Fragmente 1.17 – Reisevorbereitungen


adlerfeder

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Am nächsten Morgen schickte die Sonne zärtlich ihre Strahlen durch das Fenster und Anne öffnete blinzelnd ihre Augen. Ihr nächtliches Erlebnis war nun nur noch eine leise Erinnerung und drohte auf schnellen Füssen zu entschwinden. Nachdem sie aufgestanden war, kramte Anne einen Notizblock aus ihrer Handtasche und schrieb auf, was ihr von ihrem Traum in Gedanken geblieben war.

Leicht irritiert fuhr sie mit ihrer Hand durch ihre langen Haare, denn irgendetwas piekte unangenehm an ihrer Kopfhaut. Sie staunte nicht schlecht, als sie eine kleine Feder in ihren Fingern hielt. War sie durch das Kopfkissen gedrungen oder war es wieder ein kleines Souvenier von ihrer nächtlichen Traumreise? Vor ihrem geistigen Auge sah sie Aquila am Himmel kreisen und streichelte selbstvergessen mit der kleinen Feder über ihre Wange. Aus dem Badezimmer hörte sie Sandra rufen: „Anne, bist Du wach?“ „Ja bin ich! Und ich habe einen Bärenhunger!“ gab Anne zurück. „Frühstück?“ „Oh, ja! Und wie!“

Der Duft von frischem Kaffee und knusprigen Croissants begleitete das angeregte Gespräch der beiden Freundinnen. „Peru! Sandra, ich werde nach Peru reisen, sobald als möglich.“ eröffnete Anne. „Lass uns nachher ein Reisebüro suchen!“ schlug Sandra vor und Anne nickte, während sie herzhaft in ein mit Butter und verführerisch duftendem Honig bestrichenes Brötchen biss. Sie besprachen, was alles zu tun sei und beschlossen auch Annes Vater im Krankenhaus einen Besuch abzustatten. Auf dem Weg zum Reisebüro kamen die Beiden an einem Bücherladen vorbei und durchstöberten ihn nach Reiseführern und Literatur über Peru und die Nazca-Ebenen. Anne deckte sich mit Literatur ein und die beiden zogen weiter, um in einem nahegelegenen Reisebüro Annes Flug zu buchen. Danach machten sie sich auf den Weg ins Krankenhaus.

Das kalte Neonlicht und der unangenehme Duft von Desinfektionsmitteln begrüsste die Freundinnen in der Klinik. Der Zustand von Annes Vater hatte sich nicht gross geändert. Seine körperliche Verfassung hatte sich zwar verbessert, aber noch immer lag er im Koma und es gab kein Anzeichen dafür, dass er bald erwachen würde. Traurig hielt Anne seine Hand und erinnerte sich an Ihre Gespräche mit Ihm in ihren Träumen. Wenigstens hatte sie dort die Möglichkeit mit ihm in Kontakt zu treten, wofür sie unendlich dankbar war. Während Sandra im Shop im Parterre des Krankenhauses wunderbar duftende Blumen kaufte, schrieb Anne ihrem Vater einen langen Brief, in dem sie die Ereignisse der letzten Tage festhielt und ihm auch mitteilte, dass sie nun nach Peru aufbrechen werde. Der Abschied von ihm fiel ihr schwer und nur der Gedanke, ihn bald zusammen mit Aquila wieder zu sehen, vermochte sie ein wenig zu trösten.

Die beiden Frauen fuhren anschliessend zu Sandra nach Hause um die Reisevorbereitungen zu treffen. Anne hatte Glück und konnte einen Flug für den nächsten Tag ergattern. Eigentlich war der Flug restlos ausgebucht. Doch die Dame im Reisebüro hatte die Fluggesellschaft angerufen und freudig verkündet, dass zwei Tickets annulliert wurden und so ein Platz für Anne frei wurde. Je näher nun der Abend kam umso nervöser wurde sie. Wo würde sie in Peru wohnen können? Würde Sie Raoul überhaupt finden können? Konnte sie sich auf den Treffpunkt aus dem Traum verlassen? War es nicht überhaupt total gefährlich und unsinnig, nun einfach so spontan nach Peru zu fliegen? Was, wenn die Verfolger von Raoul sie am Flughafen bereits erwarteten? Sandra bemerkte Annes Versunkenheit und die Sorgenfalten auf der Stirn ihrer Freundin. Sie erriet Annes Gedanken und plötzlich blitzten ihre Augen funkelnd auf! „Wir werden Dein Aussehen komplett verändern!“

