Kauf mich – liebe mich – fahre mich!

Für einmal präsentiere ich Euch keine mehr oder weniger geistreiche Kost, sondern ein exklusives Kaufangebot!

Ich verkaufe nämlich mein Auto! Und zwar einen

Renault Sénic RX4 2.0 16V  in Silber Metallic

Und wer, wenn nicht Du, sollte als Käufer in Frage kommen? Drum, wenn Du einen sauglatten Fahruntersatz mit automatischem 4 x 4 Antrieb, Spassfaktor und dezentem Luxus suchst, hier wirst Du fündig!

Sieh Dir hierzu einfach meinen selbst gedrehten Werbespot an:

Ein paar Spezifikationen die Dich sicher zum Kauf verleiten werden:

  • Der Wagen ist gut gepflegt. Alle Service wurden regelmässig ausgeführt und die MFK letztes Jahr gab mir Bestnoten für den technischen Zustand des Wagens.
  • Vorsorglich wurde dieses Jahr der Zahnriemen gewechselt.
  • Kilometerstand: 121’000
  • Erstzulassung: Juni 2000
  • Neupreis: 46’190.–
  • Ausstattung: Ledersitze, Klima, Navi, CD/Radio, 2 elektrische Schiebedächer, elektrische Fensterheber vorne und hinten, Vordersitzheizung.
  • Zusätzlich kommen noch 4 neuwertige Winterpneus (letztes Jahr gekauft) auf Felgen aufgezogen dazu.

Noch mehr Infos gefällig? Lade das Fact-Sheet mit allen Fahrzeugdetails herunter: Renault_RX4.pdf

Alles in Allem also ein exquisites Angebot!

Probefahrt gefällig? Kein Problem! Melde Dich einfach bei mir unter stoeps@dtc.ch und wir finden sicher einen Termin!

Achja, richtig! Du fragst Dich sicher, was der Spass kosten soll! Gute Frage! Verhandlungspreis ist CHF 8.499.– inklusive den 4 Winterpneus.

Und weils so schön ist, hier gleich nochmals zwei Fotos:

1.31 – Die Wendung

Photocredit: Bruno Girin @ flickr.com

Was bisher geschah: Intro / Teil 1 / Teil 2 / Teil 3 / Teil 4 / Teil 5 / Teil 6 / Teil 7 / Teil 8 / Teil 9 / Teil 10 / Teil 11 / Teil 12 / Teil 13 / Teil 14 / Teil 15 / Teil 16 / Teil 17 / Teil 18 / Teil 19 / Teil 20 / Teil 21 / Teil 22 / Teil 23 / Teil 24 / Teil 25 / Teil 26 / Teil 27 / Teil 28 / Teil 29 / Teil 30

„Ich will den Schlüsselstein!“ rief der hustende Verfolger und zielte mit dem Lauf der Pistole auf Anne. Ein kaltes Gefühl der Angst und Wut kroch erneut in ihr hoch, doch diesmal wusste sie, dass sie mehr als Glück benötigte um aus dieser Situation zu entfliehen. Anne stellte sich unwissend. „Was für einen Schlüsselstein?“ fragte sie und versuchte dabei möglichst unschuldig zu wirken. „Wollen Sie mich für dumm verkaufen? Geben sie mir den Stein oder ich knalle sie ab!“ rief er. Anne sah keinen anderen Ausweg und zog ihren Rucksack aus, um den Stein daraus hervor zu holen. Raoul, Carlos und Luis standen wie versteinert daneben und sahen Anne zu, wie sie zitternd in die Tasche griff. Sie zog den Stein hervor und hielt in hoch. „Nein, nicht den Kartenstein, ich habe selbst eine Replik davon. Ich will den Schlüsselstein! Die Platte, in die der Kartenstein eingefügt werden muss!“ rief der Mann und fuchtelte mit der Pistole. „Ich habe den Schlüsselstein nicht!“ rief Anne wahrheitsgemäss! „Sie nicht, aber er hat ihn!“ rief der Kerl und zeigte nun mit der Waffe auf Raoul. „Los, geben sie mir den Stein, aber etwas plötzlich. Oder soll ihre Freundin hier sterben?“ rief er und zielte wieder auf Anne.

