Fragmente 1.22 – Flucht aus der Dunkelheit

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Original Photo von:  Jackson Lee

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Sie knieten neben dem leise atmenden Polizisten, dessen Blut aus der Platzwunde am Hinterkopf langsam auf den Boden des Lieferwagens rann. Draussen sprachen die anderen Beamten aufgeregt miteinander. Annes Verstand war aber viel zu sehr mit dem Mann, der vor ihr am Boden lag beschäftigt, als dass sie hätte verstehen können, was da besprochen wurde. „Ich muss ihm die Wunde verbinden, damit er nicht verblutet.“ flüsterte sie leise. Würde er sterben, würden sie zu Mördern und das war das Letzte, was sie im Moment gebrauchen konnten. Anne kramte in ihrer Reisetasche und zog eine Reiseapotheke hinaus. Die wild durcheinander sprechenden Beamten vor der Tür des Transporters wurden plötzlich ruhig, als eine Stimme aus einem Funkgerät hörbar wurde. Doch Anne nahm das nicht zur Kenntniss. Sie goss Desinfektionsmittel auf die blutende Kopfwunde des Polizisten, der sich ohne wach zu werden wand und glucksende Laute von sich gab. Luis drückte einen weichen Schal aus seinem Rucksack auf dessen Mund, damit er sie nicht verriet.

Die Polizisten neben dem Lieferwagen zogen plötzlich ab und eine gespenstische Ruhe kehrte nun in der Tiefgarage ein. Anne presste eine sterile Kompresse auf die blutende Wunde und verband den Kopf des Verletzten. Sie legte ihm einen Druckverband an und hoffte, dass dies die Blutung stillen würde. Sie war voll konzentriert und hatte gar nicht mitbekommen, dass draussen vor ihrem Versteck Ruhe eingekehrt war und sie nun alleine waren. Das Klingeln von Luis Handy riss sie aus ihrer Konzentration. Pedro rief an und erklärte, wo sein Auto stünde und dass er mittlerweilen mit dem Gepäck dort angelangt sei.

„Wir müssen dafür sorgen, dass er in ein Krankenhaus kommt oder zumindest bald gefunden wird!“ sagte Anne zu Luis. Er nickte und schlug vor, den Verletzen in den Korridor zum Eingang der Tiefgarage zu legen, da er dort sicher bald gefunden würde. Anne willigte ein. Vorsichtig öffneten sie die Tür des Transporters und Luis streckte seinen Kopf hinaus. Es war niemand zu sehen. Die beiden stiegen aus und schleppten den schlaffen Körper des Mannes zum Eingang des Parkhauses. Die schmutzigen Leuchtstoffröhren der Tiefgarage tauchten die Szenerie in ein unheimliches Licht und plötzlich kam sich Anne total verlassen vor. Nein, sie war nicht alleine hier, sie hatte ja Luis gefunden. Aber die Tatsache als Verfolgte in einem fremden Land einen Polizisten niedergeschlagen und ernsthaft verletzt zu haben, gab ihr nicht eben ein gutes Gefühl. Luis schien ihre Gedanken zu erraten und sprach ihr Mut zu: „Du kannst nichts dafür, Anne! Du hast nichts verbrochen und hast Dich nur gewehrt! Wir haben uns gewehrt! Wir sind hier die Opfer, nicht die!“

„Los komm!“ drängte sie Luis, als sie den immer noch bewusstlosen Mann im Korridor abgelegt hatten. Sie beeilten sich wegzukommen und begaben sich zum Auto von Pedro, der bereits ungeduldig wartete. Nachdem das Handgepäck im Kofferraum des Autos verstaut war, stiegen sie zu Pedro ins Auto. Anne trug immer noch die Uniform einer Flugbereiterin und Luis sah in seinem Overall tatsächlich aus, wie ein Flughafenmitarbeiter.

