Fragmente 1.29 – Wut gegen Angst

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In Annes Herz krampfte etwas Dunkles, Kaltes und Besitzergreifendes das den Körper zu fluten drohte wie tödliches Gift. Angst. Es war pure, nackte Angst. Doch Anne spürte auch noch etwas anderes. Tiefer unten in ihrem Bauch. Etwas das blitzte wie das Sonnenlicht, das sich in einem blankpolierten Schwert spiegelte. Etwas heisses, dass die dunkle und kalte Angst frass, wie das Feuer seine Nahrung. Unersättlich, unsteuerbar und brutal. Anne verspürte Wut. Unbändige und überschäumende Wut. „Jetzt reicht es mir!“ brüllte Sie los. „Ich habe die Schnauze gestrichen voll von diesen Verfolgungsjagden, Entführungen, Intrigen und dem ganzen Scheiss!“

Luis blickte Anne verzweifelt und erschrocken an. Er wusste nicht recht, was er von Annes Reaktion halten sollte. Drehte Sie nun durch oder was passierte gerade mit ihr? „Pisco!“ rief nun Anne. „Wo ist dieser Scheiss Pisco?“ schrie sie Luis an. “Willst Du jetzt etwas trinken?” rief er ungläubig zurück. Anne fasste sich an den Kopf. „Spinnst Du!?“ fragte sie den Fahrer ihres Wagens zurück. „Warum willst Du dann den Pisco?“ rief Luis zurück. „Na das wirst Du schon sehen!“ rief nun Anne mit einem verschmitzten Lächeln im Gesicht. Rums! Der Wagen hinter Ihnen krachte erneut mit voller Wucht in ihren Kofferraum und ihre Heckscheibe löste sich unter Knirschen und Splittern auf. Hundertausend kleine Glaswürfel verteilten sich auf dem Rücksitz und flogen, im Scheinwerferlicht der Verfolger glitzernd, durch die Luft.

„Unter dem Beifahrersitz!“ rief nun Luis. Anne beugte sich vornüber und griff mit der linken Hand unter den Sitz. Sie bekam etwas Hartes zu fassen und während ein weiterer Aufprall sie durchschüttelte, zog sie den Gegenstand hervor. Es war ein Pflasterstein, vermutlich um das Auto zu sichern, wenn es an einem steilen Ort geparkt wurde. Luis blickte Anne an und schüttelte den Kopf. Sie beugte sich noch einmal nach vorne und tastete unter dem Sitz nach der Flasche. Plötzlich berührten ihre Fingerspitzen etwas mit glatter und kühler Oberfläche. Anne versuchte danach zu greifen, aber die Flasche rollte noch weiter nach hinten. „Brems!“ schrie sie nun Luis unvermittelt an. „Hä?“ blickte dieser ungläubig zurück. „Ich soll was?“ rief er Anne zu, doch diese fackelte nicht lange, griff mit der Hand zwischen Luis Füsse durch und drückte auf die Bremse. Hinten splitterte und knirschte es erneut, doch die Flasche rollte wie gewünscht nach vorne.

Ein peitschender Knall zischte durch das Auto. Und gleich darauf noch ein zweiter. Die Frontscheibe splitterte nun ebenfalls. „Scheisse, die schiessen auf uns!“ rief nun Luis um Fassung ringend. Anne kannte sich nicht mehr. Ihr Herz brannte und ihr Bauch fühlte sich derart funkensprühend an, dass sie fast zersprungen wäre. Sie packte den Pflasterstein, drehte sich auf dem Beifahrersitz um und versuchte die Distanz zum hinteren Wagen abzuschätzen. Doch dieser hatte sich im Moment gerade so entfernt, dass Anne nur blendendes Licht registrierte. Schnell zog sie ihr T-Shirt aus und begann es zu zerreissen. Luis begriff nicht, was Anne vor hatte und vergass beinahe auf die Strasse zu achten. „Luis, nach vorne! Bitte schau nach vorne und sie zu, dass wir nicht von der Fahrbahn abkommen. Anne schraubte den Deckel von der Piscoflasche und stopfte einen Fetzen des T-Shirts in den Flaschenhals. Dann kippte sie die Flasche und tränkte den Stoff mit dem Schnaps, bis er total durchgenässt war.

