Fragmente 1.14 – Lebensgefahr


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Was bisher geschah:

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Der Umschlag enthielt ein Handy, 50’000.– Euro, eine Notiz mit der Adresse von Raouls Büro und mehrere Landkarten. „Lass uns dass in der Küche unten genau ansehen“ sagte Anne „Ich könnte einen Kaffee gebrauchen!“ ergänzte Sandra. „Gute Idee!“ meinte Anne, packte alles zusammen und ging mit Ihrer Freundin hinunter in die Küche. Sandra schaltete die Kaffeemaschine ein, suchte zwei Tassen und bald darauf blubberte heisses Wasser durch die Maschine und ein angenehmer Kaffeeduft verbreitete sich im Raum.

„Er hatte es schon länger so geplant!“ sinnierte Anne vor sich hin. „Was meinst Du?“ fragte Sandra. Annes Gedanken kreisten in ihrem Kopf. Warum wollte ihr Vater nicht selbst nach Peru zu fliegen? Er konnte ja unmöglich vorher wissen, dass er im Koma im Spital liegen würde und nicht selbst zu Raoul würde reisen können. Was steckte hinter all dem? Anne kam nun plötzlich alles sehr seltsam vor und sie suchte innerlich nach einer Erklärung für diese Wendungen in ihrem Leben. „Vielleicht gibt es keine Erklärungen“ meinte Sandra. „Vielleicht muss sich das alles so entwickeln für Dich und Deinen Leben!“ Anne wollte gerade nachfragen was Sandra damit sagen wollte, als beide von einem dumpfen Geräusch im Keller aufgeschreckt wurden.

„Hast Du die Polizei angerufen?“ fragte Sandra leise und Anne schüttelte den Kopf. „Das habe ich fast vergessen!“ flüsterte sie zurück. „Meinst Du der Einbrecher ist zurück oder war noch gar nicht aus dem Haus verschwunden?“ Sandra dachte nach. „Das Quietschen der Eingangstür kam vielleicht gar nicht davon, dass unser Eindringling das Haus verliess. Vielleicht kam noch ein zweiter Eindringling ins Haus?“ Anne schauderte bei dem Gedanken. Plötzlich sprang Sie vom Stuhl auf, schloss die offenstehende Kellertür zu und drehte den Schlüssel vorsichtig im Schloss. „So! Hilf mir bitte noch den Küchenschrank vor die Tür zu schieben, damit sie nicht so einfach aufgebrochen werden kann!“. Sandra packte mit an und die beiden schoben den Schrank vor die Tür.

Anne zog ihr Handy aus der Tasche und rief die Nummer von Inspektor Trost an. In knappen Worten erzählte sie was passiert war. Sie wurden angewiesen das Haus zu verlassen und draussen auf die Polizei zu warten. Anne kramte den Inhalt des Umschlags zusammen und packte alles in ihre Handtasche.  Die beiden Frauen wollten gerade die Küche verlassen als sie plötzlich Schritte aus dem Flur hörten. „Scheisse!“ entfuhr es Sandra und plötzlich standen beide einem riesenhaften Kerl gegenüber, der breitbeinig in der Tür zur Küche stand. Sein Blick erfasste die Situation und er realisierte sofort, dass sein Komplize im Keller eingesperrt war. Anne und Sandra pochte das Herz bis zum Hals, denn der grimmige Gesichtsausdruck des Mannes liess nichts Gutes erwarten. Er griff in seine Jacke und zog eine Waffe heraus, die er sogleich auf Anne richtete. „Aufschliessen!“ schrie er und zeigte mit der freien Hand Richtung Kellertür. Anne und Sandra blieben wie angewurzelt stehen und waren vor Schreck nicht fähig sich zu bewegern. „Mach schon!“ brüllte der Kerl und fuchtelte mit seiner Pistole vor Annes Nase herum. Anne machte einen Schritt auf die Kellertür und das davor geschobene Küchenregal zu. Sandra stand noch immer auf der anderen Seite der Küche, starr vor Schreck. „Wird’s bald!“ schrie der Kerl erneut und Anne begann sich gegen den Küchenschrank zu stemmen um ihn von der Tür weg zu schieben. Doch die Kraft hatte sie verlassen, sie war gelähmt vor Angst und der Schrank wich keinen Millimeter.

Der Einbrecher richtete die Waffe auf Annes Stirn. Panik frass sich in ihr Herz und ihren Verstand und innerlich schloss sie mit ihrem Leben ab und blickte geschockt in den Lauf der Waffe, der keine 10 Zentimeter vor ihrem Gesicht auf sie gerichtet war. Plötzlich registrierte sie eine Bewegung aus dem Augenwinkel und mit einem lauten Klirren und zerbarst der Kaffeekrug mit dem heissen, braunen Inhalt im Gesicht des Mannes. Er wankte, machte zwei Schritte zurück, stolperte über die Türschwelle und landete mit einem Schrei auf dem Rücken liegend im Flur. Mit ein paar Schritten stand Sandra bei ihm, kniete sich nieder und hielt ihm ein grosses Küchenmesser an die Kehle. „Du verdammtes Arschloch!“ brüllte sie und beinahe hätte sie vor Angst und Wut das Messer einfach in das pulsierende Fleisch seiner Kehle gestossen.

