen konnte.

Er sass ziemlich genervt am Lenkrad und würdigte mich keines Blickes, aber ich äugte nicht schlecht, als ich den äusserst leckeren Kerl da sah. Minuten lang fuhr ich auf gleicher Höhe und strahlte durch meine Autoscheibe gen rechts. Nix! Keine Reaktion. Also überholte ich und wechselte ebenfalls die Spur um ihm meinen Arsch (natürlich auch den vom Auto) mit dem Regenbogenkleber zu zeigen. Nun überholte er wieder und blinzelte frech zu mir rüber. Ein Lächeln huschte über sein Gesicht und mein Herz tat einen riesen Hüpfer.

Das Spiel wiederholte sich ein paar mal, bis wir dann in Basel angekommen an der gleichen Ampel, aber für verschiedene Richtungen eingespurt, zum stehen kamen. Und was jetzt? Wenn ich aussteige, schaltet die Ampel sicher gleich auf grün! Da sah ich, wie der Kerl da hinten etwas aus seinem Handschuhfach kramte, einen Stift zückte und meine Autonummer aufschrieb. Er deutete mir an, mich anzurufen! Ich nickte heftig, mit roten Ohren, nassen Händen und schlotternden Knien!

Am Abend blinke schon der AB und wieder klopfte mir das Herz bis zum Hals! Ich hob den Hörer und hörte die Message ab und brüllte gleich los: „Er ist es! Soo geil! Er ist es!“ Sogleich rief ich zurück und wir verabredeten uns für einen Freitag Abend in Luzern. Der Abend dauerte bis Montag morgen und eigentlich, dauert er noch immer an!

Noch heute kriege ich öfters weiche Knie wenn ich meinen Tom anschaue und noch heute kribbelt es und noch immer kann ich lauthals und aus vollem Herzen sagen, ich liebe diesen Kerl! Und wie ich ihn liebe!

Dafür bin ich dem Schicksal dankbar! Wieviele Zufälle (an die ich schon mal gar nicht glaube) hat es gebraucht, dass wir uns begegnet sind? Was für ein Timing! Alles stimmte und so ist mir klar: Es musste einfach sein! Wir sind für einander bestimmt! Und das fühle ich tief in meinem Herzen. Selbst im grössten Streit, wenn mir gerade eine geworfene Kaffeetasse am Kopf vorbeisegelt (was zum Glück erst einmal passiert ist) weiss ich tief in mir drin: Egal was ist, er ist und bleibt es! Meine wahre, grosse Liebe!

Tom, Du alter Haudegen, Du Schnuffeltiger, Du Bär, Du … du… du ach einfach alles: Ich liebe Dich!

8 Gedanken zu „Das Schicksal geht eigene Wege! Oder wie sich Tom und Stoeps vor über 11 Jahren kennenlernten

  1. Potztuusig, das nenn‘ ich ne rasante Beziehung. Danke auch für die Erklärung zu Beginn – wäre nicht nötig gewesen, ein bisschen was sehen wir von dem Ufer schon auch ans andere rüber ;)

    Heisst das nun aber auch, dass dieses Sticker am Auto doch zu was nutze sind? Dabei find‘ ich jede Art von Klebedingern am Auto einfach nur schrecklich – eigentlich.

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  2. das nenn ich mal ne coole aktion! aber ich denke, in der homoszene seid ihr alle ziemlich direkt. das mit der fahne etc. hab ich nicht gewusst, woher auch. ich wuensch euch weiterhin alles liebe und summasummarum ist es bei euch auch nicht anders als bei uns heteros. wo die liebe halt hinfaellt… und ich hab zwei soehne, ich weiss also auch nicht, ob mir die zukunft enkel bringen wird….

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  3. Ich hatte vor ein paar Wochen einen kleinen Flirt auf der Autobahn aufgrund der Regenbogensticker am Auto. Bei ihm war es ein Sticker als Regenbogenflagge, an unserem Wagen haben wir einen länglichen Regenbogenaufkleber unter dem hinteren Nummernschild.
    Übrigens: Ich habe eure Story bei mir verlinkt.

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  4. @ctc: Bist halt ein gewitztes Frauchen! =) Naja, also heute hab ich nur noch einen einzigen Sticker, so wie queergedacht.de. Ansonsten ist da auch nix mehr auf meinem Auto. Aber zu lustigen Begegnungen oder Szenen kann das schon führen. Ab und zu winkt mal jemand auf der Autobahn freundlich beim Vorbeifahren. Aber Du hast schon recht, Autos ohne irgendwelche Klebedinger sind wesentlich schicker anzusehen!@little-wombat: Dann hast Du jetzt was gelernt =) Achte Dich mal auf der Strasse darauf. So um Köln, Berlin und München herum gibts viele Autos mit den Klebern! Und wenn so eine Fahne vor einem Lokal hängt, weisst Du jetzt auch, wer sich da einen zwitschert. Meine Rede! Bei uns ist nämlich auch sonst nicht wirklich was anders! Drum versteh ich oft auch nicht, was um das Thema Homo/Hetero für ein Aufhebens gemacht wird. Und was Deine Söhne angeht, schön dass Du da offen bist und bereit wärst, auch zu akzeptieren wenn vielleicht einer davon andersrum herauskäme. Statistisch gesehen sind ca. 7 – 10% der Bevölkerung besonders warmblütig. Und gem. Sigmund Freud sind wir eh alle bisexuell… =)@queergedacht.de: Siehste, es wirkt! =) Danke für’s verlinken der Story! Fühle mich gebauchpinselt!

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  5. @oliver: wow! Und ich fühle mich geehrt, wenn ich Dir damit Hoffnung machen konnte. Man sagt ja so schön, das Glück liegt auf der Strasse, man muss sich nur bücken (und das meine ich hier nicht anzüglich!!! ;-) um es aufzuheben. Und manchmal stimmt das augenscheinlich! Die schlimmsten Grenzen in unseren Leben sind die, die wir uns selbst geben! Ich versuche immer möglichst frei von Erwartungen und Grenzen im Kopf zu bleiben. Für mich ist immer alles möglich. Und so passiert mir auch immer wieder viel ungewöhnliches und schönes. Auch wenn es eben nie das ist, was ich mir erhoffe. Damals z.B. wollte ich alles, bloss keine Beziehung und bloss nicht verlieben! Aber eben, öfters kommt es anders als man denkt. Ein für mich wichtiges und wahres Zitat zum Thema Hoffnung ist: Hoffnung ist nicht die Überzeugung, daß etwas gut ausgeht,sondern die Gewissheit, daß etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.Vaclav HavelDas ist für mich mehr als ein Sinnspruch. Es ist eine meiner Lebenswahrheiten.

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