Sie blickte wieder nach hinten und beobachtete die Verfolger. Erneut durchschnitt eine Kugel das Auto und beinahe wäre Anne getroffen worden. Ihre Wut schien nun überzulaufen. Anne tobte! „Brems Luis“ schrie sie plötzlich. „Brems sofort!“ Anne hatte sich auf dem Beifahrersitz umgedreht und hingekniet. Zwischen ihren Knien hatte sie die Flasche festgeklemmt. In ihrer linken Hand hielt sie ein Feuerzeug und in ihrer rechten den Pflasterstein. Luis begriff nun, was Anne wollte. Innerlich dachte er zwar noch, dass das nie klappen würde, aber sein Körper handelte instinktiv und gehorchte Annes Befehl. Er trat mit aller Kraft auf die Bremse! Das Auto wehrte sich und quietschte und knarrte, es fing an nach verbranntem Gummi zu riechen. „Halt Dich fest Luis, gleich kracht es! Wenn ich jetzt rufe, dann gibst Du Gas und fährst los, was die Karre hergibt!“. Luis nickte nur und stand noch immer auf dem Bremspedal.

Der Wagen hinter ihnen realisierte das Bremsmanöver zu spät. Es war Nacht und die Bremslichter von Anne und Luis Wagen waren längst zu Schrott gefahren. Die Verfolger versuchten abzubremsen, was ihnen teilweise gelang, dennoch landeten sie mit einem heftigen Knall im Heck des vorderen Autos, dass seine Fahrt stark abgebremst hatte. „Ihr Arschlöcher! Jetzt zeige ich Euch das Wetter in der Hölle!“ brüllte Anne und zog auf, um den Pflasterstein zu werfen. Er segelte durch ihr Auto und landete mit voller Wucht in der Frontscheibe des hinteren Wagens. Das knirschende und splitternde Geräusch zeigte Anne, dass ihr Plan aufging. Mit zittrigen Fingern zündete sie nun den mit Alkohol getränkten Lappen an der Piscoflasche an und schwang ihre selbstgebastelte Brandbombe triumphierend. „Fahrt zur Hölle!“ schrie sie wie ausser sich und warf den Brandsatz. Die Flasche drehte sich im Flug durch ihr Auto und streifte ganz knapp den Rahmen der Heckscheibe. Für einen Moment blieb Annes Herz stehen. Doch dann setzte die Flasche ihre Bahn fort und traf genau in ihr Ziel.

„Jeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeetzt!“ schrie Anne und Luis trat aufs Gaspedal. Die Reifen qualmten und schrien und der Wagen setzte sich taumelnd in Bewegung. Luis sah es nur im Rückspiegel, aber Anne kniete noch immer umgedreht auf dem Beifahrersitz. Ihr Gesicht wurde von einem gelben Feuerschein erleuchtet. Ein riesiger Knall begleitete die Explosion und das Fahrzeug blieb brennend stehen, während Anne und Luis in die Nacht hinaus rasten.

Einen Moment lang herrschte absolute Funkstille. Weder Anne noch Luis brachten ein Wort über ihre Lippen. Die Nacht zog mit kühlem Duft an ihren Gesichtern vorbei und die Luft wehte ungebremst in das Fahrzeug. „Da!“ rief Anne plötzlich. „Da vorne gibt es eine Abzweigung und die Strasse führt zu dem alten Haus dort weiter hinten. Kannst Du es sehen?“ fragte sie Luis. Dieser schüttelte den Kopf. Es war dunkel und dort brannte kein Licht. „Los, wir müssen von der Strasse!“ rief Anne und Luis wusste, dass sie recht hatte.