Anne stand wie angewurzelt vor dem Küchenschrank und konnte nicht glauben, was eben passierte. „Sandra? Er hätte mich erschiessen können! … Du….Was?“ Sandra grinste Anne triumphierend an. „Hätte er nicht! Die Waffe war nicht entsichert und nicht geladen!“. Anne schlug das Herz noch immer bis zum Hals „Wie wusstest Du?“ „Ich hatte einen Freund, der bei der Polizei arbeitete und ein Waffennarr war“ fiel ihr Sandra ins Wort und ergänzte: „Der hat mir einiges beigebracht!“. „Wow!“ entfuhr es Anne. Doch noch immer war ihre Angst nicht gewichen. Umso mehr jetzt der Komplize des Angreifers an die Kellertür hämmerte und fluchte was das Zeug hielt. Plötzlich ertönten Schüsse und Holz splitterte, Tassen und Teller im Küchenschrank zerbarsten und einige Kugeln zischten durch die Küche. Anne hatte Glück, nicht in der Schusslinie gestanden zu haben und beide zogen sich nun in den Flur zurück. „Gib mir die Waffe!“ sagte Sandra. Anne hob die Pistole auf und gab sie Sandra. „Hier nimm das Messer und halt es ihm an die Kehle! Wenn er sich auch nur einen Zentimeter bewegt, stich einfach zu!“ Anne übernahm das Messer, auch wenn ihr dabei nicht sonderlich wohl war und sie spürte den Atem des Mannes an ihrer Hand, während dem Sandra die Pistole nahm, entsicherte und durchlud. Sie richtete sie auf ihn und schrie „Wenn Du Dich bewegst, drücke ich ab! Sein Komplize hatte sein Magazin verschossen und versuchte noch immer die Tür aufzubrechen.

Plötzlich hörten die beiden Frauen einen Knall. Die Haustür flog mit einem lauten Quietschen auf und ein Beamter brüllte „Polizei! Keine Bewegung!“ . Etwa sechs Polizisten mit gezückten Waffen drangen in den Flur ein und erlösten die beiden Freundinnen aus der bedrohlichen Situation. Der Einbrecher am Boden wurde von zwei Beamten in Handschellen gelegt und abgeführt. Die Polizisten rückten nun den Küchenschrank von der Tür weg und schlossen die Tür auf. Sie drangen in den Keller ein und durchsuchten alles. „Nichts!“ rief einer von unten hoch. „Das Kellerfenster ist aufgebrochen, er ist geflüchtet!“ drang die Stimme eines Polizisten nach oben, worauf die restlichen Beamten sofort nach draussen rannten und damit begannen die Umgebung des Hauses abzusuchen. Mittlerweile war auch Inspektor Trost in die Küche gekommen und bat die beiden Frauen, mit ihm aufs Revier zu kommen.

Als sie bei ihm im Auto sassen, schwiegen sie beide eine Zeit lang, bis Anne plötzlich zu zittern begann und in Tränen ausbrach. „Wir hätten sterben können!“ schluchzte sie, während Sandra vor sich hin starrte. „Du hast uns gerettet!“ sagte Anne nun zu Sandra und nahm sie  in den Arm. „Wie konntest Du nur so eiskalt reagieren?“ „Ich weiss es selbst nicht!“ antwortete Sandra und war scheinbar selbst von ihrem Tun geschockt. „Ich habe einfach nur noch funktioniert ohne darüber nachzudenken!“. Die beiden blickten einander an und plötzlich löste sich Annes Anspannung in einem lauten Lachen. „Danke Sandra! Ohne  Dich wäre ich wohl verloren gewesen!“ schickte Anne hinterher. Inspektor Trost beobachtete die Beiden im Rückspiegel und sagte: „Es hätte aber auch ins Auge gehen können! Sie haben mutig gehandelt, aber auch leichtsinnig!“.

Auf dem Revier angekommen erzählten beide Frauen genau, was passiert war. Allerdings verheimlichte Anne den genauen Inhalt des Umschlags. Sie erzählte weder vom Geld noch vom Handy. Denn sie hatte keine Ahnung, woher ihr Vater beides hatte und sie wollte verhindern, dass irgendetwas ihre Reise nach Peru verhindern konnte. Nachdem sie ihre Aussage gemacht hatten fuhren beide zu Sandra nach Hause. Doch sie blieben nicht, denn ihnen war klar, dass sie dort nicht in Sicherheit waren. „Lass uns in ein Hotel in der Stadt fahren und dort bleiben, bis der zweite Täter verhaftet wird!“ sagte Anne und Sandra nickte. Sie wusste, dass es besser so wäre, obwohl sie sich nichts sehnlicher gewünscht hatte als zu Hause in ihren eigenen vier Wänden zu sein. Sie packten das Nötigste ein und setzten sich in Sandras Auto.