Die Sonne empfing die drei mit brutaler Helligkeit, als sie den Schlund der Tiefgarage verliessen. Anne kam sich vor wie in einem billigen Roadmovie und fragte sich, ob das was hier geschah Wirklichkeit war oder ob sie einmal mehr plötzlich aus einem Traum erwachen würde. Doch es war grausame, staubige und kalte Realität. Pedro verlangsamte seinen Wagen. Bevor sie das Gelände verlassen konnten, mussten sie eine bewachte Schranke passieren. Luis wechselte ein paar Worte in Spanisch mit Pedro. „Keine Angst, er kennt die Sicherheitsbeamten hier. Sie werden uns sicher problemlos passieren lassen!“ versuchte Luis Anne zu beruhigen, die nun wieder sichtlich nervös wurde. „Blut!“ rief Luis plötzlich und zeigte auf Annes Jacke. Tatsächlich prangte ein grosser Blutflecken auf ihrem Oberteil, was sie beim Kontrollposten ganz sicher verraten würde. Schnell zog sie die Jacke aus. Zum Glück war ihre Bluse sauber geblieben.

Der Sicherheitsbeamte stoppte den Wagen und sprach aufgeregt mit Pedro. Anne schnappte auf, dass er Pedro von den beiden Ausländern erzählte, die fieberhaft gesucht wurden. Pedro lachte laut heraus und machte ein paar Bemerkungen über die lausige Arbeitsweise der Miliz und schloss damit, dass er dem Sicherheitsbeamten ein Kompliment für seine Aufmerksamkeit machte und anerkennend befand, dass die Securityguards des Flughafens da schon viel bessere Arbeit leisten würden. Der Beamte lachte zurück und fühlte sich offensichtlich geschmeichelt. Er winkte Pedro durch und öffnete die Schranke, während er den Dreien einen guten Tag wünschte.

Anne lies die Luft aus ihrern Lunge entweichen. Das ganze Gespräch über hatte sie den Atem angehalten, denn sie rechnete jeden Moment damit aufzufliegen. Doch Pedro hatte die Situation perfekt gemeistert. „Komplimente helfen immer!“ grinste er und fuhr Richtung Lima Stadt. „Ich bringe Euch zur Pension meiner Mutter!“ Sie wird euch für ein paar Tage unterbringen ohne Fragen zu stellen und ohne Euch an die Miliz zu verraten! Anne atmete erleichert auf und Luis versteinerte Miene löste sich langsam um einem müden Lächeln Platz zu machen. Anne schaute aus dem Fenster des Wagens und sah Häuser und Menschen an sich vorbei ziehen. Nun war sie endlich in Peru und eigentlich hatte sie damit gerechnet, vor Freude zu tanzen. Aber die Ereignisse der letzten Stunden hatten ihr jeglichen Spass gründlich verdorben.

Ihre Gedanken schweiften ab nach Hause. Wie es wohl Sandra und ihrem Vater ginge? Plötzlich vermisste sie die Beiden schmerzlich und wünschte sich insgeheim wieder dahin zurück, wo alles angefangen hatte. Könnte sie nur das Rad der Zeit zurückdrehen, all diese Dinge ungeschehen machen und einfach wieder ihr ganz normales altes Leben leben! Ihr altes Leben? Langsam stiegen Bilder in ihr hoch. Die Beziehung mit Nick, die ihr jegliche Lebensfreude nahm, die unzähligen Bewerbungen, die fehlende Perspektive. Sie begann sich zu fragen, wer sie damals eigentlich war. Und irgendwie wollte ihr keine Antwort dazu in den Sinn kommen. Eigentlich, dachte sie, habe ich vorher gar nicht existiert. Anne erkannte, dass ihr altes Leben ein Gespinnst aus Kompromissen war und dass sie einfach  wie ein Roboter funktioniert hatte. Wäre sie nicht in dieses Abenteuer gestürzt, hätte sie Sandra nie so intensiv kennen gelernt, sie hätte ihren Vater nicht noch einmal von einer ganz neuen Seite erlebt, sie hätte nicht den Moment grosser Dankbarkeit nach dem Erwachen aus der Bewusstlosigkeit nach dem Unfall gefühlt. Sie hätte nicht in all den Momenten des Schreckens und der lebensbedrohlichen Erlebnissen gefühlt, dass sie tatsächlich am Leben war.