„Raoul, nicht!“ rief Anne. Doch Raoul konnte nicht anders. Er sah keinen Ausweg und wollte sie auf keinen Fall in Gefahr bringen. Er zog seinen Rucksack aus um das Artefakt daraus hervor zu holen. Er wickelte die Steinplatte mit der Öffnung in Form des Kartensteins aus einem Stoff und hielt sie mit beiden Händen in die Luft.  „Werfen Sie mir den Stein herüber, los!“ schrie der Verfolger und fuchtelte wild mit der Knarre herum. „Halt, nein! Die Platte wird in Stücke brechen, wenn er sie wirft!“ rief Anne dazwischen. In ihr keimte eine verwegene Idee. „In Ordnung, legen Sie den Stein vor sich auf den Boden und treten Sie zwei Meter zurück!“ rief der Verfolger. „Los, mach schon!“ raunte Anne und zwinkerte Raoul verwegen zu. Er begriff sofort und legte den Stein vor sich auf den Boden und sie traten alle zwei Meter zurück. „Stehen bleiben! Wehe sie versuchen abzuhauen! Ich werde schiessen, wenn sie nicht gehorchen!“ rief der Hustende.

Die Vier warfen sich vielsagende Blicke zu. Auch Luis und Carlos hatten erkannt, was Anne im Schilde führte. Sie blickten gespannt auf den Mann mit der Waffe in der Hand, der nun auf sie zukam. Doch Annes Idee schien nicht zu funktionieren. Er ging ein, zwei, drei Schritte auf dem federnden Boden in ihre Richtung und nichts passierte. Anne beschlich wieder dieses lähmende Gefühl der Angst. Doch plötzlich krachte es. Das Geräusch von berstendem Holz und ein kehliger Schrei durchschnitten die dunkle Szenerie. Ein Schuss löste sich aus der Pistole, gefolgt von einer gespenstische Stille, die nur eine ewig lange Sekunde dauerte und die von einem widerlichen Krachen und einem erneuten Schrei, der in einem gurgelnden Laut erstarb, abgelöst wurde.

Raoul ging langsam zwei Schritte nach vorne und blickte in das tiefe, dunkle Loch, das nun vor ihnen klaffte. „Er ist tot!“ rief er. Die anderen kamen zu ihm und blickten in die Öffnung. Im Schein von Raouls Stirnlampe sahen sie den seltsam verbogenen Körper, der in etwa 10 Meter Tiefe auf spitzigen Holzpfählen aufgespiesst lag. Die Lampe des Toten lag auf dem Grund des Schachtes und tauchte das Bild in ein unheimliches Licht. „Los, schnell, lasst uns abhauen, wer weiss, ob er der einzige Verfolger war!“ rief nun Luis. Raoul packte den Schlüsselstein wieder ein und sie liefen zurück in den letzten Raum. Dort nahmen sie den anderen Weg und passierten die Kreuzung wie geplant.

Der Weg neigte sich nun spürbar nach oben und die frische Luft, die ihnen entgegen blies, zeigte an, dass sie bald am Ende ihres Aufstiegs ankommen würden. Doch der Tunnel endete ohne Ausgang. Die Decke schien eingestürzt zu sein. „Die Tür, die keine ist!“ flüsterte Anne und sie beschrieb Raoul, was sie in ihrem Traum gesehen hatte. Sie versuchten, in der Mitte beginnend, die kleineren Steine weg zu schieben und mit gemeinsamer Kraft schafften sie es auch, die letzten beiden Steinplatten aus dem Weg zu räumen. Das Bild, in das sie bei ihrem Ausstieg eintauchten, raubte ihnen fast den Atem. Der neue Tag war im Begriff die Ebene von Nazca in ein sanftes Licht zu tauchen und während der Himmel von Osten her immer heller wurde, stieg die Gruppe über eine Leiter, die schon seit Urzeiten dort zu sein schien, wieder zurück an die Oberfläche.