Der Wagen wirbelte den trockenen Sand auf der Strasse auf, doch im Schutze der Dunkelheit konnte das niemand sehen. Vor dem halb zerfallenen Haus hielt Luis den Wagen an. Anne entdeckte so eine Art Scheune neben dem Haus und wies Luis an, den Wagen dort zu verstecken. Er tat wie Anne ihn hiess. Er kam mit seinem Rucksack und einer Taschenlampe zurück. „Los, lass uns im Haus umsehen, ob wir eine Schlafgelegenheit finden!“ flüsterte Luis und beide stemmten die angelehnte, kaputte Tür auf. Es roch nach Moder und Schimmel und eigentlich hätte man annehmen müssen, dass dieses Haus schon lange nicht mehr betreten wurde. Doch Anne lenkte Luis Aufmerksamkeit auf den Fussboden. Da waren Fussspuren im Staub die ziemlich frisch aussahen. Luis schaute Anne fragend an. „Na los, las uns nachsehen!“ flüsterte sie. Luis zögerte, aber Anne packte ihn am Arm und nahm ihm die Taschenlampe ab.

Der Holzfussboden knarrte leicht bei jedem Schritt, den die beiden taten. Anne schlich sich immer weiter den Fussspuren nach, bis diese plötzlich mitten im Raum endeten. Anne kniete sich hin und fuhr mit der Hand über den Boden. „Dachte ich doch!“ flüsterte sie mehr zu sich selbst und schaute sich nach einem Gegenstand um, den Sie als Brecheisen hätte benutzen können. Tatsächlich fand sie ein Metallstück, dass sie in eine Spalte im Boden schob und sich nun mit aller Kraft dagegen stemmte. Es knarrte und plötzlich hob sich im Boden eine Falltür leicht an. Luis griff mit an und gemeinsam öffneten sie die Tür im Fussboden.

Sie blickten beide in einen Gang der scheinbar unter dem Haus verlief. Eine Kerze flackerte vor sich hin und verbreitete ein wenig Licht. „Los komm!“ raunte Anne Luis zu, der eigentlich gar keine Lust hatte, sich in ein neues Abenteuer zu stürzen. Doch Anne war nicht zu bremsen und lief immer schneller. In ihrem Bauch machte sich plötzlich ein seltsames Gefühl breit. Etwas in ihr fing immer mehr an zu drehen und an ihr zu zerren und sie hatte das Gefühl, dass eine Kraft sie zog. Doch plötzlich endete der Gang und Anne stand mitten in einem spärlich beleuchteten Raum.

Sie sah in zwei paar erschrockene Augen. Auch Luis bog nun um die Ecke und was er da sah, nahm ihm den Atem!

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Die Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar

Der Titel des Posts ist ein Zitat des Schweizer Künstlers Paul Klee.

Kunst macht sichtbar. Für mich müsste man diesen Ausspruch sogar noch erweitern. Kunst macht spürbar, erfahrbar und fühlbar. Gerade bei abstrakter Kunst ist das was der Künstler ausdrücken will nicht immer auf den ersten Blick sichtbar. Man muss es auf sich wirken lassen, auf den Bauch hören, mit den Augen spüren.

Das Sehen ist in unserer Gesellschaft ein überbewerteter Sinn. Die Augen lassen sich täuschen! Das Gehirn interpretiert gesehenes subjektiv. Aber genau das macht abstrakte Kunst spannend. Tom und ich besuchen immer wieder Museen oder Vernissagen. Vor allem die von Jacqueline Gloor von www.jaglo.ch Ihre Kunst wirkt, löst Gefühle aus, lässt Farben den Raum erobern und macht Kunst mit allen Sinnen erfahrbar.

Jacqueline Gloor stellt ihre Werke vom 13. März 2010 bis Ende April bei Optik Amrhein in Sarnen aus. Die Vernissage findet am Samstag, 13. März 2010 von 14:00 – 16:00 statt.

Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall! Die Künstlerin wird persönlich anwesend sein und freut sich auf regen Besuch und gute Gespräche!

Wir sehen uns!