Leben! Dieses Wort erhielt nun eine ganz neue Bedeutung fernab von Sicherheit und Harmonie. Anne wurde bewusst, dass es die schmerzhaften Erfahrungen waren, die sie spüren liessen, dass sie nicht einfach eine Untote war, sondern dass sie wirklich existierte  und dass das nicht selbstverständlich war. Ihr wurde bewusst, wie wichtig es ist, den eigenen Weg zu gehen und darauf zu vertrauen, dass es besser war in Bewegung zu bleiben und dabei auch ein paar Blessuren und Gefahren zu risikieren. Ihr altes Leben war Stillstand, ein unsichtbares Dasein. Aber jetzt fühlte sie sich lebendiger als jemals zuvor,  obwohl sich eine bleierne Müdigkeit in ihrem Körper ausbreitete. Sie konnte fühlen wie sie atmete, wie ihr Herz Blut durch ihren Organismus pumpte. Ihre Gedanken waren frei und just in diesem Augenblick eroberte erneut ein zufriedenes Lächeln ihr Gesicht. Ja, sie lebte! Und wie sie lebte! So weit weg von allem, das ihr Sicherheit gab und alles in geordneten Bahnen hielt, aber so nah bei sich selbst. Das erste Mal fühlte sie, was es wirklich bedeutete Anne zu sein. Und sie war glücklich damit, diese Anne sein zu dürfen, die all dies überstand und die trotzdem weiterging auf ihrem Weg.

Plötzlich war sie da! Die Freude, die sie erwartet hatte! Sie dachte an Raoul, an das Geheimnis der Biblothek und als sie Luis ansah, huschte auch über sein Gesicht ein müdes, tiefsinniges und ehrliches Lächeln.

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Fragmente 1.18 – Die Reise ins Ungewisse

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Photocredit: caribb@flickr.com

Was bisher geschah:

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Anne schlief nicht durch. Immer wieder wachte sie auf und die Nervosität wegen der bevorstehenden Reise liess sie lange wach liegen. Irgendwann war es endlich Morgen geworden und Anne war froh, das Bett verlassen zu können. Irgendwie fürchtete sie sich ein Stück weit vor dem was nun vor ihr lag, andererseits freute sie sich auch darauf. Sie würde Raoul wiedersehen und sie würde in das grösste Abenteuer ihres Lebens aufbrechen.

Alles war bereit. Ihre Koffer waren gepackt, der Stein mit der Karte im Gepäck verstaut und sie musste nur noch losziehen. Nur noch ein letztes Frühstück mit Sandra trennte sie von dem Abflug. Die beiden Freundinnen sprachen nicht viel, obwohl sie einander beide noch so viel zu sagen hatten. Anne die Sandra danken wollte und der ihre Freundin jetzt schon fehlte. Und Sandra die voller Sorge war, ob Anne die Reise und vor allem ihren Aufenthalt in Peru schadlos überstehen würde. Doch Worte waren überflüssig. Immer wieder trafen sich die Augen der beiden jungen Frauen. Ab und zu huschte ein verschwörerisches Lächeln über ihre Lippen und das Unausgesprochene lag greifbar in der spannungsgeladenen Luft.

Ihre Kommunikation funktionierte wortlos, was das innere Band der beiden zusätzlich verstärkte. Anne würde Sandra sehr vermissen. Aber sie wusste auch, dass Sandra in ihrem Herzen bei ihr sein würde. Und ihr war klar, dass sie diesen Weg alleine gehen musste. Denn es war nicht so sehr die Reise zu Raoul oder das Abenteuer in einem fernen Land das vor ihr lag. Viel mehr war es der Weg zu ihr selbst. Ein Aufbruch in eine Zukunft, in der sie selbst ihre Geschicke in die Hand nahm. Es würde von ihren Entscheidungen abhängen, ob sie überleben würde. Es gab niemanden, dem sie folgen konnte, niemanden der sie unterwegs beschützte oder ihr helfen konnte. Bis zu dem Zeitpunkt an dem sie Raoul in Peru finden würde, war sie komplett auf sich selbst gestellt.