„Du hattest recht, Anne!“ sagte Raoul und nahm sie in seine Arme! „Deine Träume haben uns gerettet!“ fügte er an und die Vier setzten sich erst mal hin um eine kleine Verschnaufpause einzulegen. Über ihren Köpfen kreiste ein Adler und Anne dachte an Aquila. „Danke mein Freund!“ rief sie ihm im Geiste zu und prompt kam die Antwort in Form eines Gedanken zurück: „Bitte, aber Eure Reise ist noch nicht zu Ende! Findet die Bibliothek und sorgt dafür, dass sie geschützt bleibt!“. Der Gedanken hallte in Annes Kopf und ihr wurde klar, dass sie erst den ersten Teil des Abenteuers bestanden hatte.

„Wie kommen wir zurück zu Margaretha?“ fragte Anne plötzlich in die Runde. „Na mit unserem Auto!“ lachte Carlos. „Es steht unten auf der Rückseite des Hauses. Wir müssten etwa in 20 Minuten dort sein. Über der Erde ist die Strecke nur halb so lange!“ fügte er an und stand auf. „Los kommt!“ sagte er und ging los, während die anderen sich hinter ihm aufrafften um ebenfalls die Rückreise anzutreten.

Als sie im Auto sassen und auf dem Rückweg nach Lima waren, erzählte Raoul, was alles passiert war und wie sie den Schlüsselstein in einem der Räume da unten gefunden hätten. Anne erzählte, dass sie eine Idee hätte, wo die Bibliothek sein könnte. Dass sie davon geträumt hatte und Margaretha aufgrund ihrer Beschreibung ein Kultort der Lambayeque vermutete.

Carlos steuerte das Auto und hörte aufmerksam zu, während Luis auf dem Beifahrersitz eingenickt war. Immer wieder blickte Anne durch das Heckfenster des Wagens um sicher zu sein, dass sie nicht verfolgt würden. Aber da war nichts. Kein anderes Auto war hinter ihnen zu sehen und langsam konnte auch Anne sich entspannen. Sie legte ihren Kopf an Raouls Schultern, der seinerseits seinen Arm um sie legte und bald schlief sie ein. Sie versank in einer wohligen Dunkelheit und fühlte sich in Sicherheit. Ein Gefühl, dass sie schon seit Ewigkeiten nicht mehr gespürt hatte. Die Dunkelheit um sie herum löste sich auf und sie spürte den Wind in ihrem Gesicht. „Aquila!“ rief sie und Freundtränen kullerten über ihr Gesicht. Sie spürte die kräftigen Muskeln seiner Flügel unter ihrem Körper und blickte strahlend vor Freude auf die Landschaft unter ihr.

Sie verliessen die Ebenen von Nazca und steuerten Nordwärts. Anne entdeckte unter sich Lima und vermutete, dass sie bei Margaretha landen würde, doch Aquila gab ihr zu verstehen, dass die Reise weiter nordwärts gehen würde zu einem Ort namens Túcume. Nachdem sie Chiclayo unter sich passiert hatten, tauchte Aquila ab und landete an einem unwirklich scheinenden Ort. Es gab hier grosse Hügel, deren Beschaffenheit sonderbar geometrisch schienen und Anne kombinierte schnell, dass es sich hier um die Überreste der besagten Lambayeque Kultur handeln musste. Einige Ausgrabungsstätten zeugten ebenfalls davon. Aquila landete genau vor einem der Hügel und stieg ab. Sie sah sich um und bald entdeckte sie jemanden, der ihr sehr bekannt vorkam. Freude erfüllte ihr Herz und sie lief mit geöffneten Armen auf ihn zu. „Paps“! rief sie und der Mann winkte ihr zu. Er stand vor einem der lehmigen Hügel und freute sich sichtlich darauf, seine Tochter in die Arme zu nehmen! Doch einmal mehr schaffte es Anne nicht, einen geliebten Menschen im Traum zu umarmen. Noch bevor sie ihn erreicht hatte, veränderte sich die Szenerie. Links neben ihm öffnete sich der Hügel und die entstehende Öffnung schien alles in sich hineinzuziehen. Auch Anne konnte sich nicht gegen den Sog wehren und wurde von der Dunkelheit verschluckt.

