Metamorphosen sind Wunder!


Ich weiss nicht, wies Euch geht, ihr lieben Webonauten, aber mit den Blogs ist das so eine Sache. Die meisten, die mir so begegnen und die ich regelmässig lese sind oft oberflächlich, auf Lustiges beschränkt oder schlicht  süffisant genüssliche Kost. Nicht dass ich da etwas dagegen hätte, im Gegenteil! Ich unterhalte mich prächtig bei nicht ganz ernst gemeinten Lästerein, Links auf Youtube Filmchen oder Anekdoten aus der Vergangenheit einiger Protagonisten.

Aber ab und an stosse ich auf einen Blog, ganz unerwartet, der mich bewegt, berührt, an dem meine Augen, meine Sinne, mein Gefühl, mein Herz und mein Verstand hängen bleibt. Da muss ich gleich ganz viele Beiträge auf einmal lesen und anstatt nur herzlich zu lachen, werden meine Augen feucht, weil mich etwas tief berührt und bewegt.

So erging es mir auf dem Blog von Diana. Diana ist ein T-Girl. Nein, kein Tee-Girl! Sie ist eine transidente Frau. Das heisst, eine Frau die in einem männlichen Körper gefangen ist. Diana wusste schon als Kind, dass sie ein Girl war und sie litt lange darunter, dass sie durch eine Laune der Natur in den falschen Körper gesteckt wurde.

Als nicht transidenter Mensch kann man sich das wohl nicht wirklich vorstellen oder es nachfühlen. Auch Metaphorismen wie „stell Dir vor Du stehst in der Badehose in der Antarktis“ oder „wie würdest Du Dich als Gummiallergiker im Taucherkostüm fühlen“ helfen nicht im mindesten dabei, sich einzühlen und nachzuempfinden, wie schrecklich es sein muss, in einem Körper mit dem falschen Geschlecht zu leben.

Diana nimmt uns mit auf die Reise durch ihre Metamorphose. Sie ist gerade jetzt dabei sich aus Ihrem Cocon zu schälen und langsam ihre neuen, bunt schillernden Flügel zu entfalten und die ersten vorsichtigen Flugversuche zu starten. Und dabei ist sie herrlich undramatisch und unmelancholisch. Immer wieder nimmt sie sich auch selber wieder ein bisschen auf die Schippe. Frotzelt über die Tücken beim Tragen von Röcken oder über das seltsame Gefühl, plötzlich von Kerlen als Frau betrachtet und auch angeflirtet zu werden. Aber trotzdem ist da immer diese tiefe Ehrlichkeit, mit der Sie uns teilhaben lässt wie es war, das erste Mal als Frau mit Ihrem Vater auswärts essen zu gehen, oder wie sie zum ersten Mal in das Pub um die Ecke stöckelte und ganz überrascht war, dass sie ganz herzlich angenommen wurde. Sie erzählt von ihren Coming-Outs in der Familie, im Geschäft und darüber, wie schwer es ihr fiel, es ihrer Tochter zu sagen.

Ich habe Dianas Blog abonniert, ich möchte unbedingt weiter dabei sein, denn es kommt mir vor als ob ich Zeuge eines Wunders sein darf. Dem Wunder einer Metamorphose!

Diesen Blog möchte ich Euch ans Herz legen! Hier gibt es keinen „allday“ Food, sondern ganz spezielle Kost, die einem zum Lachen bringen kann, aber auch ganz tief drin berührt!

Mein Prädikat: Sehr wertvoll!

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8 Gedanken zu „Metamorphosen sind Wunder!

  1. Lieber Stoeps

    jetzt bin ich echt etwas sprachlos und das will was heissen bei mir ;-)

    Herzlichen Dank für diesen Blogbeitrag, Du hast mir schon bei Deinem Kommentar in meinem Blog das Augenwasser zum fibrieren gebracht und nun noch das?

    Du hast in meinem Blog geschrieben, dass Anerkennung von aussen nichts wert ist im Vergleich zur Anerkennung, die man sich selbst zuspricht. Da hast Du natürlich Recht und doch ist es gerade für Menschen wie mich nicht grad einfach, mit erhobenem Kopf durch eine Welt zu stöckeln, die einem für komplett verrückt hält. Deshalb sind Deine Zeilen Gold wert für mich. Mein Selbstwertgefühl muss ich selber aufbauen und erhalten, aber es sind Menschen wie Du, die mir die Kraft dazu geben.

    Zu meinem Blog muss ich jedoch bekennen, dass ich doch auch öfters mal melancholisch, traurig oder verzweifelt bin. Gerade in letzter Zeit habe ich meine LeserInnen glaub arg strapaziert mit meinem Liebeskummer und der daraus resultierenden Hoffnungslosigkeit. Aber meine grösste Charakterstärke ist meine Renitenz, immer wieder aufzustehen, nie aufzugeben und meinen Weg zu gehen, auch wenn er noch so schmerzhaft ist. Dementsprechend findet man bei mir Hochs und Tiefs und beides kommt von Herzen.