Sie fuhren in der Dämmerung los und beide sassen schweigend nebeneinander. Als sie an der Stelle vorbeifuhren, an der Anne mit Ihrem Vater verunfallt war, überkamen Anne die Erinnerungen. Schlagartig waren die Bilder des Unfalles wieder da. Sie klammerte sich an den Sitz im Auto und befürchtete, dass wieder etwas passieren könnte. Doch Sandra steuerte das Auto problemlos durch die Kurve und die Stadt lag schon zum Greifen nah vor ihnen. „Ich glaube, wir werden verfolgt!“ sagte Sandra plötzlich mit einem Blick in den Rückspiegel. „Was?“ fragte Anne zurück und drehte sich auf ihrem Sitz um. Tatsächlich schloss ein schwarzer Wagen hinter ihnen gefährlich nahe auf. Sie konnte den Fahrer nicht erkennen, denn die Nacht brach herein und überzog die Landschaft mit ihren schwarzen Schwingen. Die Scheinwerfer des Autos blendeten sie und langsam schnürte sich Annes Kehle zusammen. Plötzlich machte Sandras Auto einen Ruck und das Geräusch von krachendem Kunststoff und Metall war zu vernehmen. „Dieser Scheisskerl hat uns gerammt!“ rief Sandra. „Los gib Gas!“ antwortete Anne und versuchte ruhig zu bleiben. Doch das Auto hinter ihnen wich keinen Zentimeter. Plötzlich riss der Verfolger sein Steuer nach links und setzte zum Überholmanöver an. Er versuchte nun von der Seite Sandras Auto an den Berghang rechts von Strasse zu drängen um die beiden anzuhalten. Doch Sandra manövrierte Ihren Wagen geschickt und konnte immer wieder ausweichen, obwohl Sandra beinahe mit den rechten Rädern in den Strassengraben fuhr.

Anne schaute nach vorne und sah, dass sie auf eine enge Rechtskurve zusteuerten. „Pass auf!“ brüllte sie los. Sandra blickte nach vorne und trat mit voller Kraft auf die Bremse. Die beiden Frauen wurden fast an die Windschutzscheibe nach vorne gedrückt und nur die Sicherheitsgurte verhinderten, dass sie aus ihren Sitzen gerissen wurden.

Weiter mit Fragmente 1.15 – Sandra fährt

5 Gedanken zu „Fragmente 1.14 – Lebensgefahr

  1. puh……….. junge, junge…. das hört ja gar nicht auf…. immer diese aufregung…. aber wieder großartig… ich bin schon am überlegen, ob ich’s mir für mich selbst ausdrucke…. zwar kann ich’s nicht als nachtlektüre nebens bett legen, weil ich dann wohl vor angst die ganze nacht nicht schlafen würde, aber ich finds ehrlich spektakulär, dass ich jemanden „kenne“ der sowas schreibt…

    liebe grüße, aus dem fast sonnigen Leipzsch
    Jana

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  2. Mann Stoeps,

    ich bin so was von weg…. mein Herz klopft sehr schnell und meine Nackenhaare haben sich aufgestellt beim Lesen der Geschichte. Das ist ja wirklich ein Hardcore-Thriller der Extraklasse.

    …. und nun fiebere ich der Fortsetzung entgegen…

    GlG schickt die Teenudel

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  3. @Jane: Du hast meine offizielle Erlaubnis, das für Dich auszudrucken. Wenn Du meine Blogadresse dazuschreibst, darfst Du’s auch gerne weitergeben! :-) Ich finde es übrigens auch ganz cool, den zu kennen, der sowas schreibt ;-)

    @little-wombat: Kannst Du jetzt lesen! ;-)

    @Teenudel: Die Fortsetzung ist online! Es spitzt sich langsam zu! Bin selbst neugierig, ob ich es schaffe, die Spannung bis zum Schluss aufrecht zu erhalten!

    Ich wünsche Euch allen ein recht schönes Weekend. Der Frühling hat sich ja zumindest bei uns für ein kurzes Stelldichein angekündigt…*freu*

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  4. „Wie konntest Du nur so eiskalt reagieren?” „Ich weiss es selbst nicht!” antwortete Sandra und war scheinbar selbst von ihrem Tun geschockt. „Ich habe einfach nur noch funktioniert ohne darüber nachzudenken!”.

    Mir gefällt besonders gut, dass jede deiner Geschichten einen Funken Wahrheit über unser menschliches Handeln beinhaltet (siehe Zitat). Ich fragte mich ernsthaft an dieser Stelle, wie ich reagiert hätte… ?

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