Weiter mit Fragmente 1.32 – Das Wiedersehen

1.30 – Das Labyrinth

Photocredit: Raveesh Vyas @ flickr.com

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Anne rannte los! Es schien, als ob sich in diesem Moment ein riesiger Stein von Ihrem Herzen löste. So leicht und unbelastet fühlte sich dieser Augenblick für sie an. Nur eine leichte Angst, alles um sie könne sich wieder auflösen und sie erwache aus einem Traum, mischte sich in ihre Freude. Der Namen der sich in ihrem Kopf ausbreitete blieb unausgesprochen, denn sie war so überwältigt, dass ihr Gehirn keine bewusste Kontrolle über ihren Körper zuliess. Instinktiv rannte sie, breitete ihre Arme aus und Tränen rannen über ihr Gesicht.

Sie realisierte nicht, dass es Luis neben ihr genau gleich erging. Auch er spurtete los von Gefühlen überwältigt, kein Wort über die Lippen bringend. Denn was sie hier unten gefunden hatten, war nicht vorherzusehen. Es kam so überraschend, dass Anne und Luis ihr Glück kaum fassen konnten. Hier tief unter der Erde, unter den Ebenen von Nazca trafen sie diejenigen wieder, die sie so lange vermisst und gesucht hatten. Die Sehnsucht nach diesem Wiedersehen trieb sie durch das ganze Abenteuer und war Motivation und Qual zugleich.

Raoul durchbrach die Stille als erster: „Anne…ich….wie seid ihr hierher gekommen?“. Anne löste sich zögerlich aus der Umarmung und begann zu erzählen. Raouls Augen folgten Annes Lippen und gestikulierenden Händen. Manchmal kniff er sie fragend zu kleinen Schlitzen zusammen, manchmal weiteten sie sich erschrocken. Auch Carlos hörte aufmerksam zu, während ebenfalls Luis seinen Teil der Geschichte beisteuerte. Anne schloss mit der Schilderung der Verfolgungsjagd und erzählte, wie ein unsteuerbares Gefühl sie zu diesem Haus geführt und sie durch die Luke im Boden diesen Raum gefunden hatten.

Raoul lächelte und sah Anne bewundernd an. Er nahm ihre Hände, küsste sie sanft und strich ihr eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Du hast Dich verändert!“ sagte er leise. „Du warst eine junge Dame, als ich Dich verlassen musste. Nun bist Du eine starke Kämpferin geworden!“ flüsterte er und blickte sie bewundernd an. Anne lächelte verlegen. Sie löste ihren Blick von Raoul und blickte zu Luis und Carlos.

Die Stimmung im Raum hatte etwas total Unwirkliches und gerade als Annes Gedanken zu Aquila schweiften und sie sich erneut fragte, ob das hier die Wirklichkeit oder einer ihrer Träume sei, zerriss ein knarrendes Geräusch die Stille des kleinen Raumes. „Jemand ist im Haus!“ flüsterte Carlos erschrocken! Raoul blickte zu Anne und Luis: „Ich dachte, ihr hättet Eure Verfolger unschädlich gemacht?“ raunte er und Anne antwortete: „Das dachte ich auch! Aber wir sind einfach weiter gefahren und wissen nicht, wie es wirklich um sie stand!“. Raoul griff nach seinem Rucksack. „Schnell, wir müssen hier weg!“ flüsterte er. „Gibt es einen zweiten Ausgang?“ fragte Anne und Raoul nickte „Ja, den gibt es. Von hier aus führt ein langer unterirdischer Gang zu den Ebenen von Nazca. Er ist uralt und stammt aus prä-hispanischen Zeiten. Um ehrlich zu sein, ist es nicht nur ein Gang sondern ein ganzes Labyrinth.“ „Also los! Folgt mir“ flüsterte Carlos und die Vier machten sich auf den Weg.