    Kennst Du Erich Fried? Er ist m.E. einer der grössten Poeten den es je gab. Es gibt ein Kurzgedicht resp Zitat von ihm, das mir sehr viel bedeutet, es dürfte Dir auch gefallen:

    Eigenartig, wie das Wort „eigenartig“ es fast als fremdartig hinstellt, eine eigene Art zu haben.

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  2. Pingback: Tief beschmutzt und stolz im Herz | T-Girl Diana

  3. Liebe Diana

    Anerkennung von Aussen ist nicht nichts Wert! Aber sie kann die eigene Anerkennung, die man sich selbst zollt, nicht ersetzen. Natürlich hilft es, wenn man von Aussen respektiert wird, aber man muss auch darauf achten, sich dabei nicht von der Zuwendung der Anderen abhängig zu machen, sondern sich zur Not eben auf die eigene Selbstliebe verlassen können.

    Aber das machst Du doch eigentlich auch schon. Du schreibst selbst, wie Dir Deine renitente Art immer wieder hilft auf die Beine zu kommen. Da ist also dieser leuchtende Kern in Dir, die immer wieder das Feuer entfacht um sich aufzurappeln und weiter zu machen. Und ich habe auch keine Angst um Dich, das Du es nicht schaffen würdest, dieses Feuer noch stärker und wärmender werden zu lassen :)

    Nein Diana, melancholisch bist Du mir nie vorgekommen in Deinen Beiträgen. Dass Du ab und an am Boden zerstört bist und dann nicht rumalberst und gute Miene zum bösen Spiel machst, ist doch selbstverständlich. Ich meinte damit, dass Du nicht jammernd in die Opferrolle flüchtest und um Mitleid buhlst. Du sagst einfach gerade heraus, dass es einem im Leben ab und zu auch richtig beschissen geht. Das finde ich dann auch am Tiefpunkt angelangt immer noch Stärke zeigend und macht auch anderen Mut! Wenn man am Tiefpunkt angelangt ist und keiner da ist, der einem herauszieht, dann kann man entweder aufgeben und resignieren oder aber eben wieder aufstehen, kämpfen und es nochmals probieren. Und genau das zeigst Du uns!

    Ich kannte Erich Fried nicht, bin ihm aber in Deinem Blog schon begegnet! Wirklich geniale Worte die dieser Poet geboren hat!!!

    Eigenartig zu sein ist ein Kompliment, nicht wahr!? In dem Sinne dürfen wir stolz darauf sein, wie eigenartig wir sind! :)

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  4. Lieber Stoeps

    ich stell grad mit Verblüffung fest, dass da ein Trackback von mir aufgelistet ist. Mein Blog ist echt eine dumme Nuss, es kann Trackbacks verteilen, aber die von aussen kommen bei mir nicht an, keine Ahnung warum.

    Zu mir, ich würds mal so formulieren, ich neige schon zur Melancholie, aber ich ersaufe nicht drin. Gefühle müssen gelebt werden. Wenn ich mich freue, dann tue ich das wie ein kleines Kind vor dem Weihnachtsbaum und wenn ich traurig bin, dann heule ich mir halt die Seele vom Leib. Und all das wird halt im Blog berichtet, eben weil ich kein Schönwetter-Blabla machen will sondern von mir erzähle und da gehören auch die ganz düsteren Tage mit rein.

    Erich Fried ist genial, ich liebe ihn, gerade wenn’s um Liebe geht, findet niemand so Worte wie er.

    Und klar ist „eigenartig“ ein Kompliment, sollte es zumindest sein, aber in unserer Gesellschaft der Mittelmässigkeit und der kollektiven Anöassung dürften das nur Wenige so sehen. Bei mir ist’s umgekehrt, Leute die keine „Eigenarten“ haben, sind mir irgendwie suspekt. Jeder Mensch ist ein Individuum und wenn das nicht erkennbar ist, suche ich vergeblich nach dem Menschen in diesem Menschen.

    Womit wir wieder am Anfang wären, nicht die Anderen sollten uns beurteilen, jeder muss sich selber im Spiegel seiner Seele finden und anerkennen.

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  5. Nicht die anderen sollen beurteilen, jeder muss sich selber finden.

    Die Anerkennung – die an den anderen nicht vorbei kommt.

    Das bedeutet auch geliebt sein und aufgehoben, geborgen, wohlfühlen, angenommen werden, respektiert sein.

    Wenn ich weiss wer ich bin ist das schon gold wert und es kann Selbstbewusstsein schaffen.
    Und ob ich verachtet werde, kann mir egal sein.

    Führt meiner Ansicht nach leider auch zu Kontaktscheue.

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