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Fragmente 1.28 – Rettung und neue Gefahr

Photocredit: Foto von Kudumomo@Flickr

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Margaretha vergass jede Vorsicht und rannte auf Pedro zu. Anne und Luis folgten ihr. Anne zerdrückte es fast das Herz mit ansehen zu müssen, wie Margaretha neben Pedro nieder kniete und behutsam seinen Kopf auf Ihre Beine bettete. Eingetrocknetes Blut klebte überall in seinem Gesicht und Haaren und zahlreiche Wunden, die auch seinen nackten Oberkörper bedeckten, zeugten von der grausamen Folter der Entführer. Pedro atmete flach und nur das Leuchten in seinen Augen vermochte seinen Rettern zu signalisieren, wie froh er war, dass sie ihn gefunden hatten. Das Sprechen fiel ihm sichtlich schwer. „Mutter…“ hauchte er und Margaretha legte ihm sanft ihren Zeigefinger auf seine Lippen um ihm zu verstehen zu geben, dass er nicht zu sprechen brauchte. „Danke….ihr…“ flüsterte Pedro, dann übernahm eine gnädige Ohnmacht seinen Körper.

„Er muss ins Krankenhaus!“ zeriss Annes aufgeregte Stimme die schmerzhafte Stille in der Lagerhalle. Doch Margaretha winkte ab. Sie befürchtete, dass die Entführer ihn dort finden würden und überzeugte die Anderen mit ihrem Vorschlag Pedro nach Hause zu nehmen und sich dort um ihn zu kümmern, während Anne und Luis zu den Ebenen von Nazca fahren sollten um den zweiten Kartenstein zu finden. Anne und Luis willigten zögerlich ein. Ihnen war bewusst, dass es ein Wettlauf mit der Zeit werden würde und wie wichtig es war, die Bibliothek schnellstmöglich zu finden. Sie trugen Pedro zum Auto und machten sie auf den Weg zu Margarethas Pension.

Nachdem Margaretha ihren Sohn fürs erste versorgt und ihn ins Bett gelegt hatte, rief sie eine befreundete Ärztin an, welche sich bereit erklärte vorbeizukommen und Pedro zu untersuchen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde, bis sie eintraf und zusammen mit Margaretha im Zimmer von Pedro verschwand. Eine halbe Stunde später hatten sie Gewissheit, dass er stabil war und es überstehen würde. Die Wunden waren alle oberflächlich und sahen schlimmer aus als sie waren. Margarethas Freundin verabschiedete sich und liess einige Medikamente und Verbandsmaterial, einen Verletzten und drei komplett erledigte Menschen zurück. Eine Mischung aus Angst, Besorgnis und Wut hing wie eine Gewitterwolke im Speisesaal der Pension.

Die drei sassen schweigend an einem Tisch und versuchten ihre Gedanken zu ordnen und das Vergangene zu verarbeiten. Anne spürte eine bleierne Müdigkeit und den unbändigen Wunsch, das alles möge jetzt einfach wie ein hässlicher Albtraum vorbei sein und sie würde in ihrem Bett zu Hause erwachen. Doch das passierte nicht. Sie war hier und es gab kein Entrinnen. Der Weg, den sie begonnen hatte, musste zuende gegangen werden. Sie rang mit ihren Ängsten und Sorgen und plötzlich flackerte ein kleines Feuer in ihrem inneren auf. Plötzlich wurde ihr wieder bewusst, dass sie Teil einer wichtigen Begebenheit war und eine Aufgabe hatte. Ein Ruck ging durch ihren Körper. Sie stand auf blickte von Margaretha zu Luis. „Wir müssen uns zusammenreissen!“ sagte sie zu den beiden, die ihr mittlerweile so ans Herz gewachsen waren. Luis und Margaretha sahen zu ihr hoch und nickten abwesend.

Anne schüttelte ihre Lethargie ab und ging in die Küche um Kaffee aufzusetzen. Margaretha erhob sich ebenfalls und holte eine Strassenkarte von Peru, die sie auf dem Tisch ausbreitete. Margaretha war froh, sich etwas ablenken zu können und vertiefte sich in dem Wirrwarr von Strassen, die das Papier überzogen. „Eigentlich ist es ganz einfach. Ihr nehmt die Panamericana und fahrt etwa 500 Kilometer Richtung Süden.“ Sagte sie  und Luis fügte nickend an: „Das sollten wir in etwa 8 bis 9 Stunden schaffen.“ Anne wollte nicht mehr länger warten und schlug vor, noch etwas zu essen, das nötigste zusammen zu packen um dann los zu fahren. Sie würden die Strecke aufteilen und derjenige der nicht fuhr, würde schlafen und sich so erholen können. Luis willigte ein.