Carlos Stirnlampe verbreitete gerade genügend Licht um nicht in der kühlen Dunkelheit des unterirdischen Systems verloren zu gehen. Er ging voraus, während Raoul die Gruppe als Letzter zusammenhielt. Anne blickte über ihre Schulter zurück „Ich hoffe, ihr kennt den richtigen Weg!“ sagte sie zu Raoul. „Na ja, zumindest theoretisch!“ gab er zur Antwort, was ihr nicht gerade ein sicheres Gefühl vermittelte. Der Gang führte leicht bergab und nach ein paar Metern standen Sie vor der ersten Verzweigung. Carlos ging ohne zu zögern nach links und flüsterte Luis und Anne zu dass er in einen Raum führe, in dem sie einen bedeutenden Fund gemacht hätten und dass er sicher sei, dass der Weg nach oben hier durchführe. Die Gruppe folgte Carlos und nach ein paar weiteren Metern standen sie plötzlich in einer grossen Höhle deren Wände mit Felszeichnungen verziert waren. In einer Nische war ein Loch in der Wand zu erkennen. „Hier lag das Artefakt!“ flüsterte Carlos. Sie blieben kurz stehen und betrachteten die eingeritzten Symbole im fahlen Lichtschein. Es gab fünf Ausgänge und jeder von denen schien gleich auszusehen. Carlos zögerte „Weiter als bis hierhin, sind wir noch nicht gekommen!“ sagte er. „Aber ihr wisst, welchen Ausgang wir nehmen müssen?“ fragte Luis. „Na ja, wir waren sicher, es müsse derjenige sein, der leicht ansteigt. Wir wollen ja nach oben.“

Anne fühlte, dass hier etwas nicht stimmte. Labyrinthe waren nie einfach zu durchqueren, sonst hätten sie ihren Zweck verfehlt. Sie blickte in das Dunkel der Öffnung deren Weg sich leicht nach oben neigte. Ein seltsamer Duft kroch in ihre Nase und ihre Nackenhaare stellten sich auf. Alles in ihr sträubte sich beim Gedanken hier durchgehen zu müssen. „Das ist der falsche Weg!“ sagte sie plötzlich und war selbst überrascht, wie stark sie mittlerweile ihrem Bauchgefühl traute. „Wir sollten einen anderen Weg nehmen!“ fügte sie an. Raoul, Carlos und Luis blickten sie erstaunt an. Sie nestelte ihr Feuerzeug aus der Hosentasche, zündete es an und hielt es jeweils in die Richtung der verschiedenen Öffnungen. Beim dritten Ausgang bewegte sich die Flamme fast unmerklich. Anne ging näher und spürte nun auch selbst den schwachen Luftzug. „Hier müssen wir durch!“ sagte sie. Luis blickte sie ungläubig an. „Bist Du sicher?“ fragte er sie und es war nicht zu übersehen, dass er Zweifel an Annes Vorschlag hatte. „Hast Du eine bessere Idee?“ fragte Anne zurück und Luis schüttelte den Kopf. Raoul hatte sofort begriffen, was Anne mit dem Feuerzeug beabsichtigte und willigte ein. „Lass es uns hier versuchen!“