Dieses Gefühl von Selbstbestimmtheit, Stärke und dem Wissen auf einer wichtigen Mission zu sein, erfüllte Anne mit Kraft und sie lächelte Sandra wortlos an. Sandra nickte nur und blickte auf die Uhr. Es wurde Zeit und die beiden Frauen mussten das Hotel verlassen. Nachdem der letzte Koffer und die Reisetasche verstaut waren, fuhren sie in Richtung Flughafen davon. Die Fahrt verlief dieses Mal ohne Zwischenfälle und sie kamen rechtzeitig an der angegebenen Abflughalle an. Anne lud ihr Gepäck auf einen Rollwagen und Sandra begleitete sie zum Check-In.

Wie immer, wenn Anne sich auf einem Flughafen befand, befiel sie dieses Gefühl von Freiheit und Abenteuer. Diese Orte waren Tore zur Welt und von hier aus konnte man beinahe jedes Land erreichen. Schon als Kind war Anne von diesen Gebäuden fasziniert. Die Menschen hier strahlten ein Gefühl aus, dass sich sonst nirgendwo so manifestierte. Anne tauchte ein in diese Energie und nur der Moment des Abschieds von Anne vermochte Ihre Freude und Spannung zu trüben. Dann war der Augenblick gekommen. Sandra nahm Anne in die Arme und die beiden Freundinnen umarmten sich. Sandra wartete bis Anne eingecheckt hatte und schaute ihrer Freundin nach, als diese sich zum Zoll begab. Anne blieb kurz stehen und hob ihre Hand zu einem letzten Gruss. Dann wurde sie von dem Durchgang verschluckt, der die Sicherheitszone vom Check-In trennte.

Sie suchte ihr Gate und musste dort noch fast eine Stunde auf das Boarding warten. Sie nutzte die Zeit und schmöckerte in ihrem Reiseführer. Ihre Gedanken pendelten zwischen der Vergangenheit, dem Hier und Jetzt und der kurz bevorstehenden Zukunft. Innerlich verabschiedete sie sich von ihrem alten Leben und bereitete sich auf das vor, was vor ihr lag. Die Bilder der Nazca-Ebenen in dem Buch in ihren Händen entlockten ihr ein Lächeln. Bald, davon war sie überzeugt, würde sie endlich Raoul gegenüber stehen. Bald würde sich der Kreis schliessen. Bald würde sie in Peru und bei sich selbst angekommen sein.

Eine Stimme aus dem Lautsprecher, die das Boarding ihres Fluges ankündigte, riss Anne aus ihren Gedanken. Sie stand auf, begab sich zu dem Gateway und bevor sie noch einmal zurückschauen konnte, befand sie sich im Bauch des Flugzeugs. Im Inneren herrschte die typische Betriebsamkeit vor dem Start eines Fluges. Passagiere hievten ihr Handgepäck in die Kofferablagen oberhalb der Sitze, Flugbegleiterinnen lächelten freundlich und zeigten Fluggästen ihre Plätze. Anne hatte Glück und hatte einen Fensterplatz buchen können. Sie hatten ihre Reisetasche verstaut, sich ihre Reiseführer und Magazine in der Tasche an der Hinterseite der Rücklehne des Sitzes vor ihr eingesteckt und machte es sich in ihrem Sitz so bequem es eben ging.

Langsam füllte sich die Maschine bis auf den letzten Platz. Nur zwei Reihen vor Ihr blieb noch ein Sitz frei. Das musste der zweite der annulierten Pätze der sonst ausgebuchten Maschine sein. Sandra blickte aus dem Fenster und sie nahm das Bild der ihr vertrauten Landschaft in sich auf. Die sanften grünen Hügel, die dunklen Wälder, die Häuser der Städt. Plötzlich wurde ihr bewusst, dass sie keinen Rückflug gebucht hatte. Wann würde sie diese vertrauten Bilder wieder sehen? Wann würde sie zurückkehren? Langsam spürte sie, wie neben ihrer Freude über das Abenteuer auch das Gefühl des Abschieds, der Trennung von dem was ihr vertaut und lieb geworden war vor ihr stand.