Anne brachte den Kaffee und gemeinsam planten sie ihre Fahrt. Langsam vertrieben Mut und Entschlossenheit die Sorgen der kleinen eingeschworenen Gemeinschaft. Wenn Pedros Qualen nicht umsonst gewesen sein sollen, dann müssten sie nun weitermachen und ihr Ziel erreichen. Schliesslich wollten Anne und Luis auch ihre Liebsten suchen und Anne war sich sicher, dass sie Raoul und Carlos bald finden würden. In ihren Träumen begegnete sie Raoul immer in dort, wo ihre Reise sie nun als nächstes hinführen sollte. Margaretha stand nun auf und ging in die Küche um etwas zu essen zuzubereiten, während Anne und Luis auf ihre Zimmer gingen, um das nötigste für die Fahrt einzupacken. Anne nahm den Kartenstein in die Hand und betrachtete ihn. In Ihren Gedanken sah sie sich mit Raoul damals im Büro sitzen. Damals war der Stein für sie nur ein Gegenstand, den sie in einer Liste neben vielen anderen Artefakten wahrnahm. Raoul brachte ihn zu ihr und nun sollte er sie wieder zu ihm bringen. Sie drückte den Stein an ihr Herz und flüsterte leise: „Bald werden wir uns wiedersehen, Raoul!“. Dann nahm sie ein T-Shirt und wickelte den Stein darin ein und packte ihn in ihren Rucksack.

Bevor Anne nach unten ging, wollte sie noch kurz nach Pedro schauen und öffnete vorsichtig die Tür zu seinem Zimmer. Auf Zehenspitzen schlich sie sich zu seinem Bett und setzte sich behutsam auf die Kante der Matratze um ihn ja nicht aufzuwecken. Margarethas Freundin hatte seine Wunden versorgt und ihm einige Verbände angelegt. Er hatte auch ein starkes Schmerzmittel erhalten, das gleichzeitig dafür sorgte, dass Pedro schlafen konnte. Sein Atem ging gleichmässig und Anne strich ihm zärtlich eine Locke aus der Stirn. Es fiel ihr nicht leicht, ihren Halbbruder, den sie doch gerade erst gefunden hatte, schon wieder alleine zu lassen. Noch dazu in so einem Zustand. Doch sie wusste, dass er es verstehen würde. Sie beugte sich langsam zu ihm hinunter und küsste ihn sanft auf die Stirn. Es knarrte leise an der Tür und Luis betrat leise das Zimmer. Er machte ihr Zeichen, dass das Essen fertig sei und sie kommen sollte. Anne nickte und Luis ging wieder aus dem Zimmer. Anne betrachtete Pedro noch einmal liebevoll und verliess dann den Raum um sich für die Fahrt zu stärken.

Das Essen schmeckte, aber Anne war bereits in Gedanken im Süden und sah sich mit Luis nach Raoul und Carlos suchen. Als ob Luis erraten hätte, was Anne beschäftigte sagte er leise zu ihr: „keine Angst, wir werden die Beiden finden. Ich bin überzeugt davon, ich habe das starke Gefühl, dass wir bald mit ihnen vereint sein werden.“. Anne nickte. Auch sie fühlte, dass bald etwas Wichtiges geschehen würde und dass sie Raoul und Carlos bald wiedersehen würden.