„Hier!“ rief Anne plötzlich. Im Schein ihres Feuerzeugs hatte sie eine Entdeckung gemacht. An der Seitenwand des von ihr gewählten Ausganges war etwas in den Fels eingeritzt. Ein Symbol, dass Anne kannte. Raoul lächelte und nickte. „Der Kartenstein!“ sagte er und Anne stimmte ihm zu. Tatsächlich hatte die Zeichnung die Form des Steines und Anne erkannte nun, was der Stein für eine Funktion hatte. Er enthielt eine Karte des Labyrinths und würde sie hier herausführen! Sie zog ihren Rucksack aus und nahm den Kartenstein heraus. Er enthielt auf beiden Seiten Linien, die tatsächlich wie ein Labyrinth aussahen. Doch welches war nun der richtige Plan? Die Vier beugten Ihre Köpfe über den Stein.  Plötzlich wusste Anne welche Seite es sein musste. Sie war nämlich schon früher in ihren Träumen in diesem Labyrinth. Damals sagte Raoul zu ihr „Finde den grossen Donnervogel und in der Mitte seines Kopfes, finde die Tür, die keine ist!“

Tatsächlich sah eines der Labyrinthe aus wie die Felszeichnung des Donnervogels und der Ausgang musste also in der Mitte seines Kopfes sein. „Hier!“ sagte Raoul und zeigte mit dem Finger auf eine Verdickung in einer Linie. „Das muss der erste Raum sein, in dem wir uns getroffen haben!“ fügte er an und Carlos nickte und zeigte ebenfalls auf eine Stelle. „Das hier müsste dann die Höhle sein, in der wir uns jetzt befinden!“. Von diesem Punkt führten 5 Linien weg, wobei 4 Linien wenig später endeten. Nur einer der Pfade führte weiter und endete tatsächlich im Kopf des Donnervogels. Es war der Ausgang, den Anne vorgeschlagen hatte. Sie lächelte triumphierend und eine spürbare Erleichterung ergriff die Gruppe. Wieder zerriss ein Geräusch die kurze Entspannung. „Hast Du das gehört?“ flüsterte Anne Luis zu. Luis nickte. Eine bedrückende Stille füllte nun den Raum und die Vier horchten in die Dunkelheit. „Da!“ flüsterte Luis. Ein röchelnder, kehliger Husten drang aus der Entfernung zu ihnen und Anne blickte Luis verheissungsvoll an. „Der Kerl aus dem Flugzeug!“. In kurzen Worten erzählte Anne von dem Mann, der in das Haus ihres Vaters eingebrochen war und etwas dort suchte und der später im gleichen Flugzeug wie Anne und Luis reiste. Scheinbar war er auch im Auto der Verfolger und musste das Inferno überlebt haben. „Los, weiter!“ drängte Anne und sie machten sich auf den Weg in die von Anne vorgeschlagene Richtung. Der Gang neigte sich zuerst nach unten, machte dann einen Bogen nach rechts und fing langsam wieder an zu steigen. Nach etwa 20 Minuten standen sie plötzlich wieder in einem Raum, der Anne bekannt vorkam.

„Ich war hier schon einmal!“ sagte sie. Im Traum habe ich hier mit Dir und meinem Vater gesprochen! Sie blickte erwartungsvoll zu Raoul. Doch er kannte diesen Raum nicht. „Ich bin hier zum ersten Mal!“ flüsterte er. „Weisst Du, wie es weiter geht?“ fragte Luis. Anne war sich nicht sicher und nahm den Stein zu Hilfe. Der Raum hatte drei Ausgänge. Doch genau hier war die Replika des Kartensteines ungenau. An dieser Stelle gab es tiefe Kratzer und es war nicht klar zu erkennen, welcher Weg zu nehmen war, denn zwei der möglichen Pfade schienen sich kurz nach der Höhle zu kreuzen. Anne überlegte kurz, wie das möglich sein konnte? Entweder müsste einer der Pfade über oder unter dem anderen durchführen oder sie kreuzten sich tatsächlich und dann wäre es egal, welchen Weg sie wählen würden. Hauptsache, sie würden nach der Kreuzung in die richtige Richtung laufen und diese war auf der Karte klar ersichtlich.