Würde ihr Vater im Krankenhaus bald aus dem Koma erwachen? Wann würde sie ihn und Sandra wieder sehen? Anne versuchte diese Gedanken abzuschütteln und vertiefte sich in eine Illustrierte, die sie sich am Kiosk im Flughafen gekauft hatte. Doch für einmal vermochten sie die Seiten mit den neusten Handtaschen und Schuhmodellen nicht wirklich in ihren Bann zu ziehen. Immer wieder schweiften Ihre Gedanken ab und immer wieder zog es ihren Blick zu der vertrauten Umgebung des Flughafens. Langsam rückte der Start der Maschine immer näher. Die Tür des Flugzeugs wurde geschlossen und Anne gurtete sich vorsichtshalber bereits an.

Doch die Maschine blieb stehen und mehrere Minuten vergingen, ohne dass sie auf das Rollfeld manöveriert wurden. Eine Flugbegleiterin ging nun plötzlich auf die bereits geschlossene Tür des Flugzeugs zu und öffnete diese erneut. Jemand schien sich verspätet zu haben und stieg noch nachträglich zu. Anne kannte diesen Mann nicht der nun auf dem freien Sitz, der ihr vorher aufgefallen war, Platz nahm. Und doch beschlich sie ein seltsames Gefühl, als sie bemerkte, wie dieser sich umschaute und jemand zu suchen schien. Bevor sich sein Kopf in ihre Richtung drehte, verschanzte sie sich schnell hinter ihrem aufgeschlagenen Magazin. Vielleicht war es ja nur so ein dummer Verdacht, der aufgrund der Erlebnisse der letzten Tage in ihr hochstieg. Und doch kroch ihr die Angst den Rücken hoch, wenn sie diesen Mann betrachtet, der nun in seinem Sitz sass und nach vorne blickte.

Langsam setzte sich nun das Flugzeug in Bewegung und rollte auf die Startbahn. Die Triebwerke wurden immer lauter, heulten auf und die Maschine gewann rasch an Geschwindigkeit. Die Fluggäste wurden in Ihre Sitze gedrückt und plötzlich hoben sie ab. Der Belag der Flugpiste raste unter ihnen vorbei und die Gebäude wurden immer kleiner. Nun gab es kein zurück mehr! Anne atmete tief durch und lehnte sich in ihrem Sitz zurück und genoss das Gefühl, sich immer weiter weg von der Welt da unten zu entfernen. Und unweigerlich drängte sich ein altes Lied in ihren Kopf „Über den Wolken, da muss die Freiheit wohl grenzenlos sein…“

Langsam entspannte sich Anne und beschloss, sich einen Prosecco zu bestellen, sobald die Flugbegleiterin vorbeikommen und sie nach einem Getränkewusch befragen würde. Sie wollte den Moment gebührend würdigen und ihr Abenteuer feierlich beginnen. Je höher sie stiegen umso besser fühlte sich Anne und je näher sie Peru kamen umso mehr freute sie sich auf das Wiedersehen mit Raoul. Sie schloss ihre Augen und versuchte sich auszumahlen, wie es sein würde ihren fernen Freund in ihre Arme zu schliessen.

Doch ein trockener, kehliger Husten riss sie aus ihren Gedanken. Sie schaute sich um. Der Kopf des verspätet zugestigenen Passagiers hob und senkte sich und er hustete erneut. Annes erstarrte und obwohl sie einen machtvollen Drang verspürte laut heraus zu schreien, schnürrte ihr  die Panik die Kehle zu. Augenblicklich wurde ihr klar, dass sie diesen Husten kannte. Und sie wusste auch sofort wo sie ihn zuvor schon gehört hatte.

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