Anne schaute verdattert „Wie meinst Du das?“ fragte Sie nach und Sandra sprudelte drauflos. Sie erklärte, dass die Verfolger sicher ein Foto oder eine Beschreibung von ihr hätten und vielleicht nach ihr Ausschau halten würden und dass es doch sicher schlau wäre, Vorsorge zu treffen! „Was schlägst Du vor?“ fragte Anne neugierig. „Blonder Kurzhaarschnitt!“ grinste Sandra triumphierend zurück. „Was?“ gab Anne entsetzt zurück. „Aber mein schönes langes Haar!“ wollte sie sich widersetzen, doch Sandra hing bereits am Telefon und vereinbarte einen Termin bei ihrem Friseur.

Als Anne sah, wie ihre langen Haarsträhnen zu Boden glitten und sich langsam aber sicher ihr Aussehen komplett veränderte, wurde ihr mulmig zu mute. Und doch hatte Sandra recht. So würde sie garantiert nicht erkannt werden, was ihr etwas mehr Sicherheit verschaffte. Trotzdem, sie trauerte Ihrer schönen Haarpracht nach. Sie schloss ihre Augen, während der Friseur sein Werk vollbrachte und viele Gedanken schossen durch Annes Kopf. Am meisten Sorgen machte ihr, dass Sandra nicht dabei sein würde, denn ihre Freundin hatte sich als wahrer Schutzengel herausgestellt. Ohne sie, wäre sie wohl nicht mehr am Leben. Doch da keimte auch ein anderes Gefühl in ihr hoch. Was hatte sie nicht alles in der kurzen Zeit seit ihrem Auszug bei Nick erlebt? Sie spürte, wie ein Gefühl von Stärke und Sicherheit in ihr hochstieg und sie erkannte, dass aus der durchschnittlichen Anne von früher eine starke, selbstbewusste Frau geworden war. Das Gefühl an etwas Grossem teilhaben zu können und in der Lage zu sein auch schwierige Entscheidungen zu fällen, vermittelte ihr Selbstsicherheit. Sie würde es schaffen und sie würde Raoul in Peru finden! Davon war sie nun überzeugt und sie begann, sich auf das bevorstehende Abenteuer zu freuen.

Als sie ihre Augen wieder öffnete und in den Spiegel sah, erblickte sie neues Ich. Die kurzen dunkelblonden Haare passten gut zu dem neuen, inneren Gefühl. Sie sah selbstbewusst und frech aus und obwohl sie sich nur schwer von ihrem langen Haar trennen konnte, gefiel ihr das neue Äussere. „Wow! Ich bin bereit! Das Abenteuer kann kommen!“ rief sie aus. Sandra lächelte zufrieden und die Beiden verliessen das Geschäft, um noch ein paar praktische Kleider und Utensilien für Annes Reise einzukaufen. Anschliessend kehrten Sie zurück in das Hotel in der Stadt um dort die letzte Nacht vor Annes grosser Mission zu verbringen. Sie gönnten sich ein gutes Essen und stiessen mit einem Glas Champagner auf die Zukunft an. „Auch wenn das, was vor mir liegt gross und unbekannt ist, so fühle ich mich heute sicher und entschlossen!“ sagte Anne und Sandra nickte überzeugt! „Du wirst das schaffen! Du bist so stark!“ Anne schaute Sandra erstaunt an. Sie wollte widersprechen, denn schliesslich war es Sandra, die ihr so stark erschien. Ihre Freundin erklärte ihr, dass sie vorher nie so mutig gewesen sei und immer ängstlich durch ihr Leben ging. Erst die Erlebnisse mit Anne hätten ihr die Stärke gegeben, auf Ihre Eingebungen zu hören und nach ihrem Herzen zu handeln. Die beiden Frauen lächelten einander an und freuten sich über diesen schönen Moment der Erkenntnis und die Gewissheit, dass sie beide an den ungewöhnlichen Ereignissen der letzten Tage gewachsen waren.

Nachdem sie in ihr Hotelzimmer zurückgekehrt waren und Anne alle Ihre Sachen gepackt hatte, sanken beide müde in ihr Bett. Anne lag noch länger wach und die Gedanken an den morgigen Tag, liessen ihr Herz schneller schlagen. Würde Sie Raoul morgen schon treffen? Mit seinem Bild vor ihrem inneren Auge schlief sie ein. Zärtlich umfingen sie die Schwingen des Schlafes.