Wieder erklang der unheimliche Husten irgendwo hinter ihnen und Anne packte Raoul an den Schultern und drehte ihn nach rechts. „Hier durch!“ sagte sie und schob ihren Geliebten vorwärts durch die Öffnung. Nach ein paar Metern weitete sich der Raum tatsächlich wieder und im schwachen Licht von Raouls Stirnlampe war die Kreuzung zu erkennen. „Wir müssen einfach geradeaus weiter!“ flüsterte Anne und Raoul wollte gerade weitergehen als Luis „Halt, warte!“ rief. Raoul stoppte und sah ihn an. „Was ist los?“ fragte er und Luis deutete ihm mit einer Handbewegung, dass er auf den Boden schauen solle. Raoul blickte nach unten und konnte nichts Besonderes entdecken. Vor ihm lag der sandige Boden. Ein paar Schritte weiter lag Laub. Trockene Blätter die aussahen, als ob jemand extra einen Teppich für sie gelegt hatte. „Laub, hier unten? Findest Du das nicht auch ungewöhnlich?“ wunderte sich nun Carlos und blickte Raoul fragend an. Dieser beugte sich nun über den bunten Bodenbelag. Er kniete sich hin und legte seine flache Hand auf den bedeckten Boden, welcher sich weich und federnd anfühlte, was für einen Felsboden doch recht seltsam war. Und noch etwas kam Raoul sehr ungewöhnlich vor. Er spürte einen Luftzug von unten kommend sein Gesicht streifen. „Eine Falle!“ raunte er. „Das hier ist eine Falle!“ wir können hier nicht durch. Unter diesen Blättern muss ein Abgrund verborgen sein!

„Wir müssen zurück! Wenn wir den anderen Weg nehmen, schaffen wir es der Wand entlang um die Ecke zu kommen, ohne in den Abgrund zu stürzen!“ flüsterte Luis und die anderen nickten. Doch sie kamen nicht dazu zurück zu gehen. „Halt! Keine Bewegung oder ich erschiesse jemanden von Euch!“ klang nun vom anderen Weg eine Stimme zu ihnen herüber und eine helle Taschenlampe warf einen Lichtkegel, der von einem schaurigen Husten begleitet wurde. Anne stockte das Blut in den Adern. Sollte das Abenteuer tatsächlich hier enden?

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Wenn das Leben tobt und die Zeit still steht

Es riecht nach Gewürzen und Mopedabgasen, der Muezzin ruft zum Gebet und unzählige Händler bieten ihre Ware feil. Das Licht der Sonne scheint durch die Dächer der Souks. Alte Männer mit Kaftan und Kapuzen wuseln wie Ewoks durch die engen Gassen und der Duft von Pfefferminztee vermischt sich mit dem Geschmack gebratener Poulets. Es hupt und rattert, aus einer Ecke klingt arabische Musik und dort streiten sich zwei Frauen lautstark um ihr Bettelrevier. Kleine Kinder schauen einem aus grossen Augen an.

Auf dem Platz der Gaukler, dem Jemaa el Fna überbieten sich Schlangebeschwörer, Henna-Tattoo malende Frauen, Geschichtenerzähler und Gassenküchen gegenseitig. Rauch weht über die Köpfe der unzähligen Menschen dieser Millionenstadt der Gegensätze.

Dann, plötzlich eine Treppe, freundlich grüssende Herren die einem den Weg nach oben weisen und dann lässt man den Lärm einfach so hinter sich, als ob man diese Welt durch ein Wurmloch verlassen würde. Eintauchen in die stylische Ruhe einer modernen Lounge. Einheimische Gerichte in exklusiver Atmosphäre über den Dächern der Souks und thé Mente entführen einem in die träumerische Welt von 1001 Nacht.

Marrakech ist ein Traum, in dem Armut und Reichtum ganz nahe beieinander liegen. Ein Paradies für Menschen die sich mit Nase und Gaumen verführen lassen und die die Zeit für einen Moment einfach hinter sich lassen wollen.

Dann taucht man wieder ein in die Souks und versucht sich im Verhandeln mit den unzähligen Anbietern handgearbeiteter Produkte.

Marrakesch, ich habe mich in Dich verliebt und ich werde Dich in vollen Zügen geniessen. Eines ist schon klar: Wir kommen wieder!