Nach dem Essen verstaute Luis Annes Rucksack und seine Tasche im Wagen. Er setzte sich ans Steuer und drehte den Zündschlüssel um zu prüfen, wie viel Benzin noch im Tank war. Er sah, dass die Nadel des Tankanzeigers nicht weit nach oben kletterte und nahm sich vor, Margaretha nach der nächsten Tankstelle zu fragen. Er stieg aus und sah in den Himmel, der sich nun langsam rot verfärbte. Die untergehende Sonne zauberte ein wunderbares Farbenspiel in die wenigen Wolken und die ersten hellen Sterne waren bereits zu sehen. Seine Gedanken schweiften in den Süden zu Carlos und eine bleierne Sehnsucht packte ihn. So lange hatte er seinen Freund nun schon nicht mehr gesehen und nun, da das Wiedersehen zum Greifen nahe stand, konnte er es kaum erwarten. Es gab auch Zweifel, die sich in seinen Kopf schlichen. Wo genau sollten sie ihre Suche beginnen? Waren die beiden noch am Leben? Was würde sie auf den Ebenen von Nazca erwarten?

Das Knacken eines Astes in einem Gebüsch riss ihn aus seinen Gedanken zurück in die Realität. Er schaute sich im Garten um und schaute mit zusammengekniffenen Augen in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Doch da war nichts. Die Hecke sah aus wie immer. Luis schloss die Autotür und drehte den Schlüssel im Schloss. Gerade als er wieder ins Haus wollte, hörte er wieder ein Geräusch. Diesmal war es eine Autotür, die hinter der Hecke zuschlug. Er wartete ab. Doch er hörte keinen Motor starten. Vielleicht war auch jemand ausgestiegen, dachte er. Doch dann hätte er doch das Auto heranfahren hören müssen? Er verscheuchte seine Gedanken wieder. Es war ihnen niemand gefolgt, als sie Pedro am Hafen geholt hatten und die Verfolger konnten nicht wissen, dass sie hier waren.

Er ging zurück zur Pension um Anne zu holen und Margaretha nach der nächsten Tankstelle zu fragen. Anne stand bereits im Türrahmen und verabschiedete sich von Pedros Mutter. „Viel Glück und bitte sag Pedro liebe Grüsse, wenn er wieder erwacht!“ sagte sie. „Ihr werdet wohl fast wieder zurück sein, bis Pedro wieder aufwacht.“ Sagte Margaretha und drückte Anne fest an sich. Auch Pedro verabschiedete sich von Margaretha und wünschte ihr viel Glück. Auf der Karte zeigte sie ihm noch, wo sie tanken konnten und dann fuhren Anne und Luis gemeinsam hinaus in die Nacht. Nach dem sie ihren Tank gefüllt und noch Wasser für die Fahrt gekauft hatten, fuhren sie über die Auffahrt auf die Panamerica, die sie nach Süden zu Raoul und Carlos bringen sollte.

Die Fahrt verlief ruhig. Je später die Nacht wurde, umso weniger Verkehr war auf der Autobahn auszumachen. Anne schlief auf dem Beifahrersitz, während Luis den Wagen für die ersten vier Stunden steuerte. Anne schlief ruhig und traumlos während Luis seinen Gedanken nachhing und sich vor seinem inneren Auge das Wiedersehen mit Carlos immer und immer wieder vorstellte. Die Strasse lehrte sich immer mehr. Nur der Wagen mit dem kaputten rechten Scheinwerfer blieb immer auf gleicher Distanz hinter ihnen. Doch Luis mass dem keine Bedeutung bei. Er wollte so schnell wie möglich zu Carlos. Langsam wurde der Druck in seiner Blase immer stärker. Er verlangsamte seine Fahrt und fuhr links an den Strassenrand und stieg aus, um sich zu erleichtern. Anne bekam davon nichts mit und schlief tief und friedlich. Luis kramte sich eine Zigarette aus der Tasche und zündete sie an. Langsam blies er den Rauch in die Nacht und betrachtete die Sterne. Ein Auto raste vorbei und zerschnitt die Stille des Niemandslandes, in dem sie sich mittlerweile befanden. Luis schnippte die fertig gerauchte Kippe auf die Strasse, streckte sich und begab sich zurück zum Auto. Anne schlief noch immer und ihr Oberkörper hob und senkte sich in regelmässigem Rhythmus auf und ab. Luis startete den Motor und fuhr zurück auf die leere Strasse.