Weiter mit Fragemente 1.18 – Die Reise ins Ungewisse

6 Gedanken zu „Fragmente 1.17 – Reisevorbereitungen

  1. Hallo Stoeps,

    es hat mir gutgetan, dass es eine neue ruhige Fortsetzung der Geschichte gab, denn ich hab das Gefühl, dass es nun wieder sehr spannend werden wird (wenns ständig hoch- spannend ist, hab ich öfters Herzklopfen und das ist nicht sooo gesund ;-) )und auch darauf freue ich mich.

    Ich wünsche dir und deinem Hasen ein sonniges, stressfreies Osterfest und schicke ganz liebe Grüße aus dem Bayernland in die Schweiz, Teenudel.

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  2. Hallo Stoeps

    Super, immer wieder Feinfühliges, Tiefschürfendes in Deiner Geschichte zu lesen wie z.B. folgende (leicht verallgemeinerte Texte von oben):

    …spürte, wie ein Gefühl von Stärke und Sicherheit hochstieg und … erkannte, dass aus der durchschnittlichen (Person) von früher eine starke, selbstbewusste … geworden war. Das Gefühl an etwas Grossem teilhaben zu können und in der Lage zu sein auch schwierige Entscheidungen zu fällen, vermittelte … Selbstsicherheit.
    … es (zu) schaffen

    und

    auf (die) Eingebungen zu hören und nach (dem) Herzen zu handeln…

    Gratuliere Dir herzlich zum Text und Weg ;-)

    En liebe Gruess
    Clown ;-)

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  3. @Teenudel: Hach, liebe Teenudel, was waren die Ostertage schön! Wir haben ausgiebig das schöne Wetter draussen genossen, den Garten auf Vordermann gebracht und unsere schöne Umgebung bewandert! Traumhaft! Bin schon das erste mal Sonnengebräunt dieses Jahr :-) Mit Anne, Sandra, Raoul und Aquila gehts bald weiter!

    @Clown: Tja lieber Clown, Texte sind wie ein Spiegel. Man kann den Autor darin erkennen, aber auch den Leser, der feinfühlig genug ist, zu erkennen, was ziwschen den Zeilen steht. Wie gut Du darin bist, hinter die Worte zu schauen, beweist Du ja immer wieder und Dein Anteil am Weg ist ja auch nicht gerade klein ;-) An dieser Stelle ein herzliches Dankeschön dafür! Au Dir en liebe Gruess :-D

    @Jane: Die hast Du sicher, liebe Jane, Du musst sie nur in Dir ent-decken und einen Weg finden, ihr eine Form zu geben. Zum Beispiel mit Musik? ;-) Aber die Fantasie sprudelt nicht immer gleich…drum gehts im Moment nicht gar so schnell weiter. Aber es geht weiter! Bald! Dranbleiben!

    Liebe Grüsse auch Dir und entdecke Deine eigene Fantasie! :-D

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  4. Hi Stoeps,

    prima dass ihr so ein tolles Osterwochenende hattet, meins war ähnlich -Engl Garten, Rad fahren und das erste Mal in diesem Jahr mit Freunden im Biergarten. Etwas Sonnenbräune sieht man bei mir auch schon, aber momentan siehts bei uns eher trüb aus und es regnet ständig leicht. Ich freu mich schon sehr auf die Fortsetzung mit Anne, Sandra, Raoul und Aquila, aber du kannst dir ruhig Zeit lassen, denn die beiden folgenden Wochen hat mein GöGa Urlaub und ich bin dann nur selten am PC. Liebe Grüße und ein wunderschönes Wochenende, Teenudel.

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  5. Hallo Stoeps
    jetzt hab ich’s auch geschafft, hab die letzten 24 Stunden meine Freizeit damit zugebracht alle 17 Fragmente zu lesen. Jetzt gehöre auch ich zu denen, die sehnsuchtsvoll auf die Fortsetzung warten.
    Ich kann mich nur wiederholen: Kompliment, Kompliment, Kompliment :-)
    Einfach genial, Deine Fantasie, Dein Vermögen so zu schreiben!!
    Ich bin gespennt wie es weiter geht und hoffe das Du schon bald wieder fantastische Eingebungen hast. Aber ich weiss aus eigener Erfahrung, dass man das nicht erzwingen kann. Gut Ding muss Weile haben.

    Mit em ne ganz liebe Gruess us em Bärnbiet

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