Im Rückspiegel sah er, dass mit einigem Abstand hinter ihnen ebenfalls ein Auto zurück vom Strassenrand auf die Strasse fuhr. Etwas erstaunt stellte er fest, dass der rechte Scheinwerfer kaputt war. Nun begann er sich doch Gedanken zu machen. Wurden sie verfolgt? Er versuchte sich diese Zweifel auszureden, doch gleichzeitig suchte er nach einer Idee, den Wagen hinter ihnen loszuwerden. Er verlangsamte die Fahrt in der Hoffnung, dass das Auto sie überholen würde. Doch auch die Verfolger verlangsamten. Luis gab wieder Gas und beschleunigte diesmal auf eine viel höhere Geschwindigkeit. Auch jetzt passte sich der Wagen hinter ihnen ihrer Geschwindigkeit wieder an. Luis verlangsamte die Fahrt wieder. Doch dieses Mal bremsten die Verfolger nicht ab. Das Auto hinter ihnen kam immer näher, gefährlich nahe!

„Los, überhol doch!“ rief Luis, der nun langsam in Panik geriet. Anne erwachte schlagartig. „Was ist los?“ fragte sie Luis. „Wir werden verfolgt!“ antwortete er. Anne blickte nach hinten. Die Verfolger kamen immer näher. Anne sah, wie der Scheinwerfer der Verfolger aus ihrem Gesichtsfeld verschwand und vom Kofferraum ihres eigenen Autos verdeckt wurde. „Achtung Luis!“ schrie sie und dann hörte sie ein lautes Krachen und das Splittern von Glas.

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Kürbissuppe a la mode du Stoeps

 

Die Winterzeit hat auch was Gutes! Seit November stehen reihenweise Kürbisse herum, die nur darauf warten verkocht zu werden. Im Moment dampft es gerade in unserer Küche, denn einer dieser kugeligen Gesellen wird gerade verarbeitet. Ich habe da mein eigenes Rezept für eine richtig würzige, indisch angehauchte Kürbissuppe ertüftelt. Und das geht so:

Man nehme:

  • 1 Zwiebel
  • 1-2 Knoblauchzehen
  • 1 EL Butter
  • Ein Schuss Nussöl
  • Ingwer nach Belieben
  • Ca. 600 gr Kürbisfleisch gewürfelt
  • 2.5 dl Weisswein
  • 1 Liter Bouillon
  • Ca. 2 dl Sauerrahm
  • 3 Kaffelöffel Maisstärke
  • 2 cl Whiskey
  • Salz, Pfeffer, Curry, Kardamom, Chillipulver, Kurkuma, Koriander, Muskatnuss
  • Brotwürfel (von ca. 2 Brotscheiben)
  • Etwas Butter oder Nussöl (oder beides)
  • Wenig geriebenen Parmsan

Zubereitung

Die Zwiebeln, Knoblauch und Ingwer feingehackt in der heissen Butter-Nussölmischung glasig dünsten. Den gewürfelten Kürbis beigeben und andünsten. Mit dem Weisswein ablöschen und etwas weiterköcheln lassen. Die Bouillon darüber giessen und die Kürbisstücke gar werden lassen. Danach mit dem Pürierstab alles zu einer feinen sämigen Masse zerkleinern. Die Maisstärke im Whiskey auflösen, beigeben und alles aufkochen. Etwas köcheln lassen. Nach Belieben mit Salz, Pfeffer, Curry, Kardamom, Chillipulver, Kurkuma, Koriander, Muskatnuss parfümieren und etwas weiterköcheln lassen.

In einer Bratpfanne etwas Butter und/oder Nussöl erhitzen, Brotwürfel beigeben und rösten. Etwas geriebenen Parmesan beigeben und unter stetem Rühren schmelzen lassen. Die Brotwürfel darin wenden bis der Käse mit ihnen verbacken und sie schön goldig, knusprig werden.

Nun die Suppe mit dem Sauerrahm verfeinern, anrichten und die Brotwürfel einstreuen.

Servieren und fertig!

En